In Graz, der Landeshauptstadt der Steiermark, wird Stadtgeschichte lebendig. Die Stadtarchäologinnen Susanne Lamm und Anna Bauer-Zelinka erforschen und inventarisieren gefundene Objekte, die spannende Geschichten aus der Vergangenheit erzählen. Ob es sich um eine rostige Gabel oder ein Glasfläschchen handelt, jedes Stück birgt ein Stück Geschichte der Stadt. Ihr Ziel ist es, die jüngere Geschichte von Graz zu beleuchten und die Erzählungen hinter den Objekten zu entdecken. Ein eindrucksvolles Beispiel ist ein Kamm, der einer Zwangsarbeiterin aus der NS-Zeit zugeordnet werden konnte und in der Ausstellung „Lager Liebenau. Ausgraben und Erinnern“ im Graz Museum zu sehen ist.

Im Depot der Stadtarchäologie lagern beeindruckende 65.000 Objekte, die in etwa 1500 Kisten aufbewahrt werden. Darunter finden sich auch verrostete Teile eines Wehrmachtsmotorrads und viele andere Zeitzeugen, die das Leben in Graz geprägt haben. Der Fokus der Stadtarchäologie liegt insbesondere auf dem Gelände des ehemaligen Lagers Liebenau sowie dem ehemaligen Brauereigelände Reininghaus, wo zahlreiche Funde gemacht wurden, darunter ein französischer Militärhelm, der als Beutegut verwendet wurde. Die Stadtarchäologie wurde 2021 durch einen Beschluss des Gemeinderats ins Leben gerufen, um die Bewahrung, Erforschung und Vermittlung der Stadtgeschichte voranzutreiben.

Ein Blick in die Zukunft der Stadtarchäologie

Die Direktorin des Graz Museums, Sibylle Dienesch, hebt hervor, dass die Stadtarchäologie eine zentrale Rolle in der Bewahrung und Vermittlung der Geschichte spielt. Ein Teil ihrer Arbeit besteht darin, Grazerinnen und Grazer, die auf privaten Flächen Funde machen, als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Am 22. April um 18 Uhr wird Susanne Lamm einen Vortrag über das Zwangsarbeiterlager Liebenau im Graz Museum halten; eine Stunde vorher gibt es eine Führung durch die Ausstellung, die sicherlich einige Interessierte anziehen wird.

Um den Umgang mit den zahlreichen Funden zu regeln, wurde ein Kriterienkatalog entwickelt, der von Georg Tiefengraber, dem Leiter der Stadtarchäologie, in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt erstellt wurde. Dieser Katalog hilft, die Funde von den Reininghausgründen zu bewerten und die Aussonderung von Objekten, die nicht erhaltenswert sind, zu strukturieren. In weniger als einem Jahr wurden über 22.000 Objekte erfasst, dokumentiert und in eine Aussonderungsdatenbank eingetragen. Ab dem 2. November 2022 wurden die nicht benötigten Funde in Tranchen zur Zerstörung an das Bundesdenkmalamt übermittelt.

Ein Pionierprojekt in Mitteleuropa

Die Grazer Stadtarchäologie steht vor der Herausforderung, die zahlreichen Funde aus industrieller Massenproduktion zu verwalten, was ein Umdenken in der Aufbewahrung notwendig macht. Der Prozess der Kategorisierung, Dokumentation und Zerstörung von Funden ist eine Pionierleistung im mitteleuropäischen Raum. Ähnliche Kategorisierungsprojekte fanden auch bei Grabungen in Linz-Ebelsberg statt, wo Metallfunde eingeschmolzen wurden. Dies zeigt, dass die Grazer Stadtarchäologie nicht nur für die Region, sondern auch über die Grenzen hinaus eine Vorreiterrolle einnimmt.

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Aktuell ist die Stadtarchäologie mit der Aufbewahrung und Präsentation der Funde beschäftigt. Bis zum 25. August 2025 lagern 1.050 Euroboxen und Styroporkisten sowie 38 Paletten, darunter 18 mit Architekturteilen. Die Gesamtzahl der gelagerten archäologischen Funde beläuft sich auf etwa 65.000 Einzelobjekte, die überwiegend aus zeitgeschichtlichen Kontexten stammen. Die Arbeit der Stadtarchäologie ist nicht nur für die Wissenschaft von Bedeutung, sondern auch für die lokale Gemeinschaft, die durch Veranstaltungen und Ausstellungen in die Geschichte ihrer Stadt eintauchen kann.

Für weitere Informationen über die Arbeit der Stadtarchäologie in Graz und aktuelle Entwicklungen in der Forschung besuchen Sie die Kleine Zeitung.