Am 27. und 28. Mai 2023 versammelten sich rund 50 Experten aus zehn europäischen Ländern im Benediktinerstift St. Lambrecht. Dort fand ein Treffen des Reformers-Konsortiums statt, das von der Holzwelt Murau ausgerichtet wurde. Es war eine spannende Angelegenheit, die nicht nur den Wissensaustausch im Mittelpunkt hatte, sondern auch die Halbzeit des europäischen Projekts Reformers Energy Valleys markierte. Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von etwa 20 Millionen Euro und zielt darauf ab, Lösungen für die Herausforderungen der europäischen Energiesysteme zu entwickeln. Ein ordentliches Stück Arbeit, könnte man sagen!
Die erste Projekttage waren geprägt von dem Motto „Voneinander und miteinander lernen“. Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, in die regionale Energiekompetenz einzutauchen. So standen Besichtigungen des Murwasserkraftwerks, der Nahwärmeversorgung der Stadtwerke Murau und sogar der Brauerei Murau auf dem Programm. Ja, auch das Brauen von Bier hat seine energetischen Herausforderungen! Am zweiten Tag wurde es dann interaktiver – Workshops beschäftigten sich mit einem ganzheitlichen Ansatz, wie technologische Lösungen auf verschiedene Regionen Europas übertragbar sind. Ein hybrider Workshop ermöglichte es zudem weiteren Interessierten, sich zu beteiligen.
Vielfältige Ansätze für erneuerbare Energien
Ein Highlight war die Präsentation von vier Regionen, die ihre Ansätze zur „Erneuerbaren Energieregion“ vorstellten. Dabei teilten sie konkrete Projekte und Erfahrungen, die sie bereits gesammelt hatten. Es ist bemerkenswert, dass 28 Partner aus zehn Ländern an diesem Projekt beteiligt sind, darunter namhafte Forschungsinstitutionen, Universitäten, Regionen und Unternehmen. Zu den Mitgliedern des Konsortiums gehören unter anderem die Vrije Universiteit Brussel, das AIT Austrian Institute of Technology, die Sustainable Heiloo Foundation und viele weitere. Ein echtes Netzwerk europäischer Expertise!
Die Satellitenregionen des Projekts sind unter anderem Konin in Polen, Westmazedonien in Griechenland, Tolosaldea in Spanien, Delft in den Niederlanden und Ostflandern in Belgien. Es zeigt sich, dass die Zusammenarbeit über Landesgrenzen hinweg unerlässlich ist, um die Herausforderungen der Energieversorgung zu meistern.
Der Kontext: Eine neue Energiezukunft für Europa
Der Hintergrund dieser Initiativen ist nicht zu unterschätzen. Seit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens 2015 und des European Green Deal 2019 hat sich die EU verpflichtet, bis 2030 die Emissionen um mindestens 55 % im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. Das Ziel ist klar: bis 2050 soll Europa klimaneutral werden. Fossile Energien sind für 75 % der EU-weiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Vor der Ukraine-Invasion war der Transformationsplan auf Energieeffizienz, den Ausbau erneuerbarer Energien und den Hochlauf des Wasserstoffmarkts ausgerichtet. Doch die geopolitischen Veränderungen haben diese Pläne ins Wanken gebracht.
Nach der Invasion ist die Abhängigkeit von fossilen Importen zum zentralen Thema geworden. Die EU-Kommission hat die Prioritäten angepasst und strebt eine Diversifizierung der Gaslieferanten sowie einen beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien an. Das Ziel, 10 Millionen Tonnen grünen Wasserstoff bis 2030 zu produzieren und zusätzlich 10 Millionen Tonnen zu importieren, ist ambitioniert. Gleichzeitig bleibt Erdgas entscheidend für die Netzstabilität im Stromsektor.
Die Herausforderungen sind vielschichtig: Hohe Gaspreise, zusätzliche Strombedarfe und die Abhängigkeit von Rohstoffen und Technologien aus Drittländern setzen den Handlungsrahmen. Umso wichtiger ist es, dass Netzwerke wie das Reformers-Konsortium zusammenarbeiten und innovative Lösungen entwickeln. Denn die Energiezukunft Europas ist nicht nur eine technische, sondern auch eine gesellschaftliche Herausforderung – und dafür braucht es alle Hände!
