In der ländlichen Region Campo 9 im Departamento Caaguazú, Paraguay, hat sich ein spannendes Kapitel in der Fischzucht aufgetan. Kleinbauern, die sich bisher vor allem auf traditionelle Nutztierhaltung verlassen haben, fangen an, ihre Produktion zu diversifizieren und setzen zunehmend auf die Zucht von Fischen. Ein Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, Jungfische in einem Labor zu züchten und diese dann landesweit an Produzenten zu verkaufen. Zu den Fischarten, die dort gezüchtet werden, gehören Tilapia, Pacú und Wels. Nach der Mast bei den Bauern holt das Unternehmen die Fische ab und verarbeitet sie in einer Verarbeitungsanlage, wo köstliche Produkte wie Tilapia- und Pacú-Filets, Schnitzel und Nuggets entstehen. Sogar die Nebenprodukte wie Fischgräten und Fischhaut finden Verwendung und werden in einer Futtermittelanlage zu Fischöl und Fischmehl verarbeitet. Dies zeigt, wie umfassend die Wertschöpfungskette abgedeckt wird, einschließlich der Zucht für Aquarien.

Die Aquakultur wird zunehmend als Antwort auf den Rückgang der Fischbestände in den natürlichen Flüssen Paraguays gesehen. Diese Entwicklung wird von vielen als profitable Alternative für die ländliche Bevölkerung angesehen, besonders angesichts des kontinuierlich wachsenden Markts für Fischzucht, der nicht viel Land benötigt. Interessanterweise ermöglicht ein System namens „Pesque y pague“ den Kunden, direkt an Teichen zu angeln und dafür zu bezahlen – eine ganz neue Art des Freizeitvergnügens, die auch noch zur lokalen Wirtschaft beiträgt. Und die Tilapia? Die ist nach nur sechs Monaten schon verkaufsbereit, was sie zu einer schnellen und effizienten Wahl für die Landwirte macht. Außerdem erhalten die Produzenten umfassende Schulungen, was für eine nachhaltige Entwicklung der Branche entscheidend ist.

Regulatorische Herausforderungen

<pDoch nicht alles läuft reibungslos. Der paraguayische Senat hat ein Gesetz verabschiedet, das ein Umweltlizenzverfahren für die Zucht von Tilapias in geschlossenen und halbgeschlossenen Gewässern einführt. Dieses Gesetz regelt die Aufzucht, Mast und Vermarktung nicht-heimischer und exotischer Fischarten. Befürworter, wie Senator Javier Zacarías Irún, argumentieren, dass dieses Projekt eine wirtschaftliche Innovation für Umwelt und Wirtschaft darstellt. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, wie die von Senatorin Yolanda Paredes, die die Einführung exotischer Arten als unverantwortlich bezeichnet und vor den negativen Folgen für die heimische Fauna warnt. Die Bedenken sind nicht unbegründet, denn Tilapias könnten einheimische Arten wie Surubí und Pacú gefährden.

Die Diskussion um das Gesetz ist hitzig. Kritiker warnen davor, dass die neuen Regelungen gegen Artikel 7 und 8 der paraguayischen Verfassung verstoßen könnten, die das Recht auf eine gesunde Umwelt und den Schutz der Biodiversität garantieren. Auch Umweltorganisationen sehen die Tilapia-Zucht als potenzielle Bedrohung für die Artenvielfalt Paraguays. Sie prüfen rechtliche Schritte, sollte die Regierung ökologische Bedenken ignorieren. Das Außenministerium hat erklärt, dass die Regelung keine internationalen Abkommen verletzt, aber die internationale Gemeinschaft wird das Geschehen genau beobachten.

Wachstum der Aquakultur

<pTrotz der Herausforderungen ist die Aquakultur in Paraguay auf dem Vormarsch. Von 2000 bis 2021 stieg die Produktionsmenge von Aquakultur von etwa 100 Tonnen auf beeindruckende 14.000 Tonnen, was einem jährlichen Anstieg von 40 % entspricht. Damit einhergehend wuchsen auch die Importe von aquatischen Lebensmitteln von 1,66 Millionen USD auf 11,83 Millionen USD. Hauptsächlich werden die Nile Tilapia (75 % der Produktion) und Pacú (15 % der Produktion) kultiviert. Mit der steigenden Bevölkerung, die von 6,6 Millionen im Jahr 2021 auf 7,4 Millionen bis 2030 anwachsen soll, wird ein zusätzlicher Bedarf von 16.000 Tonnen Fisch pro Jahr erwartet, um einen Pro-Kopf-Verbrauch von 7 kg zu erreichen.

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Daher ist die Entwicklung der Aquakultur nicht nur eine Antwort auf die Herausforderungen der Lebensmittelproduktion, sondern spielt auch eine zentrale Rolle in der Sicherung der Ernährung, der Diversifizierung der Lebensgrundlagen und der Bekämpfung des Klimawandels. Paraguay arbeitet eng mit der Food and Agriculture Organization (FAO) zusammen, um den Nationalen Plan für nachhaltige Aquakulturentwicklung und das Gesetz für Fischerei und Aquakultur zu stärken. Die nächsten Schritte beinhalten die Entwicklung eines Fahrplans und eines Investitionsplans, um nachhaltiges Wachstum in der Aquakultur zu gewährleisten.

Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Aquakultur in Paraguay weiterentwickelt und welche Rolle sie in der Zukunft der Lebensmittelproduktion spielen wird. Ein Blick auf die Entwicklungen vor Ort zeigt, dass sowohl Chancen als auch Herausforderungen auf die Beteiligten warten – und die Frage nach dem Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichem Wachstum und ökologischem Schutz wird weiterhin im Fokus stehen.

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