Im Stieglerhaus in St. Stefan ob Stainz, wo sich die Wände fast schon mit Geschichten füllen, fand Ende Juni eine bemerkenswerte Veranstaltung statt. Rund 20 Frauen kamen zusammen, um an der Gesprächsreihe „FrauenZeit“ teilzunehmen. Die Atmosphäre war entspannt, fast familiär, und die Teilnehmerinnen schienen nach dem Alltagstrubel förmlich aufzuatmen. Mit einem offenen Raum für den Austausch über das Frau-Sein im Alltag, in der Familie, im Beruf und in der Gesellschaft bot die Veranstaltung eine willkommene Gelegenheit, Gedanken und Erfahrungen zu teilen.

Josefa Hauck, eine Psychotherapeutin aus Deutschlandsberg und Voitsberg, leitete den Abend. Sie begann mit einer Achtsamkeitsübung, die die Frauen einlud, den Moment zu genießen und sich selbst zu reflektieren. Wie sie so von ihren Erfahrungen als Mutter von fünf erwachsenen Kindern und Großmutter erzählte, konnte man spüren, wie authentisch und ehrlich diese Einblicke waren. Die Themen, die zur Sprache kamen, waren vielfältig: Freiheiten, Grenzen, persönliche Herausforderungen und die Erwartungen, die an Frauen gestellt werden. Diese Diskussionen, lebhaft und tiefgründig, dauerten etwa eineinhalb Stunden und endeten in einer gemütlichen Atmosphäre mit einem Buffet.

Einblicke in die psychotherapeutische Welt

Die Relevanz solcher Gespräche wird besonders deutlich, wenn man die aktuellen Herausforderungen in der psychotherapeutischen Praxis betrachtet. Psychisches Leiden ist oft eng mit Normvorstellungen über Weiblichkeit und Männlichkeit verknüpft. Eine diskursanalytische Studie zeigt, dass der Einfluss von Gender sowohl auf Patientinnen- als auch auf Psychotherapeutinnenseite häufig unreflektiert bleibt. Das Bewusstsein über eigene Genderannahmen und deren Relevanz im therapeutischen Prozess ist entscheidend. Zudem wird deutlich, dass Genderaspekte oft erst auf Denkanstöße hin thematisiert werden müssen.

Die nächsten Schritte in der Psychotherapie sollten eine verstärkte Gendersensibilität in der Ausbildung und Supervision von Psychotherapeutinnen beinhalten. Denn Gender spielt nicht nur eine Rolle in der Diagnosevergabe nach ICD-10, sondern beeinflusst auch die Kommunikation im therapeutischen Prozess. Eine gute therapeutische Beziehung, geprägt durch einen Konsens über Therapieziele, wirkt sich positiv auf den Therapieerfolg aus. Solche Erkenntnisse sind besonders wichtig, wenn man bedenkt, dass Frauen häufiger von psychischen Erkrankungen betroffen sind und oft eher Hilfe suchen als Männer.

Kulturelle und gesellschaftliche Kontextualisierung

Der Fachtag Gender & Psychotherapie der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hat die Bedeutung einer geschlechtergerechten psychotherapeutischen Versorgung hervorgehoben. Hier betont Dr. Dietrich Munz, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in Versorgung, Gesundheitsförderung und Forschung nicht ignoriert werden dürfen. Es ist ermutigend zu hören, dass die Mehrheit der Psychotherapeutinnen Frauen sind, und dass diese auch verstärkt die Bedürfnisse ihrer Klientinnen in den Fokus rücken sollten.

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Professorin Dr. Brigitte Schigl verweist auf die historische Entwicklung der Psychotherapie im Kontext der Frauenrechtsbewegungen, was die Relevanz von Gender und Diversity in diesem Bereich unterstreicht. Frauen sind nicht nur häufiger von psychischen Erkrankungen betroffen, sondern auch in der Lage, die therapeutische Landschaft aktiv mitzugestalten. Und wenn wir ehrlich sind, die Herausforderungen, die Frauen in ihrer Rolle als Mütter, Berufstätige und Partnerinnen begegnen, verdienen es, gehört zu werden.

Die nächste „FrauenZeit“ im Stieglerhaus ist für den 22. September 2026 geplant, und das Thema Frauengesundheit wird sicherlich viele ansprechen. Diese Veranstaltungen sind mehr als nur Treffen; sie sind ein wichtiger Schritt in Richtung eines besseren Verständnisses und einer größeren Sensibilität für die Herausforderungen, die Frauen im Alltag meistern müssen. Wer weiß, vielleicht wird auch der nächste Abend ein Ort des Austauschs, der Erkenntnis und der Gemeinschaft. Mehr Informationen zur Veranstaltung gibt es hier.

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