Vernetzung für Frauen in Voitsberg: Chancen für die Stille Reserve
In Voitsberg fand kürzlich ein bemerkenswertes Vernetzungstreffen für Frauen statt, die bereit sind, wieder ins Berufsleben einzusteigen. Organisiert wurde die Veranstaltung von dem Zentrum für Ausbildungs-Management (zam) Voitsberg in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) Steiermark. Unter dem Motto „Weil jede Frau zählt“ versammelten sich zahlreiche Frauen, um sich über ihre beruflichen Perspektiven auszutauschen und Unterstützung zu finden. Anwesend waren auch Landtagsabgeordnete Klaudia Stroißnig und Bürgermeister Bernd Gratzer, die die Bedeutung der Thematik unterstrichen.
Das Thema der „Stillen Reserve“ wurde besonders hervorgehoben. Dieser Begriff beschreibt Frauen, die arbeiten möchten, jedoch momentan nicht am Arbeitsmarkt teilnehmen. Claudia Tillinger, die Regionalleiterin des zam Voitsberg, machte deutlich, dass hinter jeder Zahl am Arbeitsmarkt eine individuelle Geschichte steckt – oft geprägt von Herausforderungen und persönlichen Schicksalen. Besonders berührend war die Schilderung zweier Frauen, die durch zam Voitsberg neue Wege fanden. Eine Frau über 50, die nach dem plötzlichen Tod ihres Lebensgefährten, der selbstständig war, eine neue berufliche Perspektive fand. Und eine Mutter mit Migrationshintergrund, die durch das Programm ihre Deutschkenntnisse verbessern konnte und nun eine duale Ausbildung im FiT-Bereich (Frauen in Handwerk und Technik) absolviert. Diese Geschichten sind nicht nur inspirierend, sondern auch ein starkes Signal: Mit der richtigen Unterstützung können Frauen profitieren, was letztlich der gesamten Region zugutekommt.
Die Stille Reserve im Überblick
Aber was genau steckt hinter diesem Begriff „Stille Reserve“? Laut aktuellen Statistiken sind im Jahr 2023 in Österreich knapp 3,2 Millionen Personen im Alter von 15 bis 74 Jahren in dieser Kategorie zu finden. Diese Menschen sind nicht aktiv auf der Suche nach Arbeit, haben aber den Wunsch, ins Berufsleben zurückzukehren. Es ist wichtig zu wissen, dass diese Gruppe nicht mit den 1,4 Millionen Erwerbslosen gleichzusetzen ist, die aktiv nach einem Job suchen.
Die Stille Reserve wird in drei Gruppen unterteilt: Gruppe A umfasst Personen, die aufgrund von Betreuungspflichten kurzfristig nicht verfügbar sind. Gruppe B beinhaltet jene, die gerne arbeiten würden, aber nicht aktiv suchen, weil sie befürchten, keine passende Tätigkeit zu finden. Schließlich gibt es noch Gruppe C, die Personen, die weder suchen noch kurzfristig verfügbar sind, aber trotzdem einen generellen Arbeitswunsch haben. Auffällig ist, dass Frauen einen überwältigenden Anteil an der Stillen Reserve ausmachen. Eindrucksvolle 57,0 % dieser Gruppe sind weiblich – und hier wird’s spannend: In Gruppe A und B liegt der Frauenanteil bei knapp 52 %, während in Gruppe C sogar 60,7 % Frauen vertreten sind.
Die Herausforderung Betreuungspflichten
Ein großer Teil der Frauen in der Stillen Reserve gibt an, dass Betreuungspflichten der Hauptgrund für ihre Inaktivität sind – das sind 31,7 % oder 383.000 Frauen. Im Vergleich dazu sind es bei Männern nur 4,4 % (32.000 Personen). Auch gesundheitliche Einschränkungen spielen eine Rolle: 34,6 % der Männer und 20,5 % der Frauen sind betroffen. Diese Zahlen zeigen, wie wichtig es ist, individuelle Lösungen zu finden, um Frauen bei der Rückkehr in den Beruf zu unterstützen.
Die Veranstaltung in Voitsberg war ein Schritt in diese Richtung. Frauen, die in die Stille Reserve fallen oder einfach nur Unterstützung suchen, können sich anonym und kostenlos bei zam Voitsberg melden. Die Kontaktinformationen sind: zam Steiermark, Regionalstelle Voitsberg, Bahnhofstraße 20, 8570 Voitsberg, Tel.: 0664-889 32 409, E-Mail: claudia.tillinger@zam-steiermark.at.
Es bleibt zu hoffen, dass solche Initiativen nicht nur in Voitsberg, sondern auch in anderen Regionen Österreichs Nachahmer finden. Die Zukunft der Frauen im Berufsleben hängt entscheidend von den Rahmenbedingungen und der Unterstützung ab, die ihnen geboten wird. Und das ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch eine Chance für die gesamte Gesellschaft. Denn wenn Frauen erfolgreich sind, profitiert die ganze Region davon.
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