In der Stadtgemeinde Deutschlandsberg ist die Verkehrsanbindung ein zentrales Thema. Obwohl die Infrastruktur als gut angesehen wird, sind viele Bewohner auf ein Auto angewiesen, um von den umliegenden Bezirken in die Stadt zu gelangen. Besonders Senioren im ländlichen Raum sind auf bedarfsorientierte Transportangebote angewiesen, um ihre alltäglichen Besorgungen und Arztbesuche wahrnehmen zu können. Bis zum 31. März 2026 bot das Regiomobil, ein Sammeltaxi-Service, eine kostengünstige Möglichkeit, die 38 Gemeinden der Region zu verbinden. Dieses Angebot war Teil von über 290 Mikro-ÖV-Systemen in Österreich, die die letzte Meile zwischen öffentlichen Verkehrsmitteln und Zielorten überbrücken.
Die Finanzierung des Regiomobils war mit jährlich 1,4 Millionen Euro verbunden, wobei die Kosten zwischen den Gemeinden und der Region Südweststeiermark aufgeteilt wurden. Leider beteiligt sich das Land Steiermark nicht an dieser Finanzierung, da es das Modell als Konkurrenz zu eigenen Linienverkehren ansieht. Diese Entscheidung hat fatale Folgen: 31 Gemeinden in der Oststeiermark haben sich entschieden, aus dem Sammeltaxi Oststeiermark auszusteigen, das ursprünglich 66 Gemeinden umfasste. Die betroffenen Bürgermeister haben die Förderkriterien des Landes kritisiert und fordern dringend Planungssicherheit sowie eine fixierte Finanzierung, um die Mobilität in den ländlichen Regionen aufrechtzuerhalten.
Die Herausforderungen der Mikro-ÖV-Systeme
Die Situation ist nicht einzigartig für Deutschlandsberg. Auch im Oberösterreich wurde das Mondseeland-Shuttle eingestellt, da die Gemeinden die Kosten nicht mehr tragen konnten. Die durchschnittliche Besetzungsdichte dieses Shuttles lag bei lediglich 1,5 Personen pro Fahrt, was die Wirtschaftlichkeit des Angebots in Frage stellte. Solche Entwicklungen werfen Fragen auf, wie man Mikro-ÖV-Angebote für eine breitere Zielgruppe attraktiver gestalten kann. Oftmals wird angenommen, dass diese Angebote nur Senioren und Kinder ansprechen. Eine differenzierte Planung könnte hier Abhilfe schaffen und helfen, die Angebote für unterschiedliche Nutzergruppen interessanter zu gestalten.
In der Steiermark zeigt sich, dass eine höhere Förderung durch das Land zu einem Anstieg der Angebote führt. Im Bezirk Leibnitz hat mittlerweile ein privater Dienst die Sammeltaxi-Idee des Regiomobils übernommen, während die Menschen in Deutschlandsberg weiterhin auf eine zukunftsfähige Lösung warten. Die Zahl der Mikro-ÖVs in Österreich stagniert oder geht sogar zurück, trotz einer wachsenden Anzahl an Gemeinden, die sich für solche Systeme interessieren.
Die Bedeutung von Mikro-ÖV-Systemen
Mikro-ÖV-Systeme sind kleinräumige, bedarfsorientierte und flexible Verkehrsangebote, die besonders in ländlichen oder dünn besiedelten Gebieten eingesetzt werden. Sie bieten eine wichtige Transportdienstleistung für die Bevölkerung und decken die Verkehrsnachfrage einer Gemeinde oder Kleinregion ab. Diese Systeme sind integrale Bestandteile des gesamten öffentlichen Verkehrssystems (ÖV) und erfüllen mehrere Funktionen:
- Zubringerfunktion: Sie stärken den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) und erhöhen den Modal-Split zugunsten des ÖPNV.
- Versorgungsfunktion: Sie unterstützen die Nachfrage nach lokalen Versorgungseinrichtungen und helfen, Abwanderungstendenzen im ländlichen Raum zu reduzieren.
- Optimierungsfunktion: Sie erhöhen die Wirtschaftlichkeit und optimieren die Kosten im ÖV, insbesondere in nachfrageschwachen Räumen und Zeiten.
Die Herausforderungen, vor denen die Mikro-ÖV-Systeme in Österreich stehen, sind vielfältig. Es bedarf einer gemeinsamen Anstrengung von Gemeinden und Land, um die Mobilität in ländlichen Regionen nachhaltig zu sichern und auszubauen. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in einem Artikel auf ORF Steiermark sowie auf der Webseite des Bundesministeriums für Klimaschutz.