Im Herzen von Innsbruck, im prächtigen Landhaus, wird eine ganz besondere Sonderausstellung präsentiert: „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“. Diese Ausstellung widmet sich dem Nationalsozialismus, dem Holocaust und der Erinnerungskultur. Sie ist ein bedeutendes Zeichen in einer Zeit, in der das Gedenken an die Vergangenheit wichtiger denn je ist. Landeshauptmann Anton Mattle hat die Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit der NS-Zeit als gesellschaftspolitischen Auftrag hervorgehoben und betont, dass gerade in Anbetracht zunehmender antisemitischer Tendenzen solche Projekte unerlässlich sind.
Die Ausstellung erzählt die bewegende Fluchtgeschichte der polnischen Jüdin Leokadia Justman, die während des Zweiten Weltkriegs nach Tirol floh. Historische Dokumente, Interviews mit ihren Nachkommen und ein Modell des ehemaligen Innsbrucker Polizeigefängnisses sind Teil dieser eindrucksvollen Präsentation. Ein besonderes Highlight ist die Graphic Novel „Lodzia & Marysia“ des Tiroler Illustrators Alwin Hecher, die zentrale Stationen von Justmans Flucht eindrucksvoll visualisiert.
Einblicke in die Zeitzeugengespräche
Am 17. Mai, dem Internationalen Museumstag, sind zahlreiche Begleitveranstaltungen geplant. Besonders hervorzuheben ist das Gespräch mit der Holocaust-Überlebenden Rozette Kats, das am 20. Mai stattfindet und erstmals öffentlich in Österreich zu erleben ist. Dieses Ereignis wird sicherlich viele Besucher anziehen und zur Reflexion anregen. Am 28. Mai wird zudem der Überlebensbericht von Józef Wiśnicki präsentiert, der 1943 mit gefälschten Papieren nach Vorarlberg flüchtete, später ins KZ Reichenau gebracht wurde und 1945 die Freiheit erlangte. Seine Erinnerungen erscheinen nun in deutscher Übersetzung und werden mit historischen Anmerkungen ergänzt.
Die Gedichte von Leokadia Justman, die sie ab 1944 verfasste, werden ebenfalls erstmals öffentlich präsentiert. Es ist berührend, diese Worte zu hören, die aus tiefstem Leid, aber auch aus Hoffnung und Überlebenswillen stammen. Diese Gedichtinstallation kann freitags im Festsaal besichtigt werden und bietet einen emotionalen Zugang zur Geschichte.
Kulturelle Verantwortung und Kooperation
Dieses Projekt ist nicht nur eine Ausstellung, sondern auch eine Kooperation zwischen dem Land Tirol, der Universität Innsbruck, dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, der Pädagogischen Hochschule Tirol und ERINNERN:AT. Die Vernetzung dieser Institutionen zeigt, wie wichtig es ist, gemeinsam an der Erinnerungspolitik zu arbeiten und das Bewusstsein für die Vergangenheit wachzuhalten. Die Ausstellung ist von Montag bis Freitag, jeweils von 9 bis 17 Uhr, im Landhaus 1 in Innsbruck zugänglich.
Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ist nicht nur eine österreichische Angelegenheit. International gibt es zahlreiche Gedenktage, wie den Holocaust-Gedenktag am 27. Januar. In Deutschland wird dieser Tag seit 1996 begangen, um an die systematische Ermordung von sechs Millionen europäischen Juden zu erinnern. Diskussionen über die Erinnerungskultur zeigen, dass Gedenken ein dynamischer Prozess ist, der oft von verschiedenen Perspektiven geprägt wird. Auch die Auseinandersetzung mit antisemitischen Übergriffen ist Teil dieser Diskussion und zeigt, dass das Gedenken an die Vergangenheit auch eine Verantwortung für die Gegenwart bedeutet.
Für weitere Informationen und Veranstaltungen rund um die Ausstellung und die Erinnerungskultur in Tirol können Interessierte die Webseite des Landes Tirol besuchen: tirol.gv.at.