2,92-Meter-Wels aus warmem Kraftwerkssee stellt offenbar Weltrekord auf
Ein Wels von 2,92 Metern sorgt für Aufsehen: Der deutsche Angler Oliver Schäfer aus Mechernich-Kallmuth hat bei einem Angelturnier im polnischen Rybnik offenbar einen neuen Weltrekord aufgestellt. Gemeinsam mit seinem niederländischen Angelpartner Kevin Cremers fing der 34-Jährige den außergewöhnlich großen Fisch Mitte Oktober.
Ganz erreicht haben die beiden ihr selbst gesetztes Ziel trotzdem nicht. Sie waren gezielt nach Rybnik gereist, um einen mindestens drei Meter langen Wels zu fangen. „Knapp daneben“ – in diesem Fall heißt das allerdings: 2,92 Meter und vermutlich sehr müde Arme.
30 Minuten Kampf im starken Wind
Das zweitägige Turnier fand am 10. und 11. Oktober statt. 70 Teams mit insgesamt 150 Anglern aus ganz Europa nahmen daran teil. Schäfer verwendete eine spezielle Großwels-Rute. Als der Fisch anbiss, erkannte er nach eigener Aussage sofort, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Fang handeln konnte.
Während Cremers das Boot bei starkem Wind steuerte, hielt Schäfer die Rute. Rund 30 Minuten dauerte der Kampf mit dem Tier. Am Ufer maß die Jury den Wels mit 292 Zentimetern. Erst danach, so schilderten es die Angler, wurde ihnen klar, dass sie einen Weltrekord erzielt hatten.
Der Fisch war bereits im Vorjahr gefangen worden. Seitdem hatte er an Gewicht zugelegt, war aber nicht länger geworden. Nach der Vermessung setzten Schäfer und Cremers ihn wieder ins Wasser zurück.
Im Turnier reichte es für das deutsch-niederländische Team dennoch nur zum zweiten Platz. Ein anderes Team hatte mehr Fische gefangen. Schäfers Ehefrau Kim nahm den Rekord gelassen und sagte, der Fang sei zu erwarten gewesen, weil ihr Mann immer große Fische fange.
Warmes Wasser als Wachstumshilfe
Der Rybnik-Stausee dient als Kühlwasserbecken eines Kohlekraftwerks. Das Kraftwerk leitet warmes Wasser zurück in den See. Laut Schäfer sind Fische in wärmerem Wasser aktiver und wachsen dort schneller. Betroffen seien unter anderem Karpfen, Welse und Zander.
Auch der polnische Angelverband berichtete über einen 2,92 Meter langen Wels aus dem Rybnik-Stausee und bezeichnete den Fang in sozialen Medien als Weltrekord. In diesem Bericht werden als Fänger Krzysztof Pyra und Adrian Gontarz genannt, die den Fisch am 19. Oktober 2025 während eines Wettbewerbs fingen. Der Drill soll rund anderthalb Stunden gedauert haben. Pyra sagte, sie hätten beim ersten Anblick die Größe des Welses kaum glauben können.
Ein Video der Vermessung wurde veröffentlicht. Nach einer kurzen Fotosession kam der Fisch wieder in den See. Piotr Boufał, ein Angelführer und Unterstützer des Welsangelns in Polen, wertete den Fang als Beleg dafür, dass Welse solche Größen erreichen können.
Der bisher größte dokumentierte Wels soll 2,85 Meter lang gewesen sein. Er wurde im Po in Italien gefangen. Der polnische Rekord lag zuvor bei 2,61 Metern, in Tschechien war wenige Monate davor ein 2,68 Meter langer Wels gefangen worden. Das ungewöhnliche Wachstum im Rybnik-Stausee könnte mit der erhöhten Wassertemperatur zusammenhängen – die Bedingungen für Welse gelten dort als besonders günstig.
Ein Riese mit großem Appetit
Der Europäische Wels, wissenschaftlich Silurus glanis, ist der größte reine Süßwasserfisch Europas. Er kann mehr als zwei Meter lang werden, in Ausnahmefällen bis zu drei Meter, und etwa 100 bis 200 Kilogramm wiegen. Welse wachsen lebenslang. In warmen, nahrungsreichen Seen entwickeln sie sich über Jahrzehnte zu Spitzenprädatoren.
Tagsüber liegen sie häufig am schlammigen Grund tiefer Gewässer. Aktiv werden sie vor allem nachts und in der Dämmerung. Mit ihren empfindlichen Barteln und dem ausgeprägten Seitenlinienorgan orten sie Beute, zu der kleinere Fische, Krebstiere und Wasservögel gehören. Ab etwa einem Meter Länge haben Welse kaum noch natürliche Fressfeinde.
Der Energiebedarf ist entsprechend ordentlich: Für ein Kilogramm Körpergewicht benötigen sie ungefähr sechs bis sieben Kilogramm Beute. Große Tiere können dadurch erhebliche Mengen anderer Fische aus einem Gewässer entfernen. In einigen italienischen Seen brachen Bestände heimischer Fischarten infolge dieses Fraßdrucks ein. Am Gardasee gilt besonders der endemische Carpione, eine nur dort vorkommende Salmonidenart, als gefährdet.
Dort werden zunehmend Welse von bis zu drei Metern Länge beobachtet. Italienische Medien nennen sie „Monster vom Gardasee“. Taucher und Fischer berichten von immer mehr sehr großen Exemplaren und einer schnellen Bestandsausbreitung. Gleichzeitig verändern invasive Arten wie die Quagga-Muschel und der Rote Amerikanische Sumpfkrebs das Ökosystem des Sees.
Vom heimischen Fisch zum „Süßwasser-Killerwal“
In Mitteleuropa ist der Wels heimisch. In zahlreichen Gewässern Süd- und Westeuropas wurde er jedoch vom Menschen eingeführt und kann dort invasives Verhalten zeigen. In neu besiedelten Gewässern beobachteten Forschende Verhaltensweisen, die aus dem ursprünglichen Verbreitungsgebiet nicht bekannt sind.
Französische Forscher dokumentierten am Fluss Tarn eine ungewöhnliche Jagdtechnik. Dort wurden Welse in den 1980er-Jahren eingesetzt. Einzelne Tiere schoben sich auf Kiesbänke, um Tauben zu fangen, und glitten danach zurück ins Wasser. Von 45 beobachteten Angriffen endeten rund 28 Prozent mit einem gefangenen Vogel. Isotopenanalysen zeigten, dass Landvögel bei einzelnen Welsen einen erheblichen Teil der Nahrung ausmachen.
Die Forscher werteten das als erlernte Spezialisierung einzelner Tiere. Wegen der Parallele zu jagenden Schwertwalen bekam der Wels den Beinamen „Süßwasser-Killerwal“. Ein bisserl martialisch klingt das schon – harmlos ist die Jagdstrategie für die betroffenen Vögel freilich nicht.
Begünstigt wird die Ausbreitung durch steigende Wassertemperaturen. Der Wels laicht zuverlässig erst bei mehr als etwa 20 Grad Celsius, wächst in warmen Sommern schneller und vermehrt sich besonders stark in Regionen mit einer mittleren Jahrestemperatur von mehr als rund zehn Grad Celsius.
Am Bodensee stieg die Oberflächentemperatur von etwa 11–12 Grad Celsius im Jahr 1990 auf 13–14 Grad im Jahr 2024. Im selben Zeitraum hat sich der Anteil der Gewässer mit Welsnachweisen in Baden-Württemberg nahezu verdreifacht. Welche langfristigen Folgen die Ausbreitung und das veränderte Jagdverhalten für heimische Fischgemeinschaften haben, ist noch nicht abschließend erforscht.
