In Schwaz spitzt sich die Situation um leistbaren Wohnraum zu. Bei einem Pressegespräch am 04. Mai 2026 stellte der ÖGB die brisante Lage vor: Die steigenden Mieten und Betriebskosten machen es für viele Menschen immer schwieriger, sich ein Zuhause zu leisten. Am darauf folgenden Mittwoch, dem 10. Mai, fand eine Verteilaktion in der Wopfnerstraße statt, wo die Gewerkschaft mit den Bürger:innen ins Gespräch kam. Ziel war es, die politischen Forderungen für bezahlbares Wohnen zu kommunizieren und die Sorgen der arbeitenden Menschen sichtbar zu machen. Die Rückmeldungen waren alarmierend – immer mehr Menschen geraten durch die hohen Wohnkosten unter Druck. Besonders junge Arbeitnehmer:innen, Familien und ältere Menschen kämpfen an ihren finanziellen Grenzen.
Bernhard Reiter, ÖGB-Regionalsekretär, betonte, dass Wohnen für arbeitende Menschen erschwinglich sein muss. „Wir sehen, dass die Löhne und Gehälter nicht im gleichen Maße wie die Mieten und Immobilienpreise steigen“, so Reiter. Der Tiroler Wohnungsmarkt gilt bekanntlich als einer der teuersten in ganz Österreich, und im Bezirk Schwaz wird der leistbare Wohnraum zunehmend unerreichbar. Die Forderungen des ÖGB sind klar und umfassen den Ausbau des gemeinnützigen und geförderten Wohnbaus, mehr leistbare Mietwohnungen und Maßnahmen gegen Spekulation und Leerstand.
Politische Maßnahmen und Initiativen
Philip Wohlgemuth, der Tiroler Landeshauptmann-Stellvertreter und Wohnbaureferent, hat ebenfalls Handlungsbedarf erkannt. In einem Interview äußerte er, dass das Ziel sein müsse, dass Wohnen nicht mehr als 25% des Haushaltseinkommens kosten sollte. Um dieses Ziel zu erreichen, sind Maßnahmen zur Eindämmung von Spekulation, Mobilisierung von Flächen und Minimierung von Leerstand erforderlich. Besonders interessant sind die geplanten politischen Maßnahmen, wie die Einführung einer Baulandmobilisierungsabgabe für unbebautes Bauland und eine Verschärfung der Leerstandsabgabe, die ab dem 1. Januar 2026 in Kraft tritt.
Wohlgemuth spricht auch von der aktuellen Wohnbedarfsstudie, die zeigt, dass in Tirol etwa 100.000 Wohnungen ohne Hauptwohnsitzmeldung existieren. Viele dieser Wohnungen werden touristisch genutzt oder stehen leer. Gemeinden können bis zu 30% der ortsüblichen Miete als Leerstandsabgabe erheben, was ein weiterer Schritt in die richtige Richtung sein könnte. Zudem wird eine zentrale „Servicestelle Wohnen“ eingerichtet, die als Anlaufstelle für alle Fragen rund um das Thema Wohnen dient.
Die Prognose für die Zukunft
Die Präsentation der Wohnbedarfsstudie Tirol 2024-2033 durch LHStv Georg Dornauer und Christian Obermayr von der Universität Innsbruck zeigt auf, dass bis 2033 rund 35.000 zusätzliche Wohnungen benötigt werden, was etwa 3.900 neuen Einheiten pro Jahr entspricht. Aktuell gibt es in Tirol rund 440.000 Wohneinheiten, aber die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Der Anstieg der Wohnungen ohne Hauptwohnsitzmeldung seit 2014 ist besorgniserregend. In Tirol liegt dieser Anteil bei 22,6% und übersteigt damit den Bundesdurchschnitt.
Die Handlungsempfehlungen zur Verbesserung des Wohnungsmarktes sind vielfältig und reichen von der Mobilisierung von Bauland über die Aktivierung von Leerstand bis hin zur Förderung neuer Wohnformen. Die Tiroler Landesregierung hat bereits Initiativen gestartet, um Leerstand zu mobilisieren und Sanierungsprojekte zu fördern. Es bleibt zu hoffen, dass diese Maßnahmen nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern auch in der Realität ankommen. Denn nur so kann ein leistbares Zuhause für alle Tiroler:innen Wirklichkeit werden.