In Graz, der charmanten Landeshauptstadt der Steiermark, braut sich etwas zusammen, wenn es um die Rad- und Fußgängerinfrastruktur geht. Die neue blau-schwarze Landesregierung könnte auf einige Schwierigkeiten stoßen, wie Beobachter befürchten. Die linke Stadtkoalition ist sich einig: Hier wird oft auf die Bremse gedrückt. Vizebürgermeisterin Judith Schwentner von den Grünen lässt keinen Zweifel daran, dass sie mit „Verzögerungen und Stillstand“ unzufrieden ist und äußert scharfe Kritik an Verkehrslandesrätin Claudia Holzer von der FPÖ.

Schwentner hat gleich fünf Baustellen aufgelistet, bei denen Land und Stadt nicht auf derselben Seite stehen. Da wäre zum Beispiel der Radweg am Kalvariengürtel, der zwar zwischen der Großkreuzung Wiener Straße und der Mur fast fertig ist, aber keinen Lückenschluss bietet. Die Planung führt zu unbefriedigenden Kompromisslösungen. Auch die Waltendorfer Hauptstraße steht auf der Liste – hier wird ein Zebrastreifen bei der Bushaltestelle Peterstalstraße gefordert, doch die notwendigen straßenrechtlichen Verfahren und Grundeinlösungen fehlen noch.

Ein Blick auf die Herausforderungen

Die Liebenauer Hauptstraße soll sichere Fußgängerquerungen bei der Bushaltestelle Leberackerweg bieten, aber die Umsetzung ist erst für 2027 vorgesehen. Auf der Radegunder Straße wurde ein Geh- und Radweg abgelehnt, und nur ein Gehweg im Abschnitt Prochaskagasse bis Rotmossweg ist für 2027 geplant. Und dann wäre da noch die Costellagasse, wo der Gehsteig einfach zu schmal ist und die Landesstraßenverwaltung keine Maßnahmen eingeplant hat. Schwentner fordert mehr Zusammenarbeit und ein gemeinsames Vorgehen von Stadt und Land, um die Situation zu verbessern.

Doch nicht nur Graz selbst, auch die gesamte Steiermark hat sich seit 2016 dem Ausbau des Alltagsradverkehrs verschrieben. Der „Masterplan – Radoffensive Graz 2030“ soll die Attraktivität des Radverkehrs erhöhen. Bis zum Jahr 2030 sind stolze 100 Millionen Euro von Stadt Graz und Land Steiermark für diese Projekte vorgesehen. Allein im Jahr 2023 stehen erneut rund zehn Millionen Euro für verschiedene Maßnahmen zur Verfügung. Die Pläne erstrecken sich über die gesamte Stadt und zielen darauf ab, die Bedingungen für Radfahrer zu verbessern und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Verkehrssicherheit zu leisten.

Investitionen in die Zukunft

Die Umsetzung vieler Vorhaben, Detailplanungen und die notwendigen Grundeinlösungen für zukünftige Projekte sind in vollem Gange. Investitionen in Beleuchtungen, Ampelanlagen und Verkehrszeichen stehen ebenfalls auf der Agenda. Über 20 Prozent der Grazer nutzen bereits das Fahrrad im Alltag, und im Jahr 2022 wurde das Radwegenetz um sieben Kilometer erweitert. Bedeutende Verbindungen, zum Beispiel am Joanneumring, Neutorgasse, Petersgasse und Grieskai, werden in diesem Jahr gebaut. Der Mobilitätsplan 2040 hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, dass bis 2040 80 Prozent aller Wege zu Fuß, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden.

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Auf Bundesebene gibt es seit 2021 ein Finanzhilfe-Sonderprogramm, das es Ländern und Gemeinden ermöglicht, Bundesmittel für Radverkehrsinfrastrukturprojekte zu beantragen. Bis 2030 stehen hierfür rund 1,9 Milliarden Euro zur Verfügung, und es wurden bereits über 3.500 Maßnahmen bundesweit bestätigt. Ziel ist es, den Verkehr auf den Radverkehr zu verlagern, insbesondere im ländlichen Raum. Die geförderten Maßnahmen umfassen alles von Neu- und Ausbauten von Radwegen bis hin zur Sanierung bestehender Strecken. Dabei können finanzschwache Gemeinden bis zu 90 Prozent der Kosten erstattet bekommen.

Die Herausforderungen in Graz sind also groß, und es bleibt spannend, wie sich die Dinge weiterentwickeln werden. Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land wird entscheidend sein, um die Vorhaben voranzutreiben und den Radverkehr in der Region nachhaltig zu fördern. Doch die Zeit drängt, und die Bürgerinnen und Bürger warten auf Lösungen, die ihren Alltag erleichtern könnten.

Weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen finden Sie in der Kleine Zeitung und auf der Webseite des Verkehrsministeriums der Steiermark sowie beim Bundesministerium für Verkehr.