In Linz wurde kürzlich eine neue zentrale Gewaltambulanz eröffnet, die mit speziell ausgebildeten Forensic Nurses besetzt ist. Dies ist ein bedeutender Schritt im Kampf gegen Gewalt, denn die Ambulanz ist die vierte ihrer Art in Österreich. Sie bietet Unterstützung für Betroffene von körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt und stellt damit eine wichtige Anlaufstelle dar. Im Bezirk Schärding gibt es bereits mehrere Unterstützungsangebote für Gewaltopfer, die dringend benötigt werden, denn die Nachfrage wächst.
Die Gewaltschutzgruppe im Schärdinger Klinikum spielt eine zentrale Rolle. Sie betreut sowohl ambulante als auch stationäre Patienten und sorgt für medizinische Versorgung und Dokumentation. Ihre Arbeit basiert auf standardisierten Leitfäden zur Spurensicherung. Außerdem sensibilisieren und schulen sie das Krankenhauspersonal im Umgang mit Gewaltopfern und kooperieren eng mit externen Opferschutzeinrichtungen, Behörden und der Polizei. Im Vorjahr wurden 14 Gewaltopfer durch die Schärdinger Gewaltschutzgruppe betreut – eine Zahl, die im Vergleich zum Vorjahr stabil blieb. Tanja Spieler, eine Expertin in diesem Bereich, berichtet von einem besorgniserregenden Trend: In Österreich steigt die Zahl der Opfer und der betreuten Personen kontinuierlich an.
Steigende Zahlen und Hilfsangebote
Ein Blick auf die Zahlen zeigt das Ausmaß des Problems: 130 Gewaltopfer aus dem Bezirk Schärding wandten sich 2025 an das Gewaltschutzzentrum Oberösterreich, während es 2020 erst 69 waren. Das Gewaltschutzzentrum bietet anonyme und kostenlose Beratungen an, die rechtliche und psychosoziale Unterstützung umfassen. Auch das Frauennetzwerk 3 und das Frauenhaus Ried sind wichtige Anlaufstellen für Betroffene in diesem Bezirk. Das Frauenhaus stellt sechs Plätze für Frauen mit Kindern zur Verfügung, die Unterstützung benötigen, um in ein gewaltfreies Leben zu starten. Die Auslastung ist oft hoch, dennoch wird stets versucht, Plätze zu finden.
Die Gründe, warum Frauen Hilfe suchen, sind vielfältig. Zunehmend melden sich Frauen, die unter finanziellen und psychischen Problemen leiden. Das Frauenhaus ist rund um die Uhr telefonisch erreichbar, und Beratungen sind kostenlos, vertraulich und anonym. Bei akuter Gewalt wird dringend geraten, die Polizei zu rufen, denn eine Anzeige ist nicht verpflichtend. Die Spirale der Gewalt kann sich schnell entwickeln. Psychische Gewalt geht häufig in körperliche Gewalt über, und das betrifft nicht nur Frauen, sondern auch Männer und Kinder in unterschiedlichen Formen, einschließlich häuslicher Gewalt im Alter. Es ist wichtig, bei Verdacht auf Gewalt nicht wegzusehen und den Betroffenen Unterstützung anzubieten.
Nationale Perspektiven
Diese Herausforderungen sind nicht nur lokal, sondern finden auch im nationalen Kontext Beachtung. Der Nationale Aktionsplan zur Bekämpfung von Gewalt an Frauen und Mädchen 2025-2029 stellt einen ressortübergreifenden Leitfaden für die Bundesregierung dar. Ziel ist ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben für alle Frauen und Mädchen in Österreich. Dieser Plan berücksichtigt aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen sowie internationale Verpflichtungen und die Lebensrealitäten von Frauen und Mädchen. Er wurde interdisziplinär erarbeitet und umfasst Maßnahmen in verschiedenen Bereichen, darunter Gewaltprävention, frühzeitige Erkennung und besserer Schutz von Betroffenen.
Bis 2029 sollen konkrete Schritte unternommen werden, um das Engagement der Bundesregierung zur Umsetzung der Istanbul-Konvention zu bekräftigen. Gewaltprävention und die Verantwortung für Täter:innen sind zentrale Aspekte, die hier adressiert werden. Die stetige Aufklärung und Sensibilisierung in der Gesellschaft sind dabei unerlässlich.
Wer mehr über Unterstützungsmöglichkeiten erfahren möchte, findet weitere Informationen auf dunkelziffer.de.
