Heute ist der 8.10.2026 und in Urfahr gibt es Grund zur Freude. Die Waldinger Gemeindebibliothek hat in diesem Jahr wieder einmal einen wunderbaren Erfolg beim Leseförderungsprogramm gefeiert. Seit 32 Jahren setzt sich die Bibliothek dafür ein, dass Kinder und Jugendliche den Spaß am Lesen entdecken – und das mit vollem Erfolg. Am Ende der Sommerferien wurden die kleinen Leseratten für ihre Leistungen ausgezeichnet. Unter den strahlenden Gesichtern ragte die zehnjährige Lili Aigner heraus, die zur „Lesekönigin 2026“ gekürt wurde. Unglaubliche 84 Bücher hat sie in den neun Wochen der Sommerferien gelesen! Da kann man nur den Hut ziehen!

Die Büchereileiterin Natalija Proberii überreichte Lili stolz die Buchpreise. Doch während sich die Kinder über die Auszeichnungen freuten, gibt es auch eine weniger erfreuliche Realität, die hinter den Kulissen aufblitzt. Laut den aktuellen PISA-Studien haben immer mehr Schüler Schwierigkeiten, einfache Texte zu verstehen. Diese Entwicklung ist alarmierend, da die Wirtschaft klagt, dass viele Bewerber bereits an einfachen Texten scheitern. Eine Gesellschaft, die nicht richtig lesen kann, hat es schwer, aktiv an der Demokratie teilzunehmen. Ein Umstand, der nicht nur in Österreich von Bedeutung ist.

Lesekompetenz im Fokus

Auch der Bundesverband Leseförderung sieht dringenden Handlungsbedarf. Die PISA-Studie zeigt, dass jedes dritte 15-jährige Kind in Deutschland nicht das grundlegende Kompetenzniveau im Lesen und Mathematik erreicht. Besonders besorgniserregend ist der Rückgang der Lesekompetenz, vor allem bei komplexen Texten. Lesen ist schließlich die Grundlage für Lernen in allen Fächern und Lebensbereichen. Um dem entgegenzuwirken, sollte Leseförderung bereits in der Kita beginnen. Kinder benötigen frühzeitig die Gelegenheit, sich mit Sprache und Geschichten auseinanderzusetzen. Frühkindliche Literacy-Erfahrungen fördern nicht nur die Freude an der Sprache, sondern auch das Verstehen von Informationen und somit bessere Bildungschancen.

Ein Fortbildungsangebot mit dem Namen „Literacy kompakt“ setzt bundesweite Standards für die Weiterbildung im Literacy-Erwerb. Hierbei werden fachliche Grundlagen mit praxisnahen Modulen verbunden, die auf dem Curriculum der Lese- und Literaturpädagogik basieren. Pädagogische Fachkräfte haben die Möglichkeit, das Zertifikat „Literacy-Fachkraft“ zu erwerben. Für Teilnehmer ohne pädagogische Grundausbildung gibt es das Zertifikat „Literacy-Begleiter:in“. Diese Initiativen sind wichtig, denn die Verbesserung der Lesekompetenz erfordert ein gemeinsames Vorgehen von Kitas, Schulen, Bibliotheken, Buchhandlungen, Verlagen und Vereinen.

Schockierende PISA-Ergebnisse

Die Veröffentlichung der jüngsten PISA-Studie der OECD, die seit 2000 die Bildungsleistungen von 15-Jährigen international vergleicht, bringt ernüchternde Nachrichten. Die Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler in Deutschland hat sich verschlechtert. Von 2009 bis 2018 war Deutschland noch über dem OECD-Durchschnitt, doch 2022 fiel es auf durchschnittliches Niveau zurück. Rund 25 % der Jugendlichen in Deutschland sind im Bereich Lesekompetenz besonders leistungsschwach. Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, äußert sich besorgt über diese Entwicklung und fordert verbindliche Bildungsinvestitionen, besonders in die Leseförderung.

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Die Notwendigkeit einer deutschlandweiten, koordinierten Leseförderung ist unübersehbar. In einem Nationalen Lesepakt engagieren sich 180 Akteure, um die Leseförderung systematisch zu gestalten. Hier wird ein Rahmenplan entwickelt, um Kinder optimal beim Lesenlernen zu unterstützen. Im Jahr 2022 konnten knapp 26 % der Jugendlichen in Deutschland nur sehr eingeschränkt lesen – ein besorgniserregender Anstieg von 5 Prozentpunkten im Vergleich zu 2018. Wenn wir nicht handeln, drohen die Folgen, und das betrifft nicht nur die Bildung, sondern die gesamte Gesellschaft.