In einem schockierenden Vorfall wurden im Bezirk Leibnitz 400 verwahrloste Tiere in einem Haus entdeckt. Die erschütternden Bedingungen, unter denen diese Tiere lebten, werfen ein grelles Licht auf das Thema Animal Hoarding, ein Problem, das in der Steiermark und darüber hinaus immer wieder auftritt. Hunderte Kaninchen, Meerschweinchen und Katzen waren in dreckigen Käfigen untergebracht, viele von ihnen unterernährt und verletzt. Zwischen den überlebenden Tieren lagen zahlreiche Kadaver, und tote Tiere waren rund um das Haus verscharrt. Die Situation war so katastrophal, dass selbst Ingrid Stracke vom Tierschutzverein „Purzel & Vicky“ in Vasoldsberg sagte, sie habe noch nie so volle Käfige gesehen und viele der Tiere seien in einem sehr schlechten Zustand.
Die überlebenden Tiere wurden in den Tierschutzverein „Purzel & Vicky“ und im Tierheim Adamhof in Leibnitz untergebracht. Der Fall wurde als „Animal Hoarding“ klassifiziert, ein psychologisches Phänomen, bei dem Menschen eine hohe Anzahl an Tieren ohne angemessene Versorgung sammeln. Solche Vorfälle sind in der Steiermark zwar nicht unbekannt, aber in diesem Ausmaß selten. Besonders häufig sind Nagetiere und Katzen betroffen. Tierschutzombudsfrau Karoline Schlögl empfiehlt, Verdachtsfälle direkt bei den Behörden zu melden. Doch rechtlich ist die Situation oft kompliziert, denn Tierhalter können den Zugang für die Behörden verweigern, wenn nicht genügend Beweise oder sichtbare Missstände vorliegen.
Animal Hoarding im Überblick
Das Phänomen Animal Hoarding ist nicht nur ein lokal begrenztes Problem. Der Deutsche Tierschutzbund hat für das Jahr 2024 einen Rekord von 147 Fällen mit insgesamt 8.911 betroffenen Tieren festgestellt – ein Anstieg um über 2.000 Tiere im Vergleich zu 2023. Die meisten dieser Fälle traten in Nordrhein-Westfalen auf, gefolgt von Bayern. Die Tierheime sehen sich damit konfrontiert, die Versorgung dieser verwahrlosten Tiere kaum noch stemmen zu können. Oft leben die Tiere in katastrophalen Bedingungen: verwahrlost, unterernährt und krank, häufig auf engstem Raum. Die Gründe für dieses Verhalten sind vielschichtig und werden als psychische Erkrankung betrachtet. Betroffene erkennen oft nicht den Schaden, den sie sich und den Tieren zufügen.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass seit 2012 bis 2024 knapp 51.000 Tiere von Animal Hoarding betroffen waren. Katzen sind mit 1.872 betroffenen Individuen die am häufigsten gehorteten Tiere, gefolgt von Hunden und kleinen Heimtieren wie Kaninchen und Mäusen, die sich schnell vermehren. Die Belastung für die Tierheime ist enorm, denn die Aufnahme von beschlagnahmten Tieren ist oft mit Schwierigkeiten verbunden, da viele dieser Tiere schwer vermittelbar sind. Der Deutsche Tierschutzbund fordert daher eine kostendeckende Finanzierung zur Betreuung dieser Tiere sowie ordnungsrechtliche Maßnahmen zur Prävention von Animal Hoarding, wie etwa eine Heimtierschutzverordnung und ein zentrales Register für auffällige Tierhalter.
Psychologische Aspekte und Unterstützung
Das Thema Animal Hoarding wird oft von psychologischen Faktoren beeinflusst. Psychiater erklären, dass diese Verhaltensweisen Teil der Zwangsspektrumsstörungen sind. Die Halter sammeln Tiere in großer Anzahl, können sie aber nicht angemessen versorgen. Oft leiden die Tiere unter Mangelernährung, schlechter Hygiene und fehlender tierärztlicher Betreuung. Die Halter selbst erkennen häufig nicht, wie schlecht es den Tieren geht. Laut Tierschutzbund steigen die Zahlen der Fälle von Animal Hoarding weiter an. Ehrenamtliche Tierschutzstrukturen sind oft die Ersten, die in Notfällen helfen.
Die Bedeutung der Aufklärung und Beratung für Betroffene und deren Umfeld kann nicht genug betont werden. Es ist wichtig, dass die Gesellschaft sensibilisiert wird, um diese Menschen zu unterstützen und langfristige Lösungen zu finden. Ein Beispiel aus Niedersachsen zeigt, dass nach der Rettung von Tieren aus Animal Hoarding-Haushalten, viele von ihnen in einem schrecklichen Zustand waren – Kot im Fell, unterernährt und verstört. Die Notwendigkeit von psychologischer Unterstützung für die Tierbesitzer bei Einsätzen wird ebenfalls hervorgehoben.
Der Fall in Leibnitz erinnert uns an die Herausforderungen, die sowohl die Tiere als auch die Menschen, die sie halten, durchleben. Manchmal ist es eine Frage der Sensibilität, der Einsicht und der Hilfe, die notwendig ist, um sowohl den Tieren als auch den Haltern zu einem besseren Leben zu verhelfen.