Am Freitagabend wurde in Mariapfarr und Tamsweg der fünfte Salzburger „Ort des Gedenkens“ eröffnet. Es ist ein wichtiger Schritt zur Erinnerung an die dunklen Kapitel unserer Geschichte und die Menschen, die sich dem Nationalsozialismus entgegenstellten. Bis 2027 wird in jedem der sechs Bezirke Salzburgs jährlich ein Kunstprojekt umgesetzt, das an verschiedene Formen des Widerstands gegen das NS-Regime erinnert. Im Lungau steht der katholische Priester Josef Schitter (1911-1999) im Mittelpunkt, dessen Widerstand gegen die Nazis eindrucksvoll thematisiert wird. Die Basilika in Mariapfarr zeigt ein Wandgemälde an der Friedhofsmauer, das Teil eines größeren Kunstprojekts ist, das sich mit dem Leben und den Taten Schitters beschäftigt. Quelle
Josef Schitter war kein gewöhnlicher Priester. Sein „nonkonformes Verhalten“ und sein unermüdlicher Einsatz für den katholischen Religionsunterricht sind bemerkenswert. Er wurde 1941 die Erlaubnis zur Erteilung des „Konfessionsunterrichtes“ entzogen und warnte bereits 1940 andere Pfarreien vor Hausdurchsuchungen. Für seine staatsfeindlichen Äußerungen wurde er 1944 verhaftet und ins KZ Dachau überstellt, wo er kurz vor Kriegsende entlassen wurde. Nach dem Krieg allerdings war er von ehemaligen NS-Günstlingen als Sonderling betrachtet und hatte es schwer, in der Kirchenhierarchie Fuß zu fassen. Er arbeitete bis zu seinem Ruhestand in verschiedenen Pfarren in Salzburg.
Ein Kunstprojekt mit Bedeutung
Das Kunstprojekt „Wunder Stoff – Wunder Punkt“, das von Johanna und Helmut Kandl ins Leben gerufen wurde, erinnert auf eindringliche Weise an Schitters mutigen Widerstand. In Mariapfarr wird das Wandgemälde an der Friedhofsmauer und in Tamsweg an der Wand eines alten Schulgebäudes angebracht. Die Wandgemälde sind nicht nur schön anzusehen, sie tragen auch eine tiefere Botschaft. Die dargestellten Messgewänder sind mit Rissen und Lücken versehen, die auf die Gewaltherrschaft des NS-Regimes hinweisen. Zudem werden Tafeln mit biografischen Informationen zu widerständigen und verfolgten Personen angebracht.
Das Projekt hat auch eine interaktive Komponente. Im Lungau sind für ein Jahr lang Diskussionsabende, Vorträge und Workshops zum Thema Widerstand geplant. Historiker wie Albert Lichtblau und Robert Obermair betonen die Komplexität dieser Geschichte und die unterschiedlichen Wege, auf denen Menschen Widerstand leisteten. Schließlich wurden während der NS-Zeit in Österreich 724 Priester ins Gefängnis gebracht, 15 hingerichtet und sieben starben in Haft. Einige führende Kirchenvertreter arrangierten sich oder kollaborierten mit den Nationalsozialisten, während andere, wie Schitter, ein Risiko eingingen, um für Gerechtigkeit einzutreten.
Ein Blick in die Vergangenheit
In einem weiteren Kontext ist es interessant zu sehen, dass auch andere Kirchenvertreter wie Bischof Clemens August Graf von Galen gegen die Unterdrückung der katholischen Kirche im „Dritten Reich“ protestierten. Seine kritischen Predigten gegen die Gestapo und die ungerechtfertigte Bestrafung unschuldiger Menschen sind ein eindrucksvolles Beispiel für den Mut, den viele Menschen aufbrachten. Diese Widerstandsformen, ob im Kleinen oder Großen, sind es, die uns heute noch aufrütteln und zum Nachdenken anregen.