In der Steiermark wird der Bedarf an Lehrkräften für das kommende Schuljahr 2026/27 zunehmend spürbar. Die Bildungsdirektion hat die Hauptausschreibung für rund 420 Lehrerstellen gestartet, die bis zum 8. Mai über das System „GetYourTeacher“ vergeben werden. Diese Maßnahme kommt in einer Zeit, in der die Personalsituation an Schulen zwar insgesamt entspannter geworden ist, der Bedarf jedoch weiterhin hoch ist.

Von den insgesamt ausgeschriebenen Stellen entfallen etwa 256 auf den Bundesschulbereich, also auf allgemeinbildende höhere und berufsbildende mittlere sowie höhere Schulen. Weitere 164 Stellen sind für den Pflichtschulbereich, welcher Volks- und Mittelschulen sowie Polytechnische und Allgemeine Sonderschulen umfasst, vorgesehen. Besonders groß ist der Bedarf an Lehrkräften im steirischen Zentralraum, insbesondere in den Bezirken Graz, Graz-Umgebung und Voitsberg. Gründe für diesen hohen Bedarf sind das Chancenbonusprogramm sowie die Situation überzähliger Lehrpersonen mit befristeten Verträgen und geringem Stundenausmaß.

Gesuchte Fachrichtungen und zukünftige Ausschreibungen

Die Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner betont, dass vor allem Lehrkräfte für Deutsch, Mathematik, Englisch, Bewegung und Sport (Mädchen) sowie Religion gesucht werden. Zudem besteht ein Bedarf an Pädagoginnen und Pädagogen mit Qualifikationen für Inklusion und im Volksschulbereich. An berufsbildenden höheren Schulen wird verstärkt nach Wirtschaftspädagoginnen und -pädagogen gesucht. Interessant ist, dass die Personalsituation im Vergleich zum Vorjahr entspannter ist, denn es werden rund 20 Lehrerinnen und Lehrer weniger gesucht. Im Schuljahr 2023/24 waren in der Hauptausschreibung noch 730 Stellen zu besetzen.

Die Pensionierungswelle wurde gut bewältigt, und die Lehrerschaft ist im Durchschnitt jünger geworden. Bildungslandesrat Stefan Hermann (FPÖ) bestätigt den positiven Trend und die spürbare Entlastung der Personalsituation, auch wenn im Zentralraum nach wie vor Herausforderungen bestehen. Zudem sind für die Zukunft zwei weitere Ausschreibungsphasen für Mitte Juni und Ende August geplant, sodass sich die Situation fortlaufend entwickeln kann.

Herausforderungen im Lehrerberuf

Allerdings gibt es auch Bedenken hinsichtlich des Lehrerberufs selbst. Immer mehr Lehrkräfte, wie die ehemalige Lehrerin Lisa Heinz aus Augsburg, geben ihre Positionen aufgrund von Bürokratie, starren Lehrplänen und mangelnder Zeit für die Bedürfnisse der Schüler auf. Ihre Erfahrungen spiegeln die Realität wider, dass die Arbeitsbedingungen für viele Lehrkräfte zunehmend herausfordernd werden. Eine Studie des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) zeigt, dass immer mehr Lehrkräfte vorzeitig den Beruf aufgeben. Vor zehn Jahren war das Verhältnis zwischen altersbedingtem Ausscheiden und vorzeitigem Aufgeben noch 1:1, heute liegt es bei 1:3.

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Die Prognosen sind alarmierend: Bis 2035 könnten deutschlandweit mehr als 100.000 Lehrkräfte fehlen. Bildungsforscher Dieter Dohmen kritisiert, dass die Länder nicht nachhaltig auf den Lehrermangel reagieren und die Arbeitsbedingungen verschlechtern. Die Kultusministerien sehen zwar keinen „Massenexodus“, jedoch bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiterentwickeln wird und welche Maßnahmen ergriffen werden, um mehr Lehrkräfte bis zum Ruhestand zu halten.

Für die Steiermark bleibt es abzuwarten, wie die aktuellen Ausschreibungen und die damit verbundenen Bemühungen um mehr Lehrpersonal wirken werden. Die Entwicklungen der nächsten Monate könnten entscheidend sein für die Qualität der Bildung in der Region.

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