Brecht im Discofieber: Ein frischer Blick auf Arturo Ui im Landestheater Niederösterreich
Heute, am 20. September 2026, hat das Landestheater Niederösterreich in St. Pölten seine Premiere von Bertolt Brechts „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ gefeiert. Intendantin Patricia Nickel-Dönicke, die frischen Wind ins Theater bringen möchte, hat sich für ein spannendes Konzept entschieden: Elf Regisseure, darunter Simon Hastreiter und Wolfgang Menardi, inszenieren gemeinsam das Stück. Jeder von ihnen hat die Möglichkeit, mindestens eine Szene zu gestalten. Das Ergebnis ist ein bunter Mix aus kreativen Ansätzen, der das Publikum auf eine Reise durch die Abgründe der Machtentstehung mitnimmt.
Das Stück, das 2027 gemeinfrei wird, thematisiert Hitlers Aufstieg und verlegt ihn in ein Chicago-Setting. Es wird als Gangsterparabel interpretiert, die die Parallelen zwischen dem Deutschland der Weimarer Republik und dem Chicago der gleichen Zeit aufzeigt. Die Inszenierung nutzt Voice-over-Effekte, Video und sogar Brecht-Puppen, um die Geschichte lebendig werden zu lassen. Das Bühnenbild, gestaltet von Wolfgang Menardi, zeigt österreichische Flaggen und ein realistisches Kruzifix, was für einen besonderen visuellen Reiz sorgt.
Ein vielschichtiger Abend
Die Premiere, die am 19. September stattfand, dauerte insgesamt 2 Stunden und 45 Minuten, inklusive einer Pause. Das Ensemble, bestehend aus talentierten Schauspielern wie Bettina Kerl, Max Kurth und weiteren, bringt die Figuren mit viel Leidenschaft auf die Bühne. Besonders auffällig ist die Darstellung von Dogsborough, der im Wienerisch ein Lied von Konstantin Wecker singt – eine amüsante und gleichzeitig nachdenkliche Szene. Und nicht zu vergessen: Die beiden Schauspieler Bettina Kerl und Max Kurth, die den Arturo Ui verkörpern, tanzen am Ende des ersten Teils unter einer Discokugel. Ja, das klingt nach einer Disco-Atmosphäre, die man so nicht erwartet hätte!
Die Inszenierung ist nicht nur eine Aufführung, sondern auch ein Kommentar zur gegenwärtigen politischen Landschaft. Einige Vergleiche mit aktuellen politischen Parteien sind zwar rar, aber die verwendeten Videoeffekte und Anspielungen auf historische Figuren wie Hitler und Al Capone verleihen dem Stück eine besondere Aktualität. Die Intendantin hielt eine Laudatio zur Premiere, in der sie das Projekt lobte und die kreativen Ansätze der Regisseure würdigte.
Ein unerwartetes Finale
Das Finale, das mit der bekannten Schlusszeile des Stücks endet, wurde vom Publikum mit herzlichem Applaus gefeiert. Interessanterweise gibt es ein neues „Stadtensemble“ aus Laienmitgliedern, die „Stimmen der stillen Mitte“ zum Besten geben – deren Funktion bleibt jedoch ein wenig im Dunkeln. Komischerweise hat das Stück, trotz seiner Seltenheit, eine kleine Hausse erlebt und zieht das Interesse der Zuschauer auf sich.
Insgesamt ist die Inszenierung von „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ ein eindringliches Erlebnis, das zum Nachdenken anregt. Mit einem starken Ensemble und kreativen Regisseuren, die frischen Wind in die alte Materie bringen, zeigt das Landestheater Niederösterreich auf eindrucksvolle Weise, wie relevant Brechts Werk auch in der heutigen Zeit ist. Wer mehr über das Stück und die Inszenierung erfahren möchte, findet alle Informationen auf der Website des Landestheaters.
