Heute ist der 22.09.2026 und wir sind in Wien, wo sich die kreative Musikszene ständig weiterentwickelt. Ein ganz besonderer Akteur dieser Szene ist Stefan Voglsinger. Der Musiker und Instrumentenbauer hat einen faszinierenden Weg hinter sich, der vor über einem Jahrzehnt begann. 2011 zog es ihn nach Kuba, wo er Sound Design für Film studierte. Zuvor hatte er in Wien Schlagzeug und Musik- und Bewegungspädagogik studiert. Aber in Kuba, oh je, da war er plötzlich ohne sein geliebtes Schlagzeug. Das war für ihn anfangs ein echter Schock – fast schon schmerzhaft. Doch anstatt aufzugeben, ließ er sich inspirieren: Die Abwesenheit seines Instruments weckte sein Interesse an selbstgebauten Geräten und experimentellen Klangerzeugungen.

Zurück in Wien, im Jahr 2014, gründete er im 17. Bezirk den Setzkasten. Dieser Raum ist nicht nur ein Vereinsraum, sondern auch Werkstatt und Tonstudio. Ein Ort, an dem die Magie der Klänge zum Leben erweckt wird und wo experimentelle Musik ganz groß geschrieben wird. Hier wird nicht nur musiziert, sondern auch erforscht und experimentiert. Ein kreatives Labor, könnte man sagen.

Ein Raum für kreative Klänge

Der Setzkasten hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen jeden Alters zur kreativen Auseinandersetzung mit Klängen zu ermuntern. Es ist ein Ort, an dem Musikmachen und -erfinden ohne besondere musikalische Voraussetzungen möglich ist. Das ist einfach genial! Wer denkt, man müsse ein Virtuose sein, der irrt sich gewaltig. Es geht um Hören und Experimentieren. Aufmerksames Hören ist eine Voraussetzung für schöpferisches Musikmachen. Und genau das wird hier gefördert. Es ist eine Art „Schule des Hörens“, die die auditive Sensibilisierung in den Mittelpunkt stellt.

Die Workshops im Setzkasten sind ein Highlight. Hier können Kinder und Erwachsene gemeinsam Instrumente bauen – von Monochorden bis zu Röhrentrommeln und Metallophonen. Es entstehen leicht spielbare und wohlklingende Instrumente, die das musikalische Experiment fördern. Das gesamte Instrumentarium, das hier entwickelt wird, besteht aus akustischen Readymades, selbstgebauten Klangerzeugern und Materialinstrumenten. So wird jeder Besuch im Setzkasten zu einem Erlebnis, das die Sinne anspricht und die Kreativität anregt.

Experimentelle Musik und ihre Wurzeln

Doch was ist eigentlich experimentelle Musik? Der Begriff hat in der DDR eine vielschichtige Bedeutung und bezieht sich auf die musikalische Avantgarde des 20. Jahrhunderts. Diese Art von Musik brach mit den musikalisch-künstlerischen Konventionen und war geprägt von Innovation. Im 20. Jahrhundert gab es zahlreiche Richtungen, die die Grenzen der Musik überschritten – kreative Interpretation, Dialog mit Landschaftsräumen und sogar Experimente mit der Wirklichkeit selbst. In der DDR war das jedoch oft von den Bedingungen politischer Diktaturen beeinflusst, was die Kunstszene ganz anders prägte.

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Es gab eine spannende Liaison zwischen Free Jazz und neuer Musik, die weitere interpretatorische Räume für experimentelles Komponieren eröffnete. Mit neuen Instrumenten und Klangmaschinen wurde experimentelle Musik in der DDR zu einem Ausdruck von Welt- und Selbstwahrnehmung. Künstler wie Georg Katzer und Lothar Voigtländer trugen dazu bei, dass elektroakustische Musik und multimediale Projekte gefördert wurden. So war die experimentelle Musik in der DDR nicht nur ein musikalisches Phänomen, sondern auch ein Spiegel gesellschaftlicher Fragen und Werte.

Stefan Voglsinger und der Setzkasten setzen also einen wichtigen Teil dieser Tradition fort – sie laden ein zur kreativen Entfaltung mit Klängen und ermöglichen es Menschen, sich ohne Hemmungen in der Welt der Musik auszuprobieren. Ein Ort, wo jeder seine eigene musikalische Stimme finden kann. Und das ist doch einfach großartig!