In Wien hat sich in den letzten Wochen einiges getan, besonders im Bereich der Darmkrebsvorsorge. Vor etwa einem Monat wurde ein neues Screeningprogramm ins Leben gerufen, das ganz ohne die oft gefürchtete Koloskopie auskommt. Stattdessen können die Teilnehmer ein kostenloses Testkit nach Hause bestellen. Dies ist ein Schritt, der viele Menschen in der Altersgruppe von 45 bis 75 Jahren ansprechen soll, die in den letzten zehn Jahren keine Koloskopie hatten. Im Juni erhielten 5.000 dieser Personen ein Einladungsschreiben, und wie die Zahlen zeigen, kam das Angebot gut an: 2.000 Wiener haben binnen vier Wochen ein Testkit angefordert.

Bereits rund 1.000 Tests wurden eingesendet und ausgewertet, wobei 21 Proben auffällig waren. Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) zeigte sich optimistisch über den Start des Programms. Bei einem positiven Befund wird den Betroffenen innerhalb von 14 Tagen ein Termin für eine Darmspiegelung garantiert. Sollte es im niedergelassenen Bereich zu Wartezeiten kommen, springen Endomed Wien Mitte und das Franziskusspital ein, um einen schnellen Termin zu ermöglichen. Dieses Programm versteht sich als Ergänzung zur bereits bestehenden kostenlosen Koloskopie und zielt darauf ab, die Hemmschwelle zur Darmkrebsvorsorge zu senken. Es orientiert sich an den Empfehlungen der EU und dem Nationalen Screening-Komitee für Krebserkrankungen.

Wichtige Präventionsmaßnahme

Die Darmkrebsfrüherkennung wird als eine der zentralen Methoden angesehen, um Darmkrebs frühzeitig zu erkennen und damit schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), betont die Bedeutung von Präventionsangeboten im Gesundheitswesen, die oft unterbewertet werden. In der Zahnmedizin haben wir es gesehen: Dank von Präventionsmaßnahmen wie dem Bonusheft ist Karies bei Kindern und Jugendlichen rar geworden.

In der Darmkrebsfrüherkennung gibt es zwei Hauptmethoden: den Test auf Blut im Stuhl, der alle zwei Jahre ab 50 Jahren durchgeführt werden kann, und die Vorsorge-Darmspiegelung, die ab 50 Jahren angeboten wird und zwei Mal im Leben in Abständen von zehn Jahren erfolgen kann. Letztere ist sicherer, da Befunde sofort entfernt werden können. Trotz dieser Möglichkeiten sind die Nutzerzahlen leider noch zu niedrig. Warum das so ist? Scham, Angst, fehlende Aufklärung und mangelndes Risikobewusstsein sind mögliche Hürden, die es zu überwinden gilt.

Ein Blick in die Zukunft

Die KBV hat sich einiges vorgenommen. Ziele sind unter anderem die Einführung einer dritten Vorsorgeuntersuchung für ältere Menschen und frühere Vorsorgeuntersuchungen bei familiärem Risiko, bereits ab einem Alter von 40 Jahren. Materialien wie Plakate und Videos werden für Praxen vorbereitet, um die Ansprache der Bevölkerung zu intensivieren. Gesundheitskompetenz wird immer wichtiger, und es ist an der Zeit, auch in Schulen und Kindergärten mehr über Gesundheit aufzuklären.

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Das Wiener Screeningprogramm könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein. Mit rund 700.000 Personen in der Altersgruppe von 45 bis 75 Jahren in Wien, von denen etwa 540.000 bis Mai 2027 ein Einladungsschreiben erhalten sollen, könnte das Bewusstsein für Darmkrebsfrüherkennung steigen. Wenn die Menschen erst einmal über die Möglichkeiten informiert sind, könnte dies die Zahl der durchgeführten Tests und letztlich die Überlebenschancen bei Darmkrebs deutlich erhöhen. Das Potenzial ist da – jetzt gilt es, es zu nutzen.

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