Das Ende einer Ära: St. Nikolas Volksschule schließt nach 213 Jahren
Heute ist der 2. Oktober 2026. In St. Nikola an der Donau hat der Gemeinderat am 1. Oktober in einer geheimen Abstimmung ein bedeutendes und bedauerliches Kapitel der Ortsgeschichte geschlossen. Die Volksschule, die seit 1813 ein fester Bestandteil des Lebens hier war, wird geschlossen. Ganze 213 Jahre lang hat sie Generationen von Kindern unterrichtet und geprägt. Doch jetzt, wo die Schülerzahl von 33 auf 24 gesunken ist – ein Rückgang, der auch durch den Wegzug von Asylwerber-Familien bedingt ist – war die Entscheidung unausweichlich. Zwei Drittel der Eltern haben sich für die Schließung ausgesprochen. Ein schwerer Schritt, der jedoch die Realität der sinkenden Schülerzahlen widerspiegelt.
Die Bildungsdirektion hat bereits reagiert und versichert, dass die betroffenen Schüler innerhalb von zwei Tagen an neuen Schulen in Grein und Waldhausen unterrichtet werden können, vorausgesetzt, die Bustransporte sind organisiert. Bürgermeister Engelbert Freudenschuß bestätigte zudem, dass der Nikolaustag am 6. Dezember weiterhin gefeiert wird – eine kleine, aber feine Tradition, die durch diese einschneidende Veränderung nicht verloren gehen soll. Die Gemeinde wird sich in den kommenden Monaten intensiv mit dem Thema Schulschließungen und den Nutzungsmöglichkeiten des ehemaligen Schulgebäudes auseinandersetzen. Was wird mit diesen leeren Räumen geschehen? Diese Frage schwebt in der Luft.
Ein Trend in ganz Österreich
Die Schließung in St. Nikola ist kein Einzelfall. Im Schuljahr 2026/27 werden in ganz Österreich mehrere kleine Schulstandorte geschlossen oder zusammengelegt, was nicht minder besorgniserregend ist. In Oberösterreich und der Steiermark sind jeweils drei Schulen betroffen, in Salzburg wird gar ein Standort stillgelegt. In der Steiermark sind es die Mittelschule Weiz I und die Volksschulen Modriach sowie Bärnbach-Afling. Diese Entwicklungen werfen ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, vor denen kleine Schulen stehen. Der Druck durch sinkende Schülerzahlen ist in vielen Regionen spürbar. Im Innviertel in Oberösterreich etwa wurden zuletzt 124 Schüler gezählt – auch hier ist die Zukunft ungewiss.
Die Statistik Austria zeigt, dass im Schuljahr 2024/25 in Österreich 45 Schulstandorte mit bis zu zehn Schülern existierten. 308 Schulen hatten zwischen 11 und 25 Schüler, und 769 Schulen zählten 26 bis 50 Schüler. Die Bildungspolitik versucht, diesen Trend durch Schulcluster zu begegnen, die eine bessere Ressourcennutzung ermöglichen. Lehrer können an verschiedenen Schulen innerhalb eines Clusters unterrichten – eine Maßnahme, die helfen soll, die Qualität der Bildung an kleineren Standorten langfristig zu sichern. Doch diese Schließungen und Zusammenlegungen könnten auch regionale Bildungsangebote stark einschränken.
Öffentliche Bildungsausgaben im Fokus
Österreich hat im Jahr 2021 etwa 22,3 Milliarden Euro für öffentliche Bildungsausgaben ausgegeben – das ist ein Höchststand. Auch wenn die Relation der Bildungsausgaben zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) leicht gesunken ist, bleibt der höchste Anteil den allgemein bildenden Pflichtschulen vorbehalten. Diese Entwicklungen führen zu Fragen über die Zukunft der Bildung in ländlichen Regionen. Private Konsumausgaben für Bildung, die im Jahr 2022 über 2,1 Milliarden Euro betrugen, flossen beispielsweise in Nachhilfeangebote. Ein Zeichen dafür, dass viele Eltern bereit sind, in die Bildung ihrer Kinder zu investieren, auch wenn die staatlichen Strukturen schwinden.
