Heute ist der 15.05.2026 und die Nachricht hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet: Valie Export, die österreichische Medien- und Performancekünstlerin, ist am Donnerstag in Wien gestorben. Mit nur 85 Jahren, wenige Tage vor ihrem 86. Geburtstag, hinterlässt sie eine beeindruckende, aber auch tragische Geschichte. Ihr Tod wurde von der Valie Export Stiftung gegenüber der Nachrichtenagentur APA bekannt gegeben. Diese Stiftung würdigt sie als eine herausragende Künstlerin und wichtige Stimme der feministischen Avantgarde Europas seit den späten 1960er-Jahren.

Valie Export, geboren als Waltraud Lehner am 17. Mai 1940 in Linz, war nicht nur eine Künstlerin, sondern auch eine Ikone des feministischen Aktionismus. Ihre Werke, die oft intime und gesellschaftlich tabuisierte Themen aufgreifen, haben Generationen von Kunstschaffenden beeinflusst. Zu ihren bekanntesten Arbeiten zählen „Tapp- und Tastkino“ (1968) und die Performance „Aktionshose: Genitalpanik“ aus dem Jahr 1969. Bei dieser provokanten Aktion während eines Filmfestivals in München trug sie eine aufgeschnittene Hose und präsentierte ihr Schamhaar, um auf die sexualisierte Darstellung von Frauen aufmerksam zu machen. Ein Meilenstein, der wirksam auf die Absurditäten der Geschlechterrollen hinwies.

Ein Leben im Zeichen der Kunst

Valie Export war eine Pionierin, die oft ihren eigenen Körper in den Mittelpunkt ihrer Kunst stellte. Ihre kritische Haltung gegenüber dem Frauenbild des Wiener Aktionismus war ebenso prägend wie ihre eigenen Erfahrungen. Sie verlor ihren Vater im Zweiten Weltkrieg und wurde mit 18 Jahren schwanger, ließ sich aber schnell von dem Vater ihres Kindes scheiden. Diese persönlichen Herausforderungen prägten ihren Weg und ihre Kunst, die oft die gesellschaftlichen Normen in Frage stellte.

Mit 18 zog sie nach Wien, um Künstlerin zu werden. Dort arbeitete sie zunächst für den bekannten Künstler Friedensreich Hundertwasser. Ihre Karriere war jedoch nicht immer ein Zuckerschlecken; sie wurde häufig angefeindet und hatte bis ins hohe Alter mit finanziellen Sorgen zu kämpfen. Dennoch gab Valie Export nie auf. Ihre Arbeiten wurden in vielen bedeutenden Ausstellungen weltweit gewürdigt, und sie unterrichtete an Kunsthochschulen in Amerika und Europa.

Ein bleibendes Erbe

Valie Export war nicht nur eine Künstlerin, sondern eine Stimme für den Feminismus – eine Bewegung, die sie als unvollendet ansah. „Ich bin immer noch wütend“, sagte sie einmal, „und der Feminismus muss weiter kämpfen.“ Ihr Bild der abgewandelten Zigarettenmarke „Smart Export“ ist im Museum of Modern Art in New York ausgestellt und zeugt von ihrem Einfluss in der zeitgenössischen Kunstszene. Trotz ihrer bemerkenswerten Karriere erhielt sie nie den Großen Österreichischen Staatspreis – ein Umstand, der viele ihrer Unterstützer empörte und doch nicht ihre Bedeutung schmälerte.

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Valie Export hat uns verlassen, aber ihr Erbe wird weiterleben. Ihre Kunst hat nicht nur die Sichtweise auf den weiblichen Körper verändert, sondern auch darüber hinaus einen tiefen Einfluss auf die feministischen Diskurse und die Kunstwelt insgesamt ausgeübt. In der Erinnerung an sie wird klar: Die Auseinandersetzung mit Gender, Körper und Identität ist noch lange nicht abgeschlossen.