Hermann Czech: Architekt der urbanen Geschichten in Wien-Ottakring
In Wien-Ottakring, dort wo die Stadt sich ganz schön quirlig gibt, stehen sie: Die markanten Wohnblöcke der Paltaufgasse. Zwischen 1990 und 1997 errichtet, spiegelt dieses Bauprojekt die Handschrift des renommierten Architekten Hermann Czech wider. Wenn man sich die Luftaufnahme anschaut, sieht man nicht nur die imposante Baugruppe, sondern auch die Stadtbahn und die U-Bahn-Trasse, die durch das Bild führen – eine lebendige Ader dieser Stadt. Czechs Architektur ist nicht nur funktional, sie erzählt Geschichten. Geschichten von einem Wien, das sich kontinuierlich wandelt und anpasst.
Czech, geboren am 10. November 1936 in Wien, hat sich einen Namen gemacht – nicht nur hierzulande, sondern auch international. Sein Studium der Architektur absolvierte er an der Technischen Hochschule Wien und in der Meisterschule von Ernst Plischke. Ein echter Wissensdurst treibt ihn an, denn er nahm auch an Seminaren bei Konrad Wachsmann an der Sommerakademie in Salzburg teil. Irgendwie beeindruckend, oder? Später wurde er Assistent an der Akademie für angewandte Kunst in Wien und war auch als Gastprofessor an der Harvard University und der ETH Zürich tätig. So viel für einen einzigen Menschen!
Czech und seine Philosophie der Architektur
Hermann Czech ist nicht nur ein Architekt, sondern auch ein Theoretiker. Er hat Christopher Alexanders „A Pattern Language“ übersetzt, um architektonisches Wissen für Laien zugänglich zu machen. Mit der Loos-Frank-Schule wird er oft in Verbindung gebracht, was zeigt, dass sein Einfluss und sein Denken weit über den reinen Bau hinausgehen. Seine Projekte umfassen Wohn-, Schul- und Hotelbauten sowie zahlreiche Interventionen und Ausstellungsgestaltungen, die oft eine spannende Balance zwischen Tradition und Moderne schaffen.
Ein weiteres Beispiel für seine beeindruckende Arbeit ist der Wohnpark Alterlaa, realisiert zwischen 1973 und 1985 durch Harry Glück. Oder der Holzhybridbau „Rote Emma“ auf einem ehemaligen Kartoffelacker – was für ein kreativer Wandel! Und auch die jüngeren Projekte, wie das Kunst- und Kulturquartier „Kuku 23“ in Liesing, zeigen, wie vielschichtig und dynamisch die Wiener Architektur ist. Czechs Werk ist stark kontextbezogen und nimmt vorhandene Widersprüche auf – eine Eigenschaft, die ihn zu einem Protagonisten einer neuen, „stillen“ Architektur ab den 1970ern gemacht hat.
Ein Mann der Worte und Taten
Neben seinen Bauten hat Czech auch zahlreiche Schriften zur Architektur veröffentlicht. „Zur Abwechslung. Ausgewählte Schriften zur Architektur“ aus dem Jahr 1996 ist nur eines seiner vielen Werke. Er hat Neuausgaben und Übersetzungen von Architekturklassikern herausgegeben, darunter Meisterwerke von Otto Wagner, Adolf Loos und Josef Frank. Es ist fast so, als ob er die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlägt und uns dazu einlädt, über die Architektur nachzudenken.
Die Monografie über sein Schaffen, herausgegeben von Eva Kuß und veröffentlicht 2018, zeigt, dass Czech nicht nur ein Baumeister ist, sondern auch ein Denker. Sie besteht aus drei Teilen: einem kulturhistorischen Teil, der sein Wirken mit der Wiener Moderne verknüpft, einem biografischen Teil, der seine Jugend und Studienjahre beleuchtet, und einem Teil mit Projektbeschreibungen und einem vollständigen Verzeichnis seiner Arbeiten. Über 240 farbige und 270 s/w-Abbildungen nehmen den Leser mit auf eine visuelle Reise durch Czechs beeindruckende Karriere.
Es ist klar, Hermann Czech ist viel mehr als nur ein Name auf einem Bauplan. Er ist ein Teil der Wiener Geschichte und Architektur, ein kreativer Kopf, der mit seinen Werken und Worten einen bleibenden Eindruck hinterlässt. In einer Stadt, die sich ständig neu erfindet, sind Czechs Bauwerke wie Anker, die uns an die Schönheit und Komplexität unserer urbanen Umgebung erinnern.
