In Wels an der Neuen Mittelschule 1 sorgte eine Unterrichtsstunde über den Ramadan jüngst für Aufregung. Im Deutschunterricht lasen die Schüler einen Text zu diesem wichtigen Fastenmonat der Muslime. Die Erstklässler, im Alter von 10 bis 11 Jahren, wurden anschließend mit acht Fragen konfrontiert, die sie beantworten sollten. Während einige Eltern die Themenwahl kritisch hinterfragten, war die Lehrerin insgesamt mit dem Feedback zufrieden. Es bleibt jedoch ein schaler Nachgeschmack, denn viele Eltern sind der Meinung, dass solch ein Thema besser in den Religionsunterricht passe.

Eine Mutter äußerte sich besorgt, dass muslimische Kinder durch ihre Vorkenntnisse im Nachteil seien, wenn sie mit den Themen ihrer katholischen Mitschüler konfrontiert werden. So wie diese Kinder über Ostern befragt werden, könnten sie im Unterricht über den Ramadan ebenfalls in die Bredouille kommen. Die Schuldirektorin Gisela Steinwendtner war leider telefonisch nicht erreichbar, und auch die Bildungsreferentin Christine Haberlander (ÖVP) wollte sich nicht aktiv äußern, sondern verwies auf die Bildungsdirektion.

Das Fasten im Schulalltag

Bildungsdirektor Alfred Klampfer wies darauf hin, dass sinnerfassendes Lesen im Deutschunterricht von zentraler Bedeutung sei und die Lehrkräfte die Freiheit hätten, Inhalte auszuwählen, die ihre Schüler fördern. Der Lehrplan fordert, dass Schüler mit einer Vielzahl von Textsorten und Themen in Berührung kommen, um ihre Lesekompetenz zu entwickeln. In Hamburg beispielsweise nehmen muslimische Schüler an einem Fasten-Wettbewerb teil, und es gibt sogar Berichte, dass Kinder im Unterricht aufgrund des Fastens umkippen. Eine besorgniserregende Situation, die zeigt, wie wichtig es ist, das Wohl der Schüler im Auge zu behalten.

Das Fasten soll zwar der Gesundheit nicht schaden, dennoch stellt sich die Frage, wie Lehrkräfte sensibel und korrekt darauf reagieren sollten. Eine falsche Herangehensweise an das Thema kann negative Folgen haben, weshalb Schulen in Deutschland Leitlinien für den Umgang mit dem Ramadan erarbeiten. Besonders in Städten wie Berlin, wo eine neutralere Sichtweise angestrebt wird, ist dies von Bedeutung. In Nordrhein-Westfalen wird im islamischen Religionsunterricht der tiefere Sinn des Fastens vermittelt, was zu einer positiven Verhaltensänderung auf spiritueller Ebene führen kann.

Herausforderungen und Unterstützung

Viele Lehrkräfte fühlen sich überfordert, wenn es darum geht, die Bedürfnisse fastender Schüler zu berücksichtigen, insbesondere während Sportunterricht oder Prüfungen. Schulsozialarbeiter berichten von Maßnahmen wie der Einrichtung von Gebetsräumen, um den Schülern einen Rückzugsort zu bieten. Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen der Reproduktion von antimuslimischen Stereotypen und den Normen im Schulsystem, was als institutionelle Diskriminierung bezeichnet werden kann. Die Unterstützung von muslimischen Religionslehrern ist in solchen Fällen unerlässlich.

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Der Ramadan ist für viele muslimische Schüler eine Zeit des Beisammenseins mit der Familie, aber auch eine Phase voller widersprüchlicher Anforderungen im Schulalltag. Während christliche Feiertage oft schulfrei sind, müssen muslimische Schüler häufig um individuelle Freistellungen bitten. Diese Ungleichheit wirft Fragen zur Religionsfreiheit auf und zeigt, wie wichtig eine respektvolle und inklusive Schulumgebung ist.

Lehrer und Lehrerinnen sollten darauf bedacht sein, das Gespräch mit Schülern und Eltern zu suchen, um Missverständnisse zu vermeiden und ein harmonisches Miteinander zu fördern. Der Ramadan bietet nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen für den Unterricht – etwa in Bezug auf interreligiöse Gemeinsamkeiten und Sinnstiftung. Letztlich kann ein respektvoller Umgang mit Vielfalt die pädagogischen Beziehungen stärken und das Engagement in Schulen fördern.