Der Maulbeerbaum in Graz: Ein Stück Geschichte knickt ein, doch er lebt weiter
Heute ist der 1.07.2026, und in Graz gibt es traurige Nachrichten für alle Baumliebhaber. Der älteste dokumentierte Baum der Stadt, ein stattlicher Maulbeerbaum, ist in der Nacht auf Mittwoch eingeknickt. Dieser historische Baum, der in einem Innenhof in der Brückenkopfgasse steht, hat nicht nur die Zeit überdauert, sondern auch Zeuge vieler geschichtlicher Ereignisse gewesen. Eine Anrainerin hörte gegen 3.30 Uhr Geräusche, die sie sofort alarmierten – das Knacken der Äste, gefolgt vom Sturz des imposanten Baumes.
Der Maulbeerbaum (Morus alba), der vermutlich Mitte des 18. Jahrhunderts, zur Zeit von Kaiserin Maria Theresia, gepflanzt wurde, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Er ist sogar in einer Chronik aus der Napoleonzeit erwähnt. Der Baum stand im Innenhof des denkmalgeschützten Gebäudes in der Brückenkopfgasse 7 im Bezirk Gries, das 1701 als „Platzlwirt“ erwähnt wurde und 1748 kaiserliche Bauprivilegien erhielt. Das Haus, das einst prominente Gäste wie Lord Nelson und Lady Hamilton beherbergte, hat viele Wandlungen durchlebt – von einem Bürgerspital bis hin zu einer Lederfabrik. Im Jahr 1989 wurde es schließlich als Naturdenkmal ausgezeichnet.
Ein Baum mit Geschichte und Zukunft
Obwohl der Baum in der Nacht umgestürzt ist, gibt es Grund zur Entwarnung: Er ist nicht tot! Der Stamm treibt bereits wieder aus. Das ist überraschend, denn der Zustand des Baumes war schon länger bedenklich. Er war teils innen hohl und musste mehrfach gestützt werden. Nun ist einer der beiden Hauptäste abgebrochen, während der zweite aus statischen Gründen entfernt werden muss. Die Hoffnung besteht, dass der Baum, trotz der Schäden, weiterhin ein Teil der historischen Landschaft Graz’ bleibt.
Die Brückenkopfgasse hat nicht nur architektonisch, sondern auch emotional einen besonderen Stellenwert. Die Geschichten, die sich um das denkmalgeschützte Gebäude ranken, sind beinahe so lebendig wie der Baum selbst. Es ist fast so, als könnte man die Gespräche der berühmten Gäste noch hören, während sie im Schatten des Maulbeerbaums verweilten. Auch wenn dieser Baum nun einen Teil seiner Kraft verloren hat, bleibt sein historischer Wert unberührt. Die Nachbarn sind bestürzt, aber auch erleichtert, dass es keine Verletzten gab, und viele hoffen, dass der Baum bald wieder in alter Pracht erstrahlt.
Die Situation wirft auch Fragen auf: Wie gehen wir mit solchen Naturdenkmälern um? Welche Maßnahmen sind nötig, um sie zu schützen? Vielleicht ist dieser Vorfall ein Weckruf für uns alle, über den Erhalt unserer Natur nachzudenken. In einer Zeit, in der der Klimawandel und die Urbanisierung unsere grünen Oasen bedrohen, ist es wichtiger denn je, solche lebendigen Geschichtsträger zu bewahren.
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