In Perg fand kürzlich die Veranstaltung „talk mit!“ des Bund Sozialdemokratischer AkademikerInnen (BSA) Bezirk Perg und der Bildungsorganisation der SPÖ Bezirk Perg statt. Hierbei sprach die Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig über die Chancen des Gesundheitssystems. Im Gasthaus Mitterlehner diskutierten die Anwesenden die Herausforderungen, mit denen das Gesundheitssystem aktuell konfrontiert ist, wie lange Wartezeiten, den Mangel an Kassenärzten sowie den Trend zu Wahlärzten. In Österreich gibt es derzeit rund 12.000 Wahlärzte, von denen 2.700 mehr als 300 Patienten pro Jahr betreuen.

Ein zentrales Ziel dieser Diskussion war es, einen Turnaround im öffentlichen Gesundheitssystem zu erreichen und die Versorgung unabhängig von Einkommen und Wohnort zu stärken. Ein möglicher Lösungsansatz sind die Primärversorgungseinheiten (PVE). Aktuell existieren 116 PVEs in Österreich, wobei das Ziel bis 2030 auf 300 Einheiten angehoben werden soll. Die Vorteile von PVEs sind vielversprechend: Sie sind attraktiv für junge Ärzte, bieten längere Öffnungszeiten und vereinen mehrere Disziplinen unter einem Dach.

Die Rolle der Primärversorgung

Die Primärversorgung stellt die erste Anlaufstelle für gesundheitsbezogene Anliegen in Österreich dar. Diese findet sowohl in Einzel- als auch in Gruppenpraxen sowie in den bereits erwähnten Primärversorgungseinheiten statt. Ihr Ziel ist es, die Gesundheit zu fördern, die Prävention zu stärken und eine qualitativ hochwertige sowie effiziente Krankenbehandlung zu gewährleisten. Eine gut ausgebaute Primärversorgung verbessert insbesondere die Betreuung chronisch kranker Menschen.

Primärversorgungseinheiten bestehen aus multiprofessionellen Teams, die Patient:innen gemeinsam behandeln. Das Kernteam setzt sich aus mindestens zwei Allgemeinmedizinern und diplomiertem Pflegepersonal zusammen, wobei weitere Gesundheits- und Sozialberufe je nach Bedarf hinzugezogen werden können, beispielsweise Psychologen oder Ergotherapeuten. Die Vorteile für Patient:innen sind vielfältig: Sie profitieren von erleichterten Terminvereinbarungen, verkürzten Wartezeiten, wohnortnaher Betreuung und flexiblen Öffnungszeiten. Auch für Ärzt:innen und andere Gesundheitsberufe ergeben sich Vorteile wie eine bessere Work-Life-Balance und weniger Bürokratie.

Aktuelle Entwicklungen und Ausblick

Die Gesundheitsreform von 2013 hat einen wichtigen Schritt zur Neugestaltung der Primärversorgung in Österreich eingeleitet. Mit dem Primärversorgungsgesetz (PrimVG) von 2017 wurde der rechtliche Rahmen für PVEs geschaffen. Die Ärztegesetz-Novelle 2018 ermöglichte zudem die Anstellung von Ärzten bei anderen Ärzten, was die Zusammenarbeit innerhalb der PVEs stärkt. Im Jahr 2019 wurde ein bundesweiter Gesamtvertrag für PVEs zwischen Ärztekammer und Sozialversicherungsträgern finalisiert, und 2023 wurde das PrimVG überarbeitet, um den Ausbau von PVEs weiter zu unterstützen.

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Ab 2024 werden jährlich 300 Millionen Euro vom Bund für die Stärkung der Primärversorgung bereitgestellt. Zudem unterstützen EU-Projekte, die von 2018 bis 2022 liefen, die Gründung von PVEs. Auch ein Projekt zur Attraktivierung der Primärversorgung mit 100 Millionen Euro bis 2026 wurde ins Leben gerufen. Die Plattform Primärversorgung dient als Informations- und Kommunikationsdrehscheibe für die Primärversorgungscommunity. Zukünftig werden auch Vertragsgruppenpraxen und Vertragsambulatorien in die Förderungen für bestehende Primärversorgung einbezogen.

Insgesamt zeigt die Diskussion um die Chancen des Gesundheitssystems in Perg, dass es an der Zeit ist, neue Wege zu gehen, um die Herausforderungen im Gesundheitsbereich zu meistern. Ein stärkeres, öffentliches Gesundheitssystem, das unabhängig von sozialen und finanziellen Faktoren funktioniert, könnte der Schlüssel zu einer besseren Versorgung für alle sein. Für weitere Informationen zu diesem Thema besuchen Sie bitte die Quelle und die Zusatzinformationen.