Am 10. Juni 2025, kurz vor 10 Uhr, betritt ein 21-jähriger ehemaliger Schüler das BORG Dreierschützengasse in Graz. Mit einem Rucksack, in dem sich eine Glock und eine Schrotflinte befinden, schafft er sich einen Raum in der Schultoilette. Dort richtet er sich ein, legt einen Waffengurt an, setzt eine Schießbrille und ein Headset auf. Mit einem Video, das er auf Social Media hochlädt, gibt er den Beginn seines Amoklaufs bekannt. Um 10 Uhr eröffnet er das Feuer und es kommt zu einem grausamen Amoklauf, der die gesamte Stadt und das ganze Land in tiefe Trauer stürzt. Neun Schüler im Alter von 14 bis 17 Jahren und eine Lehrerin verlieren ihr Leben, während elf weitere Personen teils schwer verletzt werden. Der Täter begeht kurz nach dem Amoklauf Suizid in der Schultoilette.
Die Polizei erhält den ersten Notruf um 10:08 Uhr und stürmt die Schule. Im Gebäude herrscht plötzlich Stille – der Täter ist bereits tot. Der Amoklauf löst eine Welle der Betroffenheit aus, die weit über Graz hinausgeht. Tausende Menschen versammeln sich am 15. Juni 2025 auf dem Grazer Hauptplatz zu einer Trauerfeier, um den Opfern zu gedenken. Der Vorfall hat nicht nur tiefgreifende emotionale Wunden hinterlassen, sondern führt auch zu einer Verschärfung des Waffengesetzes in Österreich. Interessanterweise besaß der Täter seine Waffen legal, obwohl er beim Bundeheer aus psychischen Gründen als untauglich eingestuft wurde. Ein Jahr nach dem Vorfall bleiben die Motive des Täters weiterhin unbeantwortet.
Die Folgen des Amoklaufs
Viele Schüler und Lehrer sind auch Monate später noch tief betroffen. Der Unterricht findet seither in einem Ausweichquartier statt, während das Schulgebäude baulich und gestalterisch angepasst wird, um den Vorfall zu verarbeiten. Neue Sicherheitsvorkehrungen werden an Schulen überarbeitet, einschließlich neuer Signale für Notfälle. Der Amoklauf hat weltweit für Aufsehen gesorgt und war 2025 der am meisten gesuchte Begriff in Österreich. Der Druck, die Sicherheit an Schulen zu erhöhen, wächst.
Am Jahrestag des Amoklaufs wird es keine öffentliche Gedenkfeier geben, stattdessen ist eine private Feier für die Angehörigen geplant. Die Entscheidung, keine öffentliche Veranstaltung abzuhalten, zeigt, wie sensibel das Thema nach wie vor ist. Es bleibt eine große Lücke, die nicht nur in den Herzen der Betroffenen, sondern auch in der gesamten Schulgemeinschaft spürbar ist.
Psychische Erkrankungen und Waffengesetzgebung
In der Diskussion um Amokläufe ist oft von psychischen Erkrankungen die Rede. Nach einem Amoklauf in Kopenhagen am 3. Juli wurde beispielsweise ein Tweet der republikanischen Kongresskandidatin Lavern Spicer viral, der die Debatte um schärfere Waffengesetze anheizte. Verfechter einer lockeren Waffengesetzgebung argumentieren, dass nicht die Waffen, sondern psychische Störungen verantwortlich für solche Gewalttaten sind. Studien zeigen, dass nur ein kleiner Prozentsatz der Amokläufer vor ihren Taten offiziell als psychisch krank diagnostiziert wurde. In vielen Fällen sind es tieferliegende Probleme, die zu solch tragischen Ereignissen führen.
Lisa Pescara-Kovach, Professorin für pädagogische Psychologie, weist darauf hin, dass psychische Erkrankungen zwar ein Risikofaktor sind, jedoch nicht die alleinige Ursache darstellen. Sie betont, dass Täter oft das Gefühl von Hoffnungslosigkeit verspüren und den Wunsch haben, sich umzubringen. Bei der Analyse von Tätern zeigt sich häufig der Drang nach Ruhm oder das Verlangen, Teil einer größeren Geschichte zu sein. Statistiken belegen, dass der Zugang zu Feuerwaffen ein entscheidender Faktor für Amokläufe ist.
Die Reaktionen auf den Amoklauf in Graz verdeutlichen, wie komplex und vielschichtig das Thema ist. Der Schlüssel zur Verhinderung solcher Tragödien liegt im Umgang mit den Risikofaktoren und der Verbesserung des Zugangs zu psychologischen Unterstützungsangeboten. Es bleibt zu hoffen, dass aus den schmerzhaften Erfahrungen der Vergangenheit Lehren gezogen werden, um zukünftige Tragödien zu verhindern.
