Am 27. Juni wird es auf der Tiroler Fernpassstraße (B179) zwischen 10:00 und 12:00 Uhr zu einer kurzzeitigen Sperrung kommen. Die betroffenen Streckenabschnitte befinden sich sowohl auf der Außerferner Seite in Reutte/Katzenberg als auch auf der Imster Seite in Nassereith/Rastland. Grund für diese Maßnahme sind angemeldete Versammlungen von Bürgerinitiativen, die sich gegen das sogenannte „Fernpass-Paket“ aussprechen. Diese Protestaktionen werden von der Bürgerinitiative „Gurgltal, Außerfern, Mieminger Plateau“ organisiert und zielen darauf ab, die geplanten Infrastrukturprojekte zu verhindern. Interessanterweise wurde die Sperre von den Behörden nicht untersagt, was auf die Rechtsprechung des Landesverwaltungsgerichts zurückzuführen ist.

Nun, das Fernpass-Paket ist kein kleines Vorhaben. Es soll den Bezirk Reutte besser an den Tiroler Zentralraum anbinden und umfasst die Errichtung einer zweiten Röhre für den Lermoosertunnel sowie den Bau des Fernpasstunnels. Die Baukosten sind nicht ohne: 250 Millionen Euro für den Lermoosertunnel, dessen Baubeginn für 2027 angesetzt ist, und 160 Millionen Euro für den Fernpasstunnel, dessen Spatenstich bereits Ende 2023 erfolgen soll. Dieser Tunnel wird 1,4 Kilometer lang sein und ersetzt eine 4,8 Kilometer lange Passstrecke. Damit einhergehend wird auch eine Maut von etwa 14 Euro pro Pkw erhoben, über die eine spezielle Maut- und Erhaltungsgesellschaft gegründet wird.

Verkehr und Sicherheit auf der Fernpassstraße

Die B 179 erstreckt sich über 50 Kilometer und verbindet den Bezirk Reutte mit dem Inntal. Im Jahr 2024 werden durchschnittlich 14.700 Fahrzeuge täglich die Fernpassstraße nutzen. Das bedeutet, dass die Straße eine wichtige Verkehrsader für die Region darstellt. Am 1. Oktober 2025 wird die Straßenverwaltung und -baulast der B 179 an die Fernpassstraße GmbH übertragen, die vollständig im Eigentum des Landes Tirol steht. Diese Gesellschaft wird sich um die laufende betriebliche und bauliche Erhaltung kümmern und auch für die Beseitigung von Katastrophenschäden verantwortlich sein.

Rund 500 Millionen Euro fließen in die Fernpassstraße, um die dauerhafte Erreichbarkeit des Außerfern zu gewährleisten und den Sicherheitsstandard des Lermooser Tunnels zu erhöhen. Im Frühjahr hat der Tiroler Landtag einen Kreditrahmen und eine Haftungsübernahme des Landes in Höhe von 600 Millionen Euro beschlossen, um diese Maßnahmen zu finanzieren. Die Refinanzierung soll langfristig über die Maut, die nach der Fertigstellung des Fernpasstunnels erhoben wird, erfolgen.

Vorbereitungen für die Zukunft

Ein wichtiger Aspekt in der Verkehrspolitik Tirols ist die Sicherheit. So wurde die Tiroler Verkehrssicherheitsstrategie für die Jahre 2025 bis 2034 vorgestellt, mit dem Ziel, die Sicherheit auf den Straßen durch verschiedene Maßnahmen zu erhöhen. Dabei wird auf ein Konzept namens „Safe System“ gesetzt, das die Verantwortung auf alle Verkehrsteilnehmer verteilt. Die Unfallstatistiken zeigen, dass es höchste Zeit ist, die Präventionsmaßnahmen zu erweitern und Kontrollen zu intensivieren. Besonders auf Freilandstraßen wie der Fernpassstraße besteht eine hohe Unfallgefahr durch höhere Geschwindigkeiten.

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Die Präsenz von Motorrädern und Fahrrädern bringt zusätzliche Risiken mit sich, und die Polizei wird ihre präventiven Maßnahmen und Kontrollen verstärken. So soll die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten in Tirol bis 2034 um mindestens 50% reduziert werden. Das ist ein ambitioniertes Ziel, aber mit den richtigen Maßnahmen und einem bewussten Umgang mit der Verkehrssicherheit könnte es gelingen.

Ob die Protestaktionen tatsächlich Einfluss auf die geplanten Projekte haben werden, bleibt abzuwarten. Die Behörde evaluiert bereits den Tag der Versammlungen für mögliche weitere Proteste im August. Reisenden wird empfohlen, die Fernpassroute in der Zeit der Sperrung großräumig zu meiden. Wer weiß, vielleicht gibt es im Sommer mehr solcher Aktionen, die die Verkehrspolitik in Tirol in Bewegung bringen!