Am 23. April 2026 hat der MeinBezirk-Redakteur Fabian Franz ein aufschlussreiches Interview mit der Autorin Nicole List über ihr Buch „Angst vor Männern“ geführt. In diesem Gespräch erklärt List, dass der Titel des Buches leider einige Menschen triggern könnte. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass es in ihrem Werk nicht um einen Hass gegen Männer geht, sondern um persönliche Erlebnisse, die sie gemacht hat. Diese Erfahrungen sind für viele Männer nicht nachvollziehbar, doch List sieht die Verantwortung bei ihnen, um Teil der Lösung zu werden.

Die Autorin ruft dazu auf, Bücher wie „Angst vor Männern“ als einen Auftrag zu verstehen, der dazu dient, das Verhalten zu verbessern. Ein einfaches Beispiel, das sie anführt, ist das Wechseln der Straßenseite, wenn eine Frau alleine unterwegs ist, um ihr Sicherheitsgefühl zu erhöhen. Das übergeordnete Ziel ist klar: In der Zukunft sollen solche Bücher nicht mehr nötig sein. Des Weiteren wird eine neue Ausstellung im feministischen Kunstraum am Alsergrund angekündigt, die sich mit dem Thema Männergewalt befasst – ein Problem, das dringend gelöst werden muss.

Die gesellschaftliche Verantwortung

Die Thematik der Gewalt im Geschlechterverhältnis ist komplex und vielschichtig. Laut der Bundesstiftung Gleichstellung gibt es umfassende Leitfäden und Berichte, die sich mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz, häuslicher Gewalt und dem Gewaltschutzgesetz beschäftigen. Diese Informationen sind entscheidend, um das Bewusstsein für Gewalt gegen Frauen und auch gegen Männer zu schärfen. Der Europarat hat bereits 2011 ein Übereinkommen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt verabschiedet, das bis heute von Bedeutung ist.

Besonders auffällig ist, dass in der deutschen Kriminalstatistik zwei von drei Tatverdächtigen Männer sind. Dies zeigt sich auch in den Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik, wo 85,5% der Tatverdächtigen bei Körperverletzungen männlich sind. Männliche Gewalttätigkeit wird in der Gesellschaft oft als „normal“ wahrgenommen, basierend auf herrschenden Männlichkeitsvorstellungen. Die Forschung hat aufgezeigt, dass Gewalt von Männern sich überwiegend gegen Männer selbst richtet, mit Ausnahme von Sexualstraftaten.

Die Rolle der Männer

Die Diskussion um Gewalt gegen Männer ist in den letzten Jahren verstärkt worden, jedoch bleibt die männliche Perspektive oft unberücksichtigt. Die Frauenbewegung hat die öffentliche Diskussion über Gewalt gegen Männer angestoßen, doch es besteht eine Forschungslücke zur Viktimisierung von Männern. Eine Pilotstudie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat ergeben, dass Männer in der Öffentlichkeit häufig Opfer körperlicher Gewalt werden, vor allem durch andere Männer.

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Es ist essenziell, dass Männer auch über ihre Erfahrungen mit Gewalt sprechen können, ohne Scham zu empfinden. Der Aktionsplan der Bundesregierung zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen fokussiert sich auf Frauen als schützenswert, während Männer oft als Täter betrachtet werden. Diese einseitige Wahrnehmung muss dringend überdacht werden, um die Verletzbarkeit von Männern in der Gesellschaft sichtbar zu machen.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass sowohl Männer als auch Frauen von Gewalt betroffen sind und es wichtig ist, die gesellschaftlichen Standards zu hinterfragen, die solche Gewalt begünstigen. Der Aufruf von Nicole List, Bücher wie „Angst vor Männern“ als Auftrag zu begreifen, ist ein Schritt in die richtige Richtung, um das Verhalten zu verändern und ein sicheres Miteinander zu fördern.