Am Freitag, 30. Oktober 2026, bringt die Württembergische Landesbühne Esslingen William Shakespeares Drama „Richard III.“ in die Oberrheinhalle nach Offenburg. Beginn ist um 20 Uhr. Im Zentrum steht der Machtkampf um den englischen Thron: Richard, Bruder des neuen Königs, will nach Jahren politischer Auseinandersetzungen selbst die Krone.

Dafür ist ihm jedes Mittel recht. Er arbeitet mit Manipulation, Intrigen und Gewalt, schreckt vor Morden und Verbrechen in der eigenen Familie nicht zurück und gewinnt durch geschickte Einflussnahme zunächst das Volk und Verbündete für sich. Doch je länger seine Herrschaft dauert, desto brüchiger wird sie. Die getäuschten, gedemütigten und unterdrückten Gegner sammeln sich gegen ihn; auf dem Höhepunkt seiner Tyrannei verliert Richard die Unterstützung und fällt in Ungnade.

Ein Aufstieg über Leichen

Zu Beginn liegt nach mehr als 100 Jahren Bürgerkrieg Frieden über England. Richards Bruder ist neuer König. Der machthungrige, zeitlebens verspottete Richard, Herzog von Gloucester, verachtet diese Ruhe jedoch und plant, politische Gegner aus dem Weg zu räumen. Er bringt Edward IV. dazu, George wegen eines angeblichen Komplotts verhaften und hinrichten zu lassen, gewinnt Lady Anne – die Witwe des getöteten Prinzen Edward – trotz ihrer Trauer für ein Eheversprechen und lässt seine Macht Schritt für Schritt wachsen.

Die Familie York wird dabei zum eigentlichen Schlachtfeld. Im Mittelpunkt stehen Richard, George, Herzog von Clarence, und Edward, König von England; zu ihrem Umfeld gehören ihre Mutter Cecily Neville, Herzogin von York, Königin Elizabeth Woodville und deren Verwandte. Elizabeth fürchtet um ihre Kinder, falls Richard nach Edwards Tod ihr Vormund wird. George wird im Tower von zwei beauftragten Mördern getötet, Edward IV. stirbt kurz darauf, und seine minderjährigen Söhne sollen als Thronfolger Edward V. nach London gebracht werden.

Richard lässt die Prinzen aus dem Kirchenasyl holen und in den Tower bringen. Gemeinsam mit Buckingham bereitet er seinen Aufstieg vor. Buckingham soll die Londoner überzeugen, die beiden Buben seien uneheliche Kinder Edwards. Rivers, Lord Grey und Sir Thomas Vaughan werden hingerichtet, Hastings nach einer fingierten Anklage enthauptet. Ein Schreiber hält später fest, dass dessen Todesurteil schon vor dem Verratsvorwurf vorbereitet war.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Krone nimmt Richard zunächst scheinbar widerwillig an – mit zwei Geistlichen an seiner Seite und nach wiederholtem Drängen von Lords und Bürgern. Die Krönung wird für den nächsten Tag festgesetzt. Später beauftragt er Sir James Tyrell, die Prinzen im Tower zu ermorden. Buckingham zögert, verlangt wiederholt die versprochene Grafschaft Hereford und flieht schließlich nach Wales; Richard verweigert ihm die Belohnung. Lady Anne stirbt, Buckingham verbündet sich mit Bischof John Morton und unterstützt Henry Tudor, den Grafen von Richmond.

Von Tewkesbury bis Bosworth

Der historische Hintergrund reicht tief in die Rosenkriege zurück. Shakespeares zwei Tetralogien erzählen von Ursprung und Ende dieses Konflikts. König Edward III. hatte vier Söhne: Edward, den Vater Richards II., Lionel, dessen Nachfahren durch Heirat mit dem Haus York verbunden wurden, John of Gaunt, Herzog von Lancaster, dessen Nachkommen die rote Rose führten, und Edmund of Langley, Herzog von York, für dessen Haus die weiße Rose stand.

Henry Bolingbroke, ein Sohn John of Gaunts, setzte Richard II. ab und wurde als Heinrich IV. König, obwohl Edmund Mortimer als Nachfahre Lionels den besseren Thronanspruch hatte. Heinrichs Enkel Heinrich VI. wurde später von der York-Armee besiegt. Sein Sohn, Prinz Edward, wurde von Richard, George und Edward getötet; Heinrich VI. selbst saß im Tower gefangen und wurde von Richard ermordet. In der Schlacht von Tewkesbury töteten Richard und seine Brüder den letzten Thronerben Lancasters. Dadurch wurde Richards ältester Bruder Edward König Edward IV.

Edward IV. hatte Elizabeth Woodville heimlich geheiratet, die Witwe des Lancaster-Anhängers Sir John Grey. Aus ihrer ersten Ehe brachte sie zwei Söhne mit; mit Edward hatte sie mehrere Kinder, darunter die Tochter Elizabeth sowie die Prinzen Edward und Richard, die später im Tower ermordet werden. Elizabeth von York, Edwards Tochter, soll schließlich Henry Tudor heiraten. Die Handlung des Dramas umfasst die Zeit zwischen Tewkesbury 1471 und Bosworth 1485. Whitehall und der Tower sind die wichtigsten Schauplätze, am Ende geht es auf das Schlachtfeld von Bosworth in Leicestershire.

Auch Margarete von Anjou, Cecily Neville und Elizabeth Woodville beklagen ihr Schicksal und verfluchen Richard. Elizabeth Woodville stimmt seinem Heiratsantrag für ihre Tochter scheinbar zu. Als Richmond in Wales einfällt, zieht Richard ihm entgegen. Lord Stanley unterstützt Richmond trotz der Gefangenschaft seines Sohnes. In der Nacht vor der Schlacht erscheinen Richard die Geister seiner Opfer im Traum und prophezeien ihm den Untergang; Richmond sprechen sie Mut zu.

Richards Truppen werden zurückgedrängt, sein Pferd wird getötet. Im Zweikampf trifft er auf Richmond und wird getötet. Richmond wird als Heinrich VII. König und heiratet Elizabeth von York. Damit endet der Krieg zwischen Lancaster und York – zumindest auf der Bühne, während im Saal vermutlich erst einmal ziemlich ruhig zugehört wird.

Shakespeares Drama und seine Überlieferung

„Richard III.“ ist ein Schauspiel über den Aufstieg und Fall Richards, Herzog von Gloucester. Der frühneuenglische Titel lautet The Tragedy of Richard the Third: vvith the Landing of Earle Richmond, and the Battell at Bosworth Field. Als Hauptquelle gilt Edward Halls Union of the Two Noble Families von 1548. Shakespeare nutzte außerdem Raphael Holinsheds Chronicles of England, Scotland, and Ireland, besonders die zweite Auflage von 1587, sowie Polydore Vergils Anglica historia von 1534, die den Geschichtswerken zugrunde lag.

Hall übernahm eine Fassung von Sir Thomas Mores The History of King Richard the Third; daraus verwendete Shakespeare teilweise wörtliche Passagen. Thomas Legges lateinisches Drama Ricardus tertius entstand vermutlich um 1579. Ähnlichkeiten werden vor allem auf gemeinsame Vorbilder aus der Seneca-Tradition zurückgeführt, ein direkter Einfluss ist nicht gesichert. Das anonyme Drama The True Tragedy of Richard III wurde 1594 gedruckt; Parallelen erklären sich vermutlich durch die gemeinsame Quelle Mirror for Magistrates, das zwischen 1559 und 1610 in sechs Auflagen erschien. Die zweite Auflage von 1563 berichtet erstmals, Richard sei für den Tod seines Bruders George verantwortlich.

Das Werk entstand wahrscheinlich um 1593, nach der Heinrich-VI.-Trilogie, die auf etwa 1590 bis 1592 datiert wird. Textparallelen zu Christopher Marlowes Edward II. und eine Erwähnung von 1 Henry VI durch Thomas Nashe führten zur Datierung um die Jahreswende 1591/92. John Jowett nimmt eine spätere Entstehung um die Jahreswende 1592/93 an – unter anderem wegen einer möglichen direkten Beziehung zu The True Tragedy of Richard III, das nachweislich am 23. Juni 1592 aufgeführt wurde. Die erste gesicherte Aufführung von Shakespeares Richard III. ist allerdings erst für den 16./17. November 1633 belegt.

Der Eintrag im Stationers’ Register erfolgte am 20. Oktober 1597. Im selben Jahr erschien die erste Quarto-Ausgabe, Q1, unter dem Titel The Tragedy of King Richard the third und ohne Namensangabe Shakespeares. Gedruckt wurde sie von Valentine Simmes für Andrew Wise in London. Q1 wurde bis 1634 siebenmal nachgedruckt; die letzte Quarto-Ausgabe vor dem First Folio war Q6 von 1622.

Im First Folio von 1623 erschien eine revidierte und erweiterte Fassung. Sie ist sprachlich und textlich meist zuverlässiger als Q1; für sie wurden teilweise Q3 von 1602 und Q6 von 1622 herangezogen. Als Vorlage der frühen Quarto gilt möglicherweise eine aus dem Gedächtnis rekonstruierte Schauspielerfassung, während für die Folio-Fassung häufig ein sogenanntes „foul paper“, also Shakespeares handschriftliche Arbeitsfassung, angenommen wird. Q1 enthält etwa 27 kurze Abschnitte mit rund 37 Zeilen, die in F1 fehlen. Umgekehrt fehlen in Q1 ungefähr 50 Passagen mit insgesamt rund 200 Zeilen, die F1 enthält. Moderne Ausgaben verbinden deshalb oft beide Fassungen zu einem Mischtext; einige neuere Editionen veröffentlichen Q1 und F1 getrennt als eigenständige Texttraditionen.

Schon zu Shakespeares Lebzeiten war das Stück populär. Bis heute gehört es zu seinen meistgespielten Dramen. In Esslingen wird der Stoff als Geschichte von Machtmissbrauch, Tyrannei, politischer Manipulation, moralischer Grenzenlosigkeit und den Grenzen moralischen Handelns auf die Bühne gebracht – mit einem Widerstand, der sich langsam formiert und am Ende in der letzten Schlacht sein Urteil spricht.

Karten und Information

Tickets und Informationen gibt es beim Bürgerbüro Offenburg, Fischmarkt 2, sowie online unter www.kulturbuero.offenburg.de, www.ortenaukultur.de und www.reservix.de. Karten sind außerdem in den Geschäftsstellen der Badischen Zeitung und der Mittelbadischen Presse erhältlich. Wer sich erst am Freitag entscheidet, bekommt sie auch an der Abendkasse. Die Veranstaltungsinformation stammt von der Stadt Offenburg.