Heute ist der 28.04.2026 und die Innere Stadt in Wien steht vor tiefgreifenden Veränderungen im Bereich der Verkehrsgestaltung. Die Wiener Initiative „Geht doch“ hat am Parkring einen Fußgängerübergang zum Stadtpark ausgerollt, um auf die dringende Forderung nach mehr Ringquerungen aufmerksam zu machen. Diese Aktion ist Teil eines umfassenden Umbauprojekts, das in mehreren Etappen durchgeführt wird, um die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer zu erhöhen. Dabei müssen einige Parkplätze in den Nebenfahrbahnen für die Umbauarbeiten aufgegeben werden.

Die Experten sind sich einig über die Notwendigkeit dieser Maßnahmen. Matthias Nagler vom ÖAMTC betont, dass sich derzeit niemand wohlfühlt und viele Konfliktbereiche existieren. Harald Frey von der TU Wien sieht die Pläne als richtigen Schritt, spricht jedoch nicht von einem großen Wurf. Für die Fußgänger hat Petra Jens, die Fußgängerbeauftragte, Verbesserungen durch die „Geh-Allee“ in Aussicht gestellt. Jens plant die Einführung von „Linsen“ und Rüttelstreifen in Kreuzungsbereichen, um Radfahrer zu verlangsamen.

Neues Verkehrskonzept am Ring

Am 26. Februar 2026 präsentierte der ÖAMTC ein neues Verkehrskonzept mit dem Titel „Platz für alle am Ring“. Dieses Konzept sieht eine Trennung von Fuß-, Rad- und Kfz-Verkehr vor und umfasst einen baulich getrennten Zwei-Richtungs-Radhighway. Ziel ist es, die Qualität und Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu erhöhen. Seit 2014 hat der Radverkehr am Ring zugenommen, und 2024 wurden 1,8 Millionen Radfahrten registriert. Dies steht im Kontext von 73 Verkehrsunfällen mit Personenschaden, die im selben Jahr unter Beteiligung von Radfahrenden stattfanden – ein Anstieg von 97 % seit 2018.

Der Rad-Highway wird eine Breite von vier Metern haben und eine durchgängige Radschnellverbindung bieten. Radfahrende erhalten 17.000 m² exklusive Fläche an der Innenseite des Rings, was Konflikte mit Fahrgästen an Haltestellen durch getrennte Verkehrsführungen minimieren soll. Die andere Seite der Ringstraße wird in eine Flaniermeile mit Aufenthaltsbereichen für Fußgänger umgestaltet. Gehsteige sollen durch Bäume, Grünflächen und Verkehrssicherheitsmaßnahmen aufgewertet werden.

Kritische Stimmen und Herausforderungen

Trotz der positiven Ansätze gibt es auch kritische Stimmen. Harald Frey weist auf Probleme beim Wechsel der Radhauptroute am Schwarzenbergplatz hin. Cornelia Dlabaja von der FH Wien kritisiert, dass der Schwedenplatz in den Planungen fehlt, was für den Tourismus wichtig ist. Die Umbaupläne für den Schwedenplatz wurden aus Kostengründen verschoben, und Dlabaja fordert mehr Aufmerksamkeit für den Gürtel und den Schwarzenbergplatz in der Stadtplanung. Frey diskutiert sogar die Möglichkeit, die Fläche für Fußgängerzonen in Wien zu verdoppeln.

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Die Experten appellieren an die Zivilgesellschaft, sich für diese Maßnahmen einzusetzen und den öffentlichen Raum zurückzufordern. Dies ist besonders wichtig in einer Zeit, in der die Entwicklung von Quartieren mit einer vielfältigen Nutzungsmischung und einer kompakten, fuß- und radverkehrsfreundlichen Struktur notwendig ist, um den Verkehr zu reduzieren und die Lebensqualität zu erhöhen.

Das Konzept der „funktionellen Stadt“, welches in den 1960er Jahren entstand, hat zu einem Anstieg des Autoverkehrs und damit verbundenen Problemen wie Luftverschmutzung und Lärmbelastung geführt. In den letzten Jahrzehnten hat sich jedoch ein Umdenken vollzogen, weg von der „autogerechten Stadt“ hin zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Die Unterstützung von Bund und Ländern ist entscheidend, um diese Vision einer „Stadt für Morgen“ zu realisieren.

Für Wien bedeutet dies, dass nicht nur die Verkehrsplanung überdacht werden muss, sondern auch eine bessere Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel und eine Förderung von weniger Autoverkehr sowie mehr Fuß- und Radverkehr notwendig ist. Die Initiative „Geht doch“ und die neuen Konzepte des ÖAMTC sind Schritte in die richtige Richtung, um den öffentlichen Raum neu zu gestalten und die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu erhöhen.