Heute ist der 25.04.2026. In der Stadt Lienz gibt es derzeit Diskussionen über die Zukunft der Südtiroler Siedlung, die 1941 für Südtiroler Optanten errichtet wurde. Während einer Gemeinderatssitzung im Februar äußerte Bürgermeisterin Elisabeth Blanik Unklarheiten über die weitere Entwicklung dieser Siedlung. Bisher war das Thema von politischem Stillschweigen geprägt, jedoch haben Studierende der TU Wien im Wintersemester 2023/24 das Wohnprojekt in einer Lehrveranstaltung behandelt und Vorschläge zur Weiterentwicklung erarbeitet. Besonders Architekt Stefan Breuer betonte die Bedeutung einer sanften Weiterentwicklung unter Einbeziehung der Bewohner:innen. Bislang wurden jedoch keine konkreten Maßnahmen wie Abriss, Umgestaltung oder Sanierung angekündigt oder durchgeführt.
Ein Blick über die Grenzen von Lienz zeigt, dass in der Kärntner Stadtgemeinde Friesach bereits Fortschritte im Wohnbau erzielt werden. Dort wurden 24 moderne, barrierefreie Wohnungen in der Hubert-Hauser-Straße errichtet, die im Stil der Südtiroler Siedlung gestaltet sind. Diese neuen Wohnungen sind zwischen 40 und 58 Quadratmeter groß und bieten eine Nettomiete ab 268 Euro sowie eine Warmmiete ab 350 Euro, inklusive aller Nebenkosten. Dank Subventionen von 80 Prozent aus der Kärntner Wohnbauförderung und einem Baurechtsvertrag mit der Stadtgemeinde Friesach konnte eine attraktive Preisgestaltung realisiert werden. Bürgermeister Josef Kronlechner besuchte alle Mieter:innen persönlich, um das Projekt vorzustellen und Informationen bereitzustellen.
Herausforderungen im Wohnungsbau
Die aktuellen Entwicklungen im Wohnungsbau sind nicht nur in Lienz und Friesach von Interesse. In Südtirol trafen sich kürzlich lvh-Präsident Martin Haller, Junghandwerker/innen-Landesobfrau Priska Reichhalter und lvh-Baugruppenobmann Fritz Ploner mit Landesräten, um aktuelle Herausforderungen im Wohnungsbau zu besprechen. Dabei kamen Themen wie Leerstandsmanagement, Baukosten und neue Wohnmodelle zur Sprache. Besonders betont wurde die Notwendigkeit, leerstehende Immobilien besser zu nutzen. Ulli Mair, einer der Landesräte, sprach sich für steuerliche Vorteile aus, um Sanierungen voranzutreiben.
Die steigenden Baukosten in Südtirol, insbesondere aufgrund strenger Klimahausstandards, wurden ebenfalls kritisch beleuchtet. Hierbei wurde die Rolle des lokalen Handwerks hervorgehoben, das zur Kostensenkung bei Neu- und Umbauten beitragen kann. Der Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren ist entscheidend, um Lösungen für den bestehenden Wohnnotstand zu finden. Innovative Wohnmodelle, die den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht werden, stehen ebenfalls auf der Agenda.
Gemeinnütziger Wohnbau als Lösung
Eine vielversprechende Lösung in der Diskussion um leistbaren Wohnraum ist der gemeinnützige Wohnbau. Dieser zielt darauf ab, Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten bereitzustellen und wird in Südtirol durch das Land gefördert. Die Mieten im gemeinnützigen Wohnbau liegen in der Regel unter dem Marktniveau und sind gedeckelt, was insbesondere in Zeiten stark gestiegener Immobilienpreise und Mieten von Bedeutung ist. Durch nachhaltige Bauweisen und gemeinschaftliches Wohnen wird zudem der Abwanderung entgegengewirkt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Herausforderungen im Wohnungsbau in Lienz und darüber hinaus vielfältig sind. Die Zusammenarbeit aller relevanten Akteure, sei es auf politischer, wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Ebene, ist entscheidend, um effektive Lösungen zu entwickeln. Die Entwicklungen in Friesach könnten dabei als positives Beispiel dienen und zeigen, dass es auch in der heutigen Zeit möglich ist, leistbaren Wohnraum zu schaffen.