Am Freitag, dem 1. Mai, trafen sich rund 600 Radlerinnen und Radler in Wien zum mittlerweile fünften „Gürtel Bike Ride“. Es war ein sonniger Nachmittag, und die Stimmung war ausgelassen, während die Teilnehmer vom Votivpark aus in die Pedale traten, um ihren Forderungen nach einem fahrradfreundlicheren Gürtel Nachdruck zu verleihen. Organisiert von den Initiativen „Radeln for Future“, „Parents for Future“ und „Gürtel Liebe“, war die Veranstaltung nicht nur ein Protest, sondern auch eine Feier der Radkultur.
Die Route führte vom Votivpark über den Gürtel zur Schönbrunner Straße und zurück zum Ring. Ein Highlight war die gemeinsame Fahrt über die Gürtelbrücke, wo die Teilnehmer lautstark für ihre Anliegen eintraten. Die Forderung, eine Autospur in einen Radschnellweg umzuwidmen, stand ganz oben auf der Liste. Judith Brocza, die Initiatorin der Veranstaltung, unterstrich, wie wichtig eine bessere Infrastruktur für Radfahrer ist. „Wir müssen die Abhängigkeit vom Auto verringern und der Staubildung entgegenwirken“, so Brocza.
Forderungen für bessere Radinfrastruktur
Die Teilnehmer machten deutlich, dass die aktuelle Radwegsituation am Gürtel einige Probleme birgt. Häufige Seitenwechsel und sporadische Radwegteilstücke zwischen Eichenstraße und Landstraßer Hauptstraße machen das Radfahren nicht nur unkomfortabel, sondern auch gefährlich. Die Forderungen umfassten einen durchgehenden Radschnellweg, der ohne ständige Seitenwechsel auskommt, sowie eine Entflechtung von Fuß- und Radverkehr. Dies wäre ein echter Gewinn für alle Verkehrsteilnehmer.
Ein weiterer Punkt, den die Initiative „Gürtel Liebe“ ansprach, war die Einführung eines Tempolimits am gesamten Gürtel. Clemens Schneider von der Initiative übte zudem Kritik an der Stadtpolitik, die das Potenzial des Gürtels bislang nicht ausreichend berücksichtigt hat. „Es ist einfach frustrierend zu sehen, wie wenig sich tut, obwohl die Möglichkeiten so klar sind“, bemerkte er.
Unterstützung für Radverkehrsprojekte
Ein Blick auf die bundespolitische Ebene zeigt, dass es durchaus Unterstützung für solche Projekte gibt. Seit 2021 können Länder und Gemeinden Bundesmittel für Radverkehrsinfrastrukturprojekte beim Bundesministerium für Verkehr beantragen. Bis 2030 stehen insgesamt rund 1,9 Milliarden Euro zur Verfügung, um die Attraktivität und Sicherheit des Radfahrens zu erhöhen. Die Maßnahmen umfassen unter anderem den Neu-, Um- und Ausbau von Radverkehrsnetzen, die Schaffung eigenständiger Radwege und die Optimierung des Verkehrsflusses für Radfahrer.
Mit derartigen Förderungen könnte sich die Situation für Radfahrer in Wien und anderen Städten erheblich verbessern. Doch wie schnell diese Veränderungen tatsächlich umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Die Begeisterung und der Wille der Radlerinnen und Radler am 1. Mai waren auf jeden Fall ein starkes Zeichen, dass die Zeit für eine Wende gekommen ist.
Die Veranstaltung verlief reibungslos, da die Polizei die Route absicherte und alle Verhaltensregeln, wie den respektvollen Umgang mit anderen Verkehrsteilnehmern, eingehalten wurden. Das bestätigte, dass es möglich ist, gemeinsam für eine bessere Zukunft zu kämpfen – und das auf eine friedliche Art und Weise.