Leoben, 23. Mai 2026 – In der technikaffinen Stadt Leoben fand kürzlich die Veranstaltung „Fachkraft statt Klischee“ statt, die vom AMS organisiert wurde. Dies war bereits die zweite Auflage dieser Initiative, die speziell darauf abzielt, Frauen in technischen Berufen zu unterstützen. Mit einer klaren Mission: Klischees aufbrechen und die Vielfalt in der Berufswelt sichtbar machen. Denn auch heute noch sind technische Berufe stark von Geschlechterungleichgewicht geprägt, was oft mit tief verwurzelten gesellschaftlichen Rollenbildern und Erziehungsmustern zusammenhängt.
Die Herausforderungen für Frauen in der Technik sind nicht zu unterschätzen. Viele Frauen sehen sich nach der Geburt ihres ersten Kindes mit der Frage konfrontiert, wie sie Beruf und Kinderbetreuung unter einen Hut bringen können. Helga Ahrer, die dritte Landtagspräsidentin, sprach von einem „Anwesenheitsfetischismus“ in Österreich, der Frauen oft das Gefühl gibt, weniger wert zu sein, wenn sie nicht ständig präsent sind. Dazu kommt, dass viele Frauen sich bei Bewerbungen oft weniger zutrauen als ihre männlichen Kollegen. Ein Umstand, den die Leadership-Expertin Karola Sakotnik als besonders bedenklich ansieht. Sie betont, wie wichtig es ist, Frauen zu ermutigen, an sich zu glauben.
Herausforderungen und Chancen
Die Teilnehmerinnen der Veranstaltung erhielten wertvolle Informationen zu Ausbildungswegen, beruflichen Perspektiven und Weiterbildungsmöglichkeiten. Das Team des BIZ Leoben war vor Ort und bot persönliche Sofortberatungen an. Eine inspirierende Rolle spielte Jennifer Sichau, eine Schweißwerkmeisterin, die ihre persönliche Geschichte teilte. Sie macht klar: Talent kennt kein Geschlecht! Sichau ermutigte die Frauen, sich nicht von klassischen Rollenbildern einengen zu lassen. Die Botschaft war eindeutig: Neuorientierung im Beruf ist nicht nur möglich, sondern auch erfolgversprechend.
Doch warum sind Frauen in technischen Berufen so stark unterrepräsentiert? Oft werden technische Berufe als „männlich“ und „unweiblich“ wahrgenommen, und das Bildungssystem trägt nicht gerade zur Verbesserung bei. Geschlechterstereotype beeinflussen die Berufswahl bereits in der Kindheit und sorgen dafür, dass Mädchen oft von technischen Fächern ferngehalten werden. Laut einer Studie von Miller et al. (2024) sind diese Klischees bereits bei Kindern ab sechs Jahren verankert. Soziale Prägungen aus Familie, Umfeld und Medien spielen eine entscheidende Rolle. Die Statistik spricht eine klare Sprache: Im Wintersemester 2023/24 belegen nur 10% der Studentinnen technische Fächer, während es bei den männlichen Kommilitonen 28% sind.
Ein Blick in die Zukunft
Das Problem ist vielschichtig. Frauen sehen sich oft Diskriminierung am Arbeitsplatz gegenüber und müssen in feindseligen Umgebungen arbeiten, was die Entscheidung für eine Karriere in technischen Berufen zusätzlich erschwert. Es braucht dringend Maßnahmen, um diesen Missständen entgegenzuwirken. Diese Notwendigkeit wird durch die unterrepräsentierten Vorbilder und Mentorinnen verstärkt, die jungen Frauen den Weg in technische Berufe weisen könnten. Wir müssen die tief verwurzelten Stereotype hinterfragen und aktiv für eine ausgewogenere Verteilung in diesen Bereichen arbeiten.
Die Veranstaltung in Leoben hat gezeigt, dass es ein Umdenken braucht – nicht nur bei den Frauen selbst, sondern in der gesamten Gesellschaft. Wenn wir es schaffen, die Klischees abzubauen und Frauen in technischen Berufen zu fördern, können wir eine vielfältigere und gerechtere Arbeitswelt schaffen. Die Zukunft gehört denjenigen, die bereit sind, die Grenzen zu überschreiten und alte Muster zu durchbrechen. Und das ist einfach nur großartig!