Am 24. April 2023 besuchte Manuela Erber-Telemaque das BRG Reutte und stellte ihr beeindruckendes Projekt „Zukunft für Tshumbe“ vor. Die junge Tirolerin, die auf einem Bauernhof in Going aufwuchs, hegte bereits im Kindergarten den Wunsch, eines Tages einen Kindergarten in Afrika zu gründen. Mit 20 Jahren erfüllte sie sich diesen Traum und reiste in die Demokratische Republik Kongo, wo sie in Tshumbe, einem kleinen Dorf, ein Entwicklungshilfe-Projekt ins Leben rief.
Das Projekt begann bescheiden mit dem Bau eines Kindergartens und hat sich im Laufe von 13 Jahren zu einem umfassenden Schulzentrum entwickelt. Heute umfasst das Zentrum „Waale Waana“ nicht nur den Kindergarten, sondern auch eine Grundschule, eine Sekundarschule, eine Krankenstation, verschiedene Werkstätten sowie landwirtschaftliche und ernährungsbezogene Programme. Zudem gibt es ein Mutter-Kind-Programm und mehrere Trinkwasserbrunnen in der Region. In Tshumbe wird Erber-Telemaque von den Menschen als „WAALE WAANA“, was so viel wie „Mutter aller Kinder“ bedeutet, bezeichnet.
Einblick in die Realität des Kongo
Während ihrer Präsentation informierte Erber-Telemaque die Schülerinnen und Schüler der 6. und 7. Klassen über die Geschichte und die gegenwärtige Situation in der Demokratischen Republik Kongo. Sie erklärte, dass im Osten des Landes seit rund 30 Jahren ein gewalttätiger Konflikt herrscht, der eng mit den reichen Coltan-Vorkommen der Region verknüpft ist. Coltan, ein Rohstoff, der unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut wird, ist entscheidend für die Handyproduktion und andere Technologien.
Die Verbindung zwischen dem Lebensstandard in Tirol und dem Schicksal der Menschen im Kongo ist unübersehbar. Erber-Telemaque betonte, wie wichtig es ist, die Hintergründe und Auswirkungen des Rohstoffabbaus zu verstehen. Diese Informationen waren nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Lehrer von großer Bedeutung und die Begegnung wurde als berührend und inspirierend beschrieben.
Die Rolle von Coltan im Konflikt
Der Abbau von Coltan ist jedoch nicht ohne Risiken. Berichte über lebensgefährliche Arbeitsbedingungen in den Minen, Kinderarbeit und tödliche Unfälle, wie etwa Erdrutsche, bei denen Arbeiter ihr Leben verlieren, sind alarmierend. Elisha Gabriel, ein Bergarbeiter, verdient umgerechnet etwa 100 Euro pro Tag, während die Gewinne aus dem Coltan-Geschäft oft nur den Landbesitzern zugutekommen.
Die Rebellengruppe M23 kontrolliert Teile der Provinz Kivu, die reich an seltenen Erden ist, und der Konflikt zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda hat seine Wurzeln bis zur Kolonialzeit. Die M23, die 2012 gegründet wurde, wirft der kongolesischen Regierung vor, die Tutsi-Ethnie auslöschen zu wollen. Friedensverhandlungen wurden in der Vergangenheit durch verschiedene Vermittler, darunter US-Präsident Donald Trump, angestoßen, jedoch bleibt die Lage angespannt.
Das Engagement von Manuela Erber-Telemaque und ihrem Projekt „Zukunft für Tshumbe“ zeigt, wie wichtig es ist, in diesen schweren Zeiten „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu leisten und den Menschen vor Ort eine Perspektive zu geben. Dies ist nicht nur für die Menschen in Tshumbe von Bedeutung, sondern auch für uns hier in Tirol, um die globalen Zusammenhänge unseres Handelns zu verstehen.
Für weitere Informationen über das Projekt können Interessierte die Webseite Zukunft für Tshumbe besuchen oder den Artikel auf MeinBezirk nachlesen.