In der Region Schwaz sind viele Bachbetten ausgetrocknet, was häufig auf die Auswirkungen von Kleinwasserkraftwerken zurückzuführen ist. Diese besorgniserregende Entwicklung hat den österreichischen Fischereiverband sowie zwei weitere Verbände, das Österreichische Kuratorium für Fischerei (ÖKF) und die RNT, alarmiert. Sie warnen eindringlich vor dem geplanten Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG), das sie als Bedrohung für die intakten Fließgewässer ansehen. Insbesondere der Kaiserlochbach in Hart im Zillertal wird als Beispiel für die negativen Folgen dieser Gesetzesinitiative angeführt.
Das EABG zielt darauf ab, die Genehmigungsverfahren für erneuerbare Energien, wie Wind-, Wasser- und Photovoltaikanlagen, zu beschleunigen. Der Fischereiverband argumentiert, dass beim Ausbau erneuerbarer Energien der Schutz der letzten gesunden Bäche nicht aufgegeben werden sollte. Laut einem Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Schwaz muss der Bach in Hart im Zillertal von November bis März mindestens 9 Liter pro Sekunde und von April bis Oktober 16 Liter pro Sekunde an Restwasser führen. Doch ein Unternehmer vor Ort betreibt ein privates Kraftwerk, was zu einem signifikanten Rückgang des Wasserflusses führt.
Gefahren durch Kleinwasserkraftwerke
Der Fischereiverband hebt hervor, dass Kleinwasserkraftwerke zwar nur geringe Energiemengen liefern, jedoch großen ökologischen Schaden anrichten können. Diese Problematik wird durch das EABG verschärft, das Erleichterungen für Vorhaben der Energiewende vorsieht, einschließlich der oben genannten Anlagen sowie von Energiespeicheranlagen. Obwohl das Gesetz noch nicht in Kraft ist, da es im Parlament keine Zwei-Drittel-Mehrheit erhalten hat, existiert bereits eine Regierungs-Vorlage. Die Diskussion über den Schutz der Fließgewässer und den Ausbau erneuerbarer Energien ist damit aktueller denn je.
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass auch in Deutschland ähnliche Bestrebungen und Bedenken bestehen. Am 8. Juli 2022 wurde dort das EEG-Osterpaket beschlossen, das ebenfalls den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien zum Ziel hat. Hierbei wird die Bedeutung der Kleinwasserkraft anerkannt und der bestehende Förderrahmen bleibt erhalten. Vor dem Beschluss gab es jedoch Bedenken wegen geplanter Einschränkungen im Gesetzesentwurf. Interessanterweise wird in einer EWG-Studie aufgezeigt, dass Bioenergie und Kleinwasserkraft in Russland 51% der Energieversorgung ausmachen. Ein Ausstieg aus der Kleinwasserkraft könnte hier zu einem jährlichen Verlust von bis zu 2,8 Milliarden Euro führen.
Die Rolle der Verbände und der öffentliche Diskurs
Die AWK und andere Verbände setzen sich aktiv für die Wasserkraft ein und informieren die Politiker über die Hintergründe der Thematik. Es gibt sogar eine gemeinsame Verbändeerklärung gegen die geplanten Änderungen im EEG 2023. Solche Entwicklungen zeigen, wie wichtig der Dialog zwischen den verschiedenen Interessengruppen ist, um ein Gleichgewicht zwischen ökologischen Belangen und dem Bedarf an erneuerbaren Energien zu finden.
Die Diskussion um das EABG und die Kleinwasserkraft verdeutlicht die Herausforderungen, die mit dem Ausbau erneuerbarer Energien verbunden sind. Während der Klimaschutz und die Energiewende an oberster Stelle stehen, darf der Schutz der letzten intakten Fließgewässer nicht in den Hintergrund gedrängt werden. Die anhaltenden Debatten werden sicherlich auch in den kommenden Monaten für Aufsehen sorgen.