Am 7. Mai 2026 wurde im Graz Museum ein bedeutsames Projekt ins Leben gerufen: das digitale Gedenkbuch MEMOR. Hier werden die Geschichten der Grazer Opfer des Nationalsozialismus auf eine ganz besondere Art und Weise sichtbar gemacht. An den letzten freiwilligen Wohnadressen dieser Menschen präsentiert die Plattform ihre Schicksale, die oft im Dunkel der Geschichte verborgen blieben. Über 80 Gäste, darunter auch prominente Vertreter, waren bei der Präsentation anwesend, die von der Museumsdirektorin Sibylle Dienesch eröffnet wurde.
Die Bürgermeisterin von Graz, Elke Kahr, hob in ihrer Ansprache die immense Bedeutung dieser Plattform hervor. Sie betonte, wie wichtig es ist, die Namen, Gesichter und Geschichten der Opfer des NS-Regimes zurückzugeben. Das Projekt, das aus jahrelanger Recherchearbeit entstanden ist, wurde in Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen realisiert. Dabei waren unter anderem der CLIO Verein, das Centrum für Jüdische Studien der Universität Graz und das Universalmuseum Joanneum beteiligt.
Die Plattform und ihre Funktionen
MEMOR ist mehr als nur eine digitale Sammlung von Daten. Die Plattform, die unter ns-opfer-graz.at zu finden ist, bietet eine interaktive Karte, die die letzten Wohnorte der Grazer NS-Opfer zeigt. Außerdem gibt es eine Übersicht über die Biografien dieser Menschen, die entsprechend ihrer Verfolgungsgründe dokumentiert sind. Die Daten stammen aus akribischen Recherchen in Archiven, Opfer-Datenbanken und Publikationen, darunter das Steiermärkische Landesarchiv und das Bundesarchiv Berlin. MEMOR soll als historisches Archiv und Bildungsinstrument dienen, um die individuelle Verfolgung in Graz während der NS-Zeit sichtbar zu machen.
Aktuell konzentriert sich die Gedenkstätte auf die Opfer, die 1938 in Graz lebten. Das Ziel ist klar: Die Erinnerung an alle Grazer NS-Opfer soll lebendig gehalten werden, um ihre Geschichten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Ein zentrales Anliegen des Projekts ist es, den Opfern ein Gesicht zu geben, und dazu wird die Bevölkerung zur Mitarbeit aufgerufen. Wer Informationen zu bekannten oder unbekannten NS-Opfern hat, kann sich per E-Mail unter memor.graz@uni-graz.at melden.
Ein Schritt in die richtige Richtung
Die Präsentation von MEMOR ist ein wichtiger Schritt, um die Erinnerungskultur in Graz zu stärken. Es ist nicht nur eine Plattform für Informationen, sondern auch ein Appell an die Gesellschaft, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Die Geschichten der Opfer sind Teil unseres kollektiven Gedächtnisses, und es ist unerlässlich, dass wir sie nicht vergessen. Sie erinnern uns daran, wie wichtig es ist, für Toleranz und Menschlichkeit einzutreten.
Das digitale Gedenkbuch ist nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft ein bedeutendes Werkzeug. Bald wird es auch über die städtische Website graz.at erreichbar sein, um noch mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, sich mit diesen wichtigen Themen auseinanderzusetzen. MEMOR ist ein Beispiel dafür, wie digitale Medien helfen können, Geschichte erlebbar zu machen und das Bewusstsein für die Schrecken der Vergangenheit zu schärfen.