Am 25. Juni 2026 fand im RaiffeisenForum Linz eine bemerkenswerte Veranstaltung statt, organisiert von der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und Pro Oriente Linz. Rund 250 Gäste waren gekommen, um über die Zukunft Europas und die Rolle christlicher Werte in einer lebenswerten Gesellschaft zu diskutieren. Die Begrüßung übernahm Mag. Sigrid Burkowski, ein Vorstandsmitglied der Raiffeisenlandesbank OÖ, und Altlandeshauptmann Dr. Josef Pühringer, der auch Vorsitzender von Pro Oriente Linz ist. Ihre Eröffnungsworte waren nicht nur informativ, sondern auch inspirierend.

Der Höhepunkt des Abends war der Vortrag von Dipl.-Ing. Dr. Franz Fischler, einem ehemaligen EU-Kommissar und Landwirtschaftsminister. Er sprach zum Thema „Für ein lebenswertes Europa – der Beitrag des Christentums“ und stellte sich einer breiten Palette von Herausforderungen, die Europa heute betreffen. Themen wie Klimawandel, Künstliche Intelligenz, Robotik und der demografische Wandel standen im Fokus. Fischler forderte neue Governance-Modelle, um diesen Herausforderungen gerecht zu werden. Dabei erinnerte er an das Leitmotiv der europäischen Integration: „Frieden durch Wohlstand“.

Die Rolle der Kirchen und Werte in Europa

Josef Pühringer betonte in seinen einleitenden Worten die zentrale Rolle der christlichen Kirchen in einer pluralen Gesellschaft. Dies ist besonders wichtig in Zeiten, in denen der europäische Einigungsprozess unter dem Druck von Populismus und europafeindlichen Kräften leidet. In diesem Kontext ist die Charta der Grundrechte und der Vertrag über die Europäische Union von großer Bedeutung, da sie zentrale Werte Europas definieren: Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte.

Auf dem Podium diskutierten neben Fischler auch Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer, Sigrid Burkowski und Dr. Florian Wegscheider. Diese Diskussion beleuchtete die Herausforderungen, vor denen Europa steht, und wie eine wertebasierte und nachhaltige Entwicklung gefördert werden kann. Sigrid Burkowski nannte spezifische Beispiele aus Linz, wie soziale Projekte im Frankviertel und den Bau der Raiffeisen-Zentrale in Holzhybridbauweise, die als Vorbilder für nachhaltiges Handeln dienen können.

Bildung und gesellschaftliches Engagement

Fischler rief die Anwesenden dazu auf, sich aktiv für Europa einzusetzen und zeigte sich optimistisch hinsichtlich der jüngeren Generation. „Demokratie muss durch Bildung und gesellschaftliches Engagement gestärkt werden“, betonte er. Diese Sichtweise wird durch die aktuellen Herausforderungen untermauert, die in vielen EU-Mitgliedstaaten bestehen. Hier sind ernsthafte Rechtsstaatskrisen zu beobachten, die das Vertrauen in staatliche Institutionen untergraben.

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Bischof Manfred Scheuer sprach zudem die Bedeutung von Kultur, Sinn und Spiritualität für die Zukunft Europas an. In einer Zeit, in der die Menschenwürde durch technologische Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz und Biotechnologie auf die Probe gestellt wird, könnten Religionsgemeinschaften eine Brückenfunktion zwischen Individuum und Gesellschaft einnehmen. Die katholische Kirche wird in diesem Zusammenhang als wichtiger Akteur in der Förderung sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit hervorgehoben.

Europa in einer polyzentrischen Welt

Die Veranstaltung verdeutlichte, dass Europa seinen Platz in einer polyzentrischen Welt neu bestimmen muss. Die Vielfalt an Sprachen, Kulturen und Erfahrungen wird als eine der größten Ressourcen Europas angesehen. Initiativen wie das deutsch-französische und das deutsch-polnische Jugendwerk sowie Erasmus+ sind wichtige Schritte, um die europäische Zusammenarbeit zu fördern.

Insgesamt zeigt sich, dass Europa vor großen Herausforderungen steht, die nur im Zusammenspiel von Politik, Gesellschaft und Kirche bewältigt werden können. Die EU muss sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren und eine gerechte sowie nachhaltige Handels- und Wirtschaftspolitik verfolgen. Nur so kann sie ihre Vorreiterrolle im internationalen Wettbewerb erhalten und die Werte, die sie auszeichnen, verteidigen.

Für alle Anwesenden war die Veranstaltung im RaiffeisenForum eine wertvolle Gelegenheit, um gemeinsam über die Zukunft Europas nachzudenken und zu diskutieren. Die Impulse, die von den Referenten und Teilnehmern kamen, werden sicher noch lange nachwirken.

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