In der Steiermark wird der Mikro-ÖV – also die kleinen, flexiblen Verkehrssysteme, die in ländlichen Regionen oft unverzichtbar sind – intensiv diskutiert. Ein aktueller Bericht des steirischen Landesrechnungshofs, der im März veröffentlicht wurde, wirft einen kritischen Blick auf die Effizienz, Kostendeckung und die Förderkriterien des Landes. Es zeigt sich, dass das Land keine Änderungen an diesen Förderkriterien plant, obwohl die Mikro-ÖV-Systeme wie Sammeltaxis und Rufbusse besonders in Gegenden eingesetzt werden, wo der reguläre Linienverkehr nicht ausreicht. Diese Systeme sind äußerst wichtig, denn sie helfen vor allem älteren Menschen, die „letzte Meile“ zu bewältigen – sei es der Weg von ihrem Wohnhaus zur nächsten Bushaltestelle oder zum Bahnhof. Der Fokus liegt dabei auf Alltagsfahrten, wie etwa Einkäufen oder Arztbesuchen. Aktuell sind etwa 17 Mikro-ÖV-Angebote in der Steiermark aktiv, die das öffentliche Verkehrsnetz ergänzen und unterstützen. Quelle
Doch die Situation ist nicht ganz unproblematisch. Viele Regionen haben ihre eigenen Mikro-ÖV-Angebote etabliert – von Sammeltaxis über Gemeindeshuttles bis hin zu Rufbussen. Diese Vielfalt führt allerdings zu einem Mangel an klaren Strukturen und einer unzureichenden Einbindung in die bestehenden öffentlichen Verkehrssysteme. Schönleitner, ein Kritiker der aktuellen Lage, betont, dass das Land seine Aufgaben im Bereich Mikro-ÖV nicht erfüllt hat. Seiner Meinung nach ist ein einheitliches System für die gesamte Steiermark notwendig, um die Organisation zu vereinheitlichen und die Kosten für die Gemeinden zu senken. Ein Beispiel für die Schwierigkeiten ist das Sammeltaxi SAM, das viele Haltepunkte hat, aber aufgrund seiner unübersichtlichen Organisation hohe Kosten verursacht. Quelle
Herausforderungen und Lösungen
Die Bedeutung des Mikro-ÖV im ländlichen Raum kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Er ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil der Daseinsvorsorge, sondern auch entscheidend für die soziale Teilhabe verschiedener Gruppen – insbesondere für Jugendliche, ältere Menschen und mobilitätseingeschränkte Personen. Diese Systeme bieten eine bedarfsgerechte Mobilität, die die Lebensqualität in ländlichen Regionen verbessert. Außerdem können sie den Tourismus fördern und im Vergleich zum öffentlichen Linienverkehr geringere Kosten verursachen, was besonders für Gemeinden von Bedeutung ist. Quelle
Ein weiterer Vorteil dieser flexiblen Verkehrslösungen ist ihre Nachfrageorientierung. Sie werden nur bei Bedarf genutzt, was nicht nur leere Busse vermeidet, sondern auch Kosten und Emissionen reduziert. Zudem können sie als Ergänzung zum bestehenden öffentlichen Nahverkehr fungieren und helfen, Lücken in Randzeiten oder am Wochenende zu schließen, besonders in abgelegenen Gebieten. Das ist nicht nur praktisch, sondern auch umweltfreundlich.
Die Erfahrung anderer Bundesländer zeigt, dass ein gut integriertes Mikro-ÖV-System möglich ist. In Niederösterreich etwa wird das VOR-Flex als Teil des Verkehrsverbunds erfolgreich umgesetzt, und auch im Burgenland wird kontinuierlich an der Integration von Mikro-ÖV-Angeboten gearbeitet. In der Südweststeiermark wird mit dem Pilotprojekt regioMOBIL zwischen August 2024 und Juni 2025 mit einer Steigerung der Fahrten um 30 % gerechnet. Hier könnten auch Klimaticket-Nutzer:innen im Vordergrund stehen, was zeigt, dass es nicht nur um die Mobilität geht, sondern auch um die nachhaltige Entwicklung der Region.