In Aflenz an der Sulm, unweit von Wagna, geschieht etwas sehr Bedeutendes: Ein begehbares Landschaftsdenkmal wird errichtet. Diese Initiative hat das Ziel, die Spuren der Vergangenheit sichtbar zu machen – und das auf dem Gelände eines ehemaligen KZ-Außenlagers. Ein Ort, der lange Zeit im Schatten der Geschichte lag, wird nun auf eine neue Art und Weise beleuchtet. Das Projekt zielt darauf ab, das Leid der Menschen, die dort gefangen waren, zu dokumentieren und ihre Geschichten für die Nachwelt erlebbar zu machen. Hierbei geht es nicht nur um Erinnern, sondern auch um das Erfahren von verdrängter Geschichte.
Die Konzeptvorstellung fand kürzlich statt und es waren einige bedeutende Persönlichkeiten vor Ort. Unter den Gästen waren Bernhard Schrettle von ASIST Steiermark, Peter Stradner, der Bürgermeister von Wagna, und Marko Mele, der wissenschaftliche Leiter des Universalmuseums Joanneum. Auch Milica Tomić, die künstlerische Leitung des Projekts, sowie Gabriele Mackert, die Leiterin des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum, waren anwesend. Andreas Boden, Landschaftsarchitekt, und Andreas Paar von HOLCIM GmbH trugen ebenfalls zur Diskussion bei. Gemeinsam präsentierten sie die Ideen und Visionen für das Aflenz Memorial, das im Oktober 2026 eröffnet werden soll.
Ein Ort des Erinnerns
Das KZ-Außenlager, das 1944 für die Rüstungsproduktion errichtet wurde, ist heute kaum mehr visuell fassbar. Keine baulichen Überreste sind erhalten geblieben, was die Bedeutung des Memorials umso größer macht. Rund 650 KZ-Häftlinge waren hier interniert, und tragischerweise starben mindestens 62 von ihnen an den extremen Bedingungen. Das geplante Memorial soll nicht nur an diese Schicksale erinnern, sondern auch den Dimensionen des Lagers durch Wege entlang der ehemaligen Grenzen Raum geben. Ein begehbares Denkmal, das den Besuchern die Möglichkeit bietet, in die Geschichte einzutauchen.
Die kreative Leitung des Projekts liegt in den Händen von Milica Tomić, die mit ihrem Konzept eine Brücke zwischen Erinnerung und Architektur schlagen möchte. Am 28. Mai 2026 fand eine Pressekonferenz statt, um die Konzeptvorstellung zu präsentieren – ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Eröffnung des Aflenz Memorial. Diese Initiativen werden durch zahlreiche Partner unterstützt, darunter die Gemeinden Wagna und Ehrenhausen sowie HOLCIM Österreich. Auch der Zukunftsfonds der Republik Österreich und der Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus tragen zur Finanzierung bei. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt, das auf unterschiedlichen Ebenen zusammenwächst.
Ein Blick in die Geschichte
Die Überlieferung aus der Zeit des Nationalsozialismus ist oft lückenhaft, vor allem bedingt durch die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg. Das Bundesarchiv bietet jedoch Zugang zu einer Vielzahl von Archivalien, die sich mit Konzentrationslagern befassen. Hier finden sich Dokumente, die Einblick in das Leben der Häftlinge und die Verwaltung der Lager geben – eine wertvolle Ressource für alle, die sich mit der Geschichte auseinandersetzen möchten. Unter den Beständen sind auch Aufzeichnungen über das Wachpersonal und die Verwaltungsvorgänge, die ein Bild der damaligen Verhältnisse zeichnen.
Wenn das Aflenz Memorial im Oktober 2026 seine Türen öffnet, wird es ein Ort sein, an dem die Geschichten der Opfer erzählt werden. Ein Ort, an dem die Vergangenheit nicht vergessen wird, sondern lebendig bleibt. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, um das Leid der Menschen, die dort litten, sichtbar zu machen und ihnen die Ehre zu erweisen, die sie verdienen. Denn Geschichte sollte niemals zum Schweigen gebracht werden.
