Südoststeiermark bündelt 16 Veranstaltungen für klimafitten Boden und Wald
In der Südoststeiermark sind die Folgen des Klimawandels längst keine ferne Warnung mehr. Die Böden im Bezirk sind so trocken wie noch nie, das Grundwasser hat historische Tiefstände erreicht – und im Jahr 2026 musste die Region ein Drittel ihres Wassers extern beziehen, um die eigenen Vorräte zu schonen. Dazu kommt der starke Käferbefall im Wald. Für viele Gemeinden ist klar: Es muss gehandelt werden.
Gemeinden und regionale Netzwerke wollen deshalb gemeinsam gegensteuern. Grundlage dafür ist die im April 2013 von den Gemeinden des Steirischen Vulkanlandes und 13 Institutionen unterzeichnete Bodencharta „Boden, von dem wir leben“. Sie soll den Boden als zentrale Lebensgrundlage schützen und einen sparsameren, achtsameren Umgang mit ihm fördern.
16 Veranstaltungen bis September 2027
Das dazugehörige Bildungsprogramm startet nun in eine neue Runde. Bis September 2027 sind insgesamt 16 Veranstaltungen geplant – online und vor Ort, überwiegend kostenlos. Die Reihe beginnt am 13. November 2026 mit einem Workshop zu pflegeleichten Hecken in Kirchberg an der Raab. Eine Anmeldung ist aus organisatorischen Gründen unter www.vulkanland.at erwünscht.
Auf dem Programm stehen fruchtbare und klimafitte Böden, ein klimafitter Wald sowie der Umgang mit Trockenheit und Wasserknappheit. Auch Waldbrandgefahr und der klimafitte Anbau von Wein, Gemüse und Obst werden behandelt. Expertinnen und Experten geben Vorträge, bieten Schulungen, Workshops und Seminare an und nehmen Interessierte bei Exkursionen mit in die Praxis.
Die Klima- und Energiemodellregionen (KEM) und die Klimawandelanpassungsmodellregionen (KLAR!) des Bezirks bündeln ihre Weiterbildungsangebote in einem gemeinsamen Programm der Leaderregion. Laut Vulkanlandobmann Josef Ober sollen dadurch Fördermittel des Bundes aus dem Klima- und Energiefonds gezielter eingesetzt werden. Ober sieht aber nicht nur die Politik in der Pflicht: Neben politischen Maßnahmen brauche es mehr Beteiligung der Bevölkerung.
Eine Charta mit sechs Zielen
Die Bodencharta verfolgt sechs Ziele. Dazu gehören fruchtbare und gesunde Böden, die durch geeignete Bewirtschaftungsformen, mehr Humus, ein aktives Bodenleben und eine bessere Wasserspeicherfähigkeit gestärkt werden sollen. Bei der Bodenversiegelung gilt ein Zielwert von maximal zehn Prozent. Kompakte Siedlungsräume sowie die Entsiegelung von Parkflächen und Plätzen sollen dabei helfen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Wasserrückhalt: Trockenperioden sollen besser überbrückt, Überschwemmungen vermieden, die Grundwasserneubildung gefördert und ein günstiges Kleinklima geschaffen werden. Die Charta verbindet das mit umfassendem Klimaschutz, mehr Artenvielfalt und vielfältigen Systemen. Humusaufbau soll die Anpassung an den Klimawandel erleichtern.
Bewusstseinsbildung und Eigenverantwortung gehören ebenso dazu wie verantwortungsvolle Innovation. Hecken, Windschutz, Wiesen, Streuobstbestände, neue Landtechnik und der Austausch von Erfahrungen werden ausdrücklich genannt. Das Steirische Vulkanland war vor rund zehn Jahren die erste Region Österreichs mit einem ausdrücklichen Schwerpunkt auf Bodenschutz.
Das aktuelle Maßnahmenprogramm gilt als zentrale Offensive der vergangenen 15 Jahre. Es soll Bodenschutz in unterschiedlichen Bereichen verankern. Gemeinden sollen es in Gemeinderatssitzungen beschließen und den Bodenschutz damit dauerhaft institutionalisieren. Als wichtigste Handlungsfelder gelten nachhaltige Bodenbewirtschaftung, die Verhinderung und Rückgängigmachung von Bodenversiegelung, intelligente Wasserwirtschaft und ein nachhaltiger Lebensstil. Das neue Maßnahmenprogramm „Klimafitter Boden“ dient dabei als Leitfaden.
Vom Hecken-Workshop bis zur Rohstoffbörse
Unter dem Titel „Boden von dem wir leben“ organisieren mehrere regionale Netzwerke und Klimaschutzinitiativen gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Acker, Humus und Erosionsschutz Veranstaltungen. Beteiligt sind unter anderem das Steirische Vulkanland, die KLAR!-Region Mittleres Raabtal, die Netzwerk GmbH Saßtal-Kirchbach, die KEM-Regionen Gnas–St. Peter–Deutsch Goritz und die Initiative Bioökonomie & Kreislaufwirtschaft.
Vorträge, Stammtische, Praxistage und regionale Exkursionen bieten Raum für Gespräche mit Fachleuten. Akteure aus unterschiedlichen Bereichen können dort Maßnahmen für einen nachhaltigeren Umgang mit dem Boden entwickeln. In der Saison 2023/24 lag der Schwerpunkt auf innovativen Bodenthemen und dem „klimafitten Wald“; für Waldbesitzer gab es Praxistage und Spezialvorträge zu einer künftig besonders bewussten und verantwortungsvollen Waldbewirtschaftung. Alle Formate ermöglichen den Austausch mit Kollegen und Experten.
Zum Netzwerk gehören außerdem der Fotowettbewerb „Boden von dem wir leben“, ein Bio-Buch zum Biolandbau, der Vulkanlandweizen und das Symposium „Stein & Wein“ über die Eigenschaften vulkanisch geprägter Böden. Ergänzt wird das Angebot durch den Online-Naturführer natur.vulkanland.at, Boden-Transparente zur Bewusstseinsbildung und die digitale Bodenkarte der österreichischen Bodenkartierung.
Praktisch wird es auch bei der „Biogenen Rohstoffbörse“. Dort können Holz, Stroh, Erntenebenprodukte, Rohstoffe aus der Lebensmittelverarbeitung und bäuerliche Produkte regional gehandelt werden. Die Registrierung ist unter https://rohstoffboerse.eu möglich. Ergänzende Maßnahmenpläne widmen sich den Themen „Zukunftsfähiger Boden“, „Klimafittes Wassermanagement“ und „Klimafitter Wald“.
Landwirtschaft sucht kurze und brauchbare Antworten
Wie groß der Druck auf die Landwirtschaft ist, zeigt der Blick in die Südweststeiermark. Dort stellen Spätfröste durch eine verfrühte Vegetationsentwicklung, Dürreperioden, Hagelunwetter und Starkniederschläge die Betriebe vor technische Herausforderungen und wirtschaftliche Risiken. Zunehmende Bodenerosion sowie höhere Gefahren für Überschwemmungen und Hangrutschungen verschärfen die Lage. Klimaforschungen erwarten steigende Durchschnittstemperaturen und Veränderungen bei den Niederschlagsmengen und ihrer zeitlichen Verteilung.
Zur Sicherung der landwirtschaftlichen Produktion und der Kulturlandschaft sollen geeignete Anpassungsmaßnahmen umgesetzt werden. Zugleich ist die Landwirtschaft für den Klimaschutz relevant – etwa durch die Reduktion von Emissionen und die Bindung von CO₂ in Böden und Pflanzen. Die 2022 erstellte Klimawandelanpassungsstrategie Südweststeiermark orientiert sich unter anderem an den Pariser Klimazielen, dem EU Green Deal sowie den Klima- und Energiestrategien Österreichs und der Steiermark.
Im Handlungsfeld „Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Ökosysteme“ wurden sechs Maßnahmen festgelegt. Die Maßnahme LF01 befasst sich mit klimaangepasster Risikovorsorge in der Landwirtschaft. Im Mittelpunkt stehen Bodenbewirtschaftung und Wassermanagement. Bewässerung allein reicht dabei nicht; gefragt sind umfassendere, miteinander verknüpfte Ansätze.
Das Projekt „Klimafitte Südweststeiermark“ aus dem Arbeitsprogramm 2024 untersucht landwirtschaftliches Boden- und Wassermanagement und setzt darauf aufbauend Maßnahmen um. Ein Teilprojekt heißt „Klimaangepasste Risikomaßnahmen in der Landwirtschaft“. Zwischen Juli und Oktober 2024 wurde dafür eine Online-Befragung zum Informationsbedarf landwirtschaftlicher Betriebe durchgeführt. 251 Landwirtinnen nahmen teil, überwiegend aus den Bezirken Leibnitz und Deutschlandsberg.
In der Stichprobe waren vor allem Grünland-, Ackerbau-, Weinbau- und Obstbaubetriebe vertreten. Feldgemüsebau und Gemüseanbau im geschützten Anbau kamen weniger häufig vor. Besonders oft wünschten sich die Betriebe zusätzliche Informationen zu Bodenbewirtschaftung, gesamtbetrieblicher Anpassung, klimafitter Forstwirtschaft und betriebswirtschaftlichen Fragen. Ebenfalls wichtig waren der Umgang mit Wasserknappheit und Starkniederschlägen, Erosionsschutz, der Zusammenhang von Biodiversität und Klimawandelanpassung, Begrünung und Zwischenfrüchte sowie Düngung.
Rund die Hälfte der Befragten griff bevorzugt zu gedruckten Informationsunterlagen. Häufig genutzt wurden außerdem Online-Schulungen, E-Mail-Newsletter, Online-Artikel und kurze Bildungsveranstaltungen mit einer Dauer von zwei bis vier Stunden. Eintägige Veranstaltungen, Feldtage und Exkursionen, Geräte- und Maschinenvorführungen sowie Online-Lernvideos waren weniger verbreitet, blieben aber relevant.
Für die Zukunft wünschen sich viele weiterhin gedruckte Materialien, Online-Schulungen und E-Mail-Newsletter. Auch eintägige Bildungsveranstaltungen, Feldtage und Exkursionen stehen auf der Wunschliste. Zugenommen hat das Interesse an kurzen Bildungsveranstaltungen, Online-Artikeln, Online-Lernvideos und Einzelberatungen direkt am Betrieb.
65 Prozent der Befragten nutzten bereits Online-Informationsplattformen. Genannt wurden unter anderem LK online, die Websites von Bio Austria und der Agrarmarkt Austria, Firmenwebsites, Google und YouTube. Von einer Plattform zur Klimawandelanpassung erwarten sich die Landwirtinnen vor allem Neuigkeiten zu möglichen Entwicklungen, Entscheidungshilfen für Anpassungsmaßnahmen und Checklisten. Kurze Artikel und Zusammenfassungen sowie Videos kommen besser an als lange, umfangreiche Texte; Filterfunktionen, Schlagwortsuche und weiterführende Quellen wurden als weniger wichtig eingeschätzt.
Forschungsbedarf sehen die Befragten bei Klimawandel, Biodiversität und Biolandwirtschaft. Besonders gefragt sind anwendungsbezogene Antworten zu Wassermanagement, Bodenbearbeitung und Humusaufbau, Düngung und Pflanzenschutz, Frostbekämpfung sowie klimaresistenten Pflanzensorten. Gewünscht wird außerdem Forschung zu den wirtschaftlichen Auswirkungen von Anpassungsmaßnahmen – vor allem zur mittel- und langfristigen Rentabilität kostenintensiver Schritte.
Die Befragung wurde im Projekt „Klimafitte Südweststeiermark 2024“ von JOANNEUM RESEARCH im Auftrag der Regionalmanagement Südweststeiermark GmbH durchgeführt. Unterstützt wurde das Projekt von der Landwirtschaftskammer Steiermark und den Bezirkskammern, finanziert aus Mitteln des Steirischen Landes- und Regionalentwicklungsgesetzes. In der Südoststeiermark liegen nun 16 neue Gelegenheiten auf dem Tisch: zum Zuhören, Nachfragen, Ausprobieren – und hoffentlich auch zum Angreifen.
