Am 17. Juni 2026 findet im Haus der Begegnung in Innsbruck eine wichtige Veranstaltung statt, die sich mit einem oft tabuisierten Thema auseinandersetzt: der Alltäglichkeit sexualisierter Gewalt und dem damit verbundenen Schweigen. Anlass für diese Veranstaltung ist die Präsentation des Buches „Und niemand hat jemals gesagt: ,Was passiert hier eigentlich?‘“, verfasst von Julia Ganterer, Gundula Ludwig und Laura Volgger. Die Autorinnen haben sich intensiv mit dem Thema sexualisierte Gewalt im sozialen Nahraum in Südtirol beschäftigt, und ihr Werk ist auch in italienischer Sprache unter dem Titel „E nessuno ha mai detto: ‚Che cosa sta succedendo qui, in realtà?‘“ erschienen.

Die Grundlage des Buches bilden 31 Interviews mit Menschen unterschiedlicher Generationen, die seit den 1950er-Jahren persönlich betroffen waren. Dabei erzählen sie von ihren Erfahrungen in Familien, Schulen, Vereinen, Kirchen und am Arbeitsplatz. Die Studie zeigt auf, wie gesellschaftliche Bedingungen Gewalt nicht nur ermöglichen, sondern auch das Schweigen darüber fördern. Ein bemerkenswerter Punkt ist, dass von den 31 Interviewpartner:innen nur eine Person Anzeige erstattet hat. Das verdeutlicht das Ungleichgewicht zwischen den Folgen für die Betroffenen und den geringen Konsequenzen für die Täter:innen.

Gesellschaftliche Machtverhältnisse im Fokus

Ein zentrales Thema der Studie ist der Einfluss gesellschaftlicher Machtverhältnisse auf sexualisierte Gewalt und das Schweigen darüber. Die Autorinnen und die an der Buchpräsentation teilnehmende Nicola Werdenigg, eine ehemalige Skirennläuferin, betonen die Dringlichkeit einer gesamtgesellschaftlichen Auseinandersetzung mit diesen Themen. Werdenigg hat sich in ihrer Karriere immer wieder für die Sichtbarmachung sexualisierter Gewalt im Spitzensport eingesetzt. Es ist klar, dass in vielen Bereichen – ob im Sport, am Arbeitsplatz oder in der Familie – oft Hinweise oder Mitwissende existieren, jedoch wenig Unterstützung für Betroffene bereitsteht.

Die Studie, die über drei Jahre hinweg gefördert von der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol, der Stiftung Südtiroler Sparkasse und der Universität Innsbruck durchgeführt wurde, zeigt eindrücklich, dass sexualisierte Gewalt nicht nur im Verborgenen geschieht. Vielmehr sind zahlreiche Menschen in die Geschehnisse involviert, ohne dass es zu einer wirklichen Aufarbeitung kommt. Die Forderung nach großflächigen und kontinuierlichen Bildungskampagnen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen wird laut erhoben. Es besteht ein dringender Bedarf, das Gespräch über sexualisierte Gewalt in einer patriarchal-heteronormativen Gesellschaft zu führen.

Bildung als Schlüssel zur Veränderung

Die Erkenntnisse der Studie sind nicht nur für die Wissenschaft von Bedeutung, sondern sie berühren auch das alltägliche Leben jedes Einzelnen. Bildungskampagnen könnten dazu beitragen, das Bewusstsein zu schärfen und das Schweigen zu brechen. Dabei sollten nicht nur Betroffene, sondern auch deren Angehörige und die Gesellschaft als Ganzes in den Fokus genommen werden. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes bietet beispielsweise einen Leitfaden zur sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz an, der für Arbeitgeber und Beschäftigte gleichermaßen hilfreich sein kann. Solche Initiativen sind ein erster Schritt, um die Themen Gewalt und Diskriminierung in den öffentlichen Diskurs zu bringen.

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Mit Blick auf die Zukunft ist es von großer Bedeutung, dass wir uns weiterhin mit diesen Themen auseinandersetzen. Es braucht mutige Stimmen und kritische Gespräche, um die Strukturen zu hinterfragen, die Gewalt begünstigen. Nur so kann eine Veränderung in der Gesellschaft herbeigeführt werden.

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