In Neusiedl am See waren am 31. Oktober Hexen, Vampire und Monster auf Fahrrädern unterwegs. Rund 80 Kinder und Erwachsene nahmen trotz Regenwetter und Herbstferien an der zweiten Halloween-Kidical Mass teil. Die Fahrraddemonstration startete beim Rathaus – und die Polizei Neusiedl am See war dabei, um die Kolonne durch das Stadtgebiet zu sichern.

Vom Rathaus ging es zur Bezirkshauptmannschaft, über den Gartenweg zurück zur Hauptstraße und weiter bis zur Kaserne. Danach führte die Strecke zum Kinderspielplatz beim Kalvarienberg. Dort wartete auf die kleinen und großen Radlerinnen und Radler eine süße Überraschung. Bei dem Wetter war das vermutlich doppelt willkommen.

Mit Kostümen und klarer Botschaft

Zwischen Regenjacken und Fahrrädern rollten verkleidete Hexen, Vampire und Monster durch die Stadt. Das Motto der Aktion lautete: „Radwege, sonst gibt’s Saures.“ Die Kidical Mass wollte damit auf die Bedürfnisse und die Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr aufmerksam machen.

Die Veranstalter setzen sich dafür ein, dass Kinder Wege zur Schule und zu Freizeitaktivitäten selbstständig und sicher mit dem Fahrrad zurücklegen können. Es geht also nicht nur um eine gruselige Ausfahrt am 31. Oktober, sondern um Bedingungen, unter denen Radfahren für Kinder im Alltag selbstverständlich möglich ist.

Teil einer größeren Bewegung

Die Neusiedler Radparade steht im Zusammenhang mit den internationalen Aktionswochen des Kidical-Mass-Aktionsbündnisses. Europaweit beteiligten sich daran rund 120.000 Menschen. In Deutschland waren in den vergangenen zwei Wochen knapp 27.000 Kinder, Familien und weitere Engagierte bei Aktionen dabei. Bundesweit gab es 127 Veranstaltungen – darunter Fahrraddemonstrationen, temporäre Schul- und Spielstraßen sowie Fahrradbusses.

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Gefordert werden Schulstraßen, Tempo-30-Zonen, sichere Fußwege und sichere Radwege für Kinder. Das Bündnis will einen Straßenverkehr, der sich stärker an den Bedürfnissen von Kindern orientiert und ihre selbstständige Mobilität ermöglicht. Ihm gehören mehr als 400 lokale Organisationen und Initiativen sowie überregionale Partner an.

Nach Ansicht des Bündnisses braucht es sowohl temporäre als auch dauerhafte Schulstraßen, damit Schulwege sicherer werden. Die deutsche Bundesregierung soll Schulstraßen im Straßenverkehrsrecht verankern; Österreich hat dies bereits umgesetzt. Die Bundesländer sollen ihre Kommunen per Erlass zur Einrichtung solcher Bereiche ermutigen. Als Beispiele werden Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein genannt.

Mehr Platz und weniger Tempo

Auch der VCD fordert die Umsetzung von Tempolimits sowie sicheren Rad- und Fußwegen. Die Kommunen sollen den durch die StVO-Novelle im Herbst 2024 erweiterten Handlungsspielraum nutzen – etwa für sichere Fuß- und Radwegenetze, Tempo-30-Bereiche und Schulstraßen.

Changing Cities verlangt geschützte Radwege, funktionierende Fahrradstraßen und innerorts eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Das Deutsche Kinderhilfswerk wiederum will Kinder und Jugendliche frühzeitig und umfassend an der Stadt- und Verkehrsplanung beteiligen. Bei Fragen ihrer Sicherheit im Straßenverkehr sollen sie als Sachverständige für die eigenen Bedürfnisse einbezogen werden.

Während in Neusiedl am See also die Polizei die bunte Kolonne absicherte und am Kalvarienberg Süßigkeiten verteilt wurden, dreht sich die größere Debatte um dauerhafte Lösungen: sichere Wege, weniger Autoverkehr vor Schulen und ein Straßennetz, auf dem Kinder nicht nur am Halloween-Tag unterwegs sein können.