Gemeinschaftsgarten in Gratkorn: Eine Oase des Miteinanders und der Biodiversität
Im kleinen Ortsteil Gratkorn, direkt neben der B67 in Richtung Norden, gibt es einen ganz besonderen Ort, der zum Verweilen und Gärtnern einlädt. Der Gemeinschaftsgarten des Vereins „Gemeinsam Gärtnern“ hat in den letzten 15 Jahren nicht nur viele Gemüsesorten hervorgebracht, sondern auch eine lebendige Gemeinschaft geschaffen. Im vergangenen Jahr feierte der Verein sein zehnjähriges Jubiläum und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Der Gründer und Obmann, Hanspeter Zach, ist mit 46 Jahren immer noch voller Elan und Ideen für dieses grüne Paradies.
Das Motto des Gartens – „Gib was du magst, und nimm, was du magst“ – spiegelt das Konzept wider, das keine hierarchischen Strukturen kennt. Hier wird gemeinschaftlich gearbeitet, und sowohl Garten-Neulinge als auch erfahrene Gärtner sind herzlich willkommen. Die ursprüngliche Idee, einfach Zeit in der Natur zu verbringen, hat sich über die Jahre weiterentwickelt. Ein befreundeter Bauer stellte einen Teil seines Ackers zur Verfügung, was den Grundstein für unkonventionelle Anbaumethoden legte, wie etwa das Anpflanzen von Kartoffeln kreuz und quer.
Ein Garten voller Möglichkeiten
In der heutigen Zeit präsentiert sich der Garten weitaus strukturierter und bietet eine reiche Ernte. Hochbeete, Folientunnel, Sträucher und ein gemütliches Klubhaus prägen das Bild, während ein Kinderspielplatz den kleinen Helfern viel Freude bereitet. Rund 30 engagierte Mitglieder kümmern sich um die Pflege und den Erhalt dieses Ortes, wobei die Aktivität je nach Jahreszeit variiert. Zu Beginn der Saison fragt der Vorstand, bestehend aus Hanspeter Zach und Kassier Werner Hansmann, bei den Mitgliedern nach, wie viel Zeit sie einbringen können. So bleibt der Garten ein Ort der Begegnung und des Miteinanders.
Ein besonderes Merkmal des Gartens ist die finanzielle Eigenverantwortung. Der Großteil der Ausstattung wurde aus eigener Tasche finanziert, und vor fünf Jahren wurde ein Mitgliedsbeitrag eingeführt, um laufende Kosten zu decken. Doch damit nicht genug: Der Garten ist auch ein sozialer Treffpunkt. Dienstags finden Familiennachmittage statt, und freitags sind Klienten des Vereins „Die Brücke“ eingeladen. Praktikantinnen und Praktikanten der Caritas-Schule haben ebenfalls ihren Platz in diesem lebendigen Umfeld gefunden.
Ein Lernfeld für alle
Hanspeter Zach, der diplomierte Fachsozialarbeiter, weiß um die Bedeutung eines solchen sozialen Lernfeldes. Hier gibt es keine starren Regeln, sondern Workshops zu Themen wie Bienen, Kräuter und Sensenmähen, die das Wissen der Mitglieder erweitern. Das Prinzip des Gebens und Nehmens funktioniert bisher einwandfrei – Probleme gab es nie. Aktuell gibt es sogar einen Überschuss an Gemüse, vor allem Salat, was die Mitglieder mit Freude teilen.
Die Bedeutung solcher Gemeinschaftsgärten geht jedoch weit über den Anbau von Obst und Gemüse hinaus. Sie fördern soziale Kohäsion, tragen zur naturbezogenen Gesundheit bei und stärken die urbane Biodiversität. Mit einer Weltbevölkerung, die bis 2024 auf rund 58 % in Städten geschätzt wird, sind Gemeinschaftsgärten wie der in Gratkorn ein entscheidender Faktor für das soziale Miteinander. Studien zeigen, dass sie das Zugehörigkeitsgefühl und die Nachbarschaftskohäsion stärken. Das ist nicht nur gut für die Gemeinschaft, sondern auch für die Umwelt.
Gut gestaltete Gemeinschaftsgärten können Biodiversität und soziale Bindungen stärken. Faktoren wie Blütenreichtum und Nistressourcen sind entscheidend für die Bestäuber-Diversität in Gärten. Wenn man bedenkt, dass 33 Gemeinschaftsgärten in Berlin und München eine gesteigerte Bestäuber-Diversität mit der lokalen Blütenvielfalt aufwiesen, wird deutlich, wie wichtig solche Projekte sind. Urbanes Grün kann Habitatfunktionen für Bestäuber erfüllen, sofern es strukturell bewirtschaftet wird – und genau das geschieht im Garten in Gratkorn.
In einer Zeit, in der kleine, partizipative Natur-Orte in urbanen Gebieten an Bedeutung gewinnen, ist der Garten des Vereins „Gemeinsam Gärtnern“ ein leuchtendes Beispiel dafür, wie man durch gemeinschaftliches Engagement nicht nur die Natur, sondern auch die Menschen um sich herum bereichern kann. Wenn das nicht eine wahre Oase inmitten des Alltags ist!
Weitere Informationen über diesen beeindruckenden Garten finden Sie unter diesem Link.
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