Heute ist der 6.05.2026, und während sich die Welt weiter dreht, hat die Kunstbiennale in Venedig 2023 eröffnet – ein Ereignis, das trotz politischer Kontroversen um Russland und Israel in aller Munde ist. Der erste Previewtag fiel ins Wasser, und das wortwörtlich: Ein verregneter Tag sorgte dafür, dass viele Besucher nur kurz verweilten und die Kunstwerke eher flüchtig über ihre Smartphones wahrnahmen. Man könnte sagen, die Biennale hat schon gleich zu Beginn mit einer kleinen Herausforderung zu kämpfen.

In der Hauptausstellung mit dem Titel „In Minor Keys“, die von der verstorbenen Kuratorin Koyo Kouoh konzipiert wurde, geht es um die Verbindung zu den Signalen der Erde und des Lebens. Eine spannende Thematik, die durch die Vielfalt an Kunstformen wie Malerei, Zeichnung, Skulptur und Installation eindrucksvoll zum Ausdruck kommt. Was auffällt – und das ist fast schon bedauerlich – ist die geringe Präsenz europäischer und insbesondere österreichischer Künstler. Die Ausstellung zeigt vorwiegend Positionen aus Afrika und Asien. Themen wie bemalte Streichholzschachteln und Mischwesen werden präsentiert, während die Schönheit der Natur in den Vordergrund gerückt wird, ohne auf ihre Gefährdung hinzuweisen.

Koyo Kouoh: Ein Verlust für die Kunstwelt

Koyo Kouoh, die zentrale Figur hinter dieser Biennale, ist im Alter von 57 Jahren verstorben. Ihr Tod wurde am Samstag auf der Website der Biennale bekannt gegeben. Kouoh, die als erste Frau aus Afrika zur Kuratorin der 61. Biennale 2026 ernannt wurde, hat sich immer für die Begegnung der Kulturen Afrikas und Europas eingesetzt. Ihre beeindruckende Karriere begann im Senegal mit der Gründung der Raw Material Company, die sich für die Kunst und Intellektualität des afrikanischen Kontinents starkmacht.

Sie war eine Kritikerin der klassischen europäischen Museumskultur und betrachtete Kunst als soziale und spirituelle Praxis. Ihre Expertise umfasste Fotografie, Video und Installationen – sie hat zahlreiche Ausstellungen verantwortet und wirkte an der Documenta 12 und 14 mit. Im Jahr 2022 leitete sie die Phototriennale in Hamburg und kuratierte eine panafrikanische Kunst-Ausstellung im Kunstmuseum Basel. Auch ihre kritischen Äußerungen zu Deutschlands Haltung im Nahost-Konflikt im Oktober 2024 zeigen, dass sie eine Stimme war, die nicht einfach verstummte.

Einige Höhepunkte der Biennale

Zurück zur Biennale: Im Arsenale, einem der zwei Hauptausstellungsorte, bietet sich ein geeigneterer Rahmen im Vergleich zum Hauptpavillon in den Giardini. Der japanische Pavillon hat sich in eine Puppenbühne verwandelt und zeigt 200 Babypuppen, die als Symbol der Zukunft fungieren. Ein interessanter Gedanke, wenn man bedenkt, wie Zukunft in der Kunst oft interpretiert wird. Der deutsche Pavillon von Henrike Naumann, die im Februar 2023 verstorben ist, thematisiert die Geschichte der DDR – ein weiterer interessanter Punkt, der die Vielfalt der Themen unterstreicht.

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Die Vielzahl an Länderauftritten und Side Events macht die Biennale allerdings auch unübersichtlich. Es ist fast so, als würde man im Dschungel der Kunstschaffenden und ihrer Werke umherirren. Man fragt sich, ob die Besucher immer noch den Durchblick behalten können. Und während mehr Sitzgelegenheiten bereitgestellt wurden, um frühere Kritik zu berücksichtigen, bleibt die Frage, ob das ausreicht, um die Besucher zum Verweilen zu animieren.

Die Kunstbiennale in Venedig 2023 bietet also eine spannende, wenn auch herausfordernde Plattform für Kunst und Kultur – und der Verlust von Koyo Kouoh wirft einen Schatten auf diese Veranstaltung, die sie mit so viel Engagement und Vision geprägt hat.