Die Caritas der Erzdiözese Wien hat anlässlich des Muttertags am 10. Mai auf ein ernstes und oft übersehenes Problem hingewiesen: die Armutsgefährdung von Frauen, insbesondere von Alleinerzieherinnen in Österreich. Die steigenden Lebenshaltungskosten, die hohen Wohn- und Energiepreise verschärfen die Situation für viele betroffene Frauen. Rund 600.000 Frauen in Österreich gelten als armutsgefährdet, und etwa 121.000 davon sind erheblich betroffen. Besonders alarmierend ist die Lage der Alleinerziehenden und ihrer Kinder, die oft unter finanziellen Engpässen leiden.

Caritasdirektor Klaus Schwertner hat in diesem Zusammenhang politische Maßnahmen gefordert, um die Situation zu verbessern. Dazu gehören die Valorisierung von Familienleistungen und ein Ende der Kürzungen bei Sozialhilfen. Diese Forderungen sind mehr als nur bürokratische Anfragen; sie sind ein Hilferuf für viele Frauen, die oft nicht genügend finanzielle Mittel für ihre Grundbedürfnisse haben. Ein beachtlicher Teil dieser Frauen hat zudem mit unerwarteten Ausgaben zu kämpfen, die zu unüberwindbaren Hürden werden können.

Ein verborgener Kampf

Es gibt in Österreich nicht nur die sichtbare Armut, sondern auch eine versteckte. Viele Frauen, die von Armut betroffen sind, suchen oft aus Scham erst spät Hilfe – häufig dann, wenn Delogierungen drohen. Diese Scham ist ein gewaltiges Hindernis, das den Zugang zu Unterstützung erschwert. Die Caritas betreibt zehn Mutter-Kind-Häuser in Österreich, drei davon in Wien. Diese Häuser bieten Frauen und ihren Kindern ein vorübergehendes Zuhause sowie sozialpädagogische Begleitung. Dabei zeigt sich die angespannte Situation täglich: Ehemalige Bewohnerinnen bitten um Hilfe, weil sie mit den hohen Lebenshaltungskosten schlichtweg nicht mehr klarkommen.

Die Caritas ruft anlässlich des Muttertags zu Spenden auf, um Müttern und Kindern Freude und Hoffnung zu schenken. Unterstützung für Alleinerziehende und ihre Kinder kann online über den wirhelfen.shop der Caritas erfolgen. Sachspenden für armutsbetroffene Frauen werden ebenfalls gesammelt. Die Notwendigkeit von Hilfsangeboten ist unbestreitbar, denn die aktuelle Situation erfordert schnelles Handeln.

Verborgene Armut und strukturelle Ursachen

Eine Studie, die von der Caritas in Auftrag gegeben wurde, beleuchtet die ökonomische Situation von nicht-alleinlebenden Frauen in Österreich. Dabei zeigt sich, dass jede dritte nicht-alleinlebende Frau armutsgefährdet ist, obwohl sie in einem Haushalt mit ausreichend Einkommen lebt. Das zeigt, wie verletzlich Frauen durch finanzielle Abhängigkeiten sind. Trennungen, Jobverluste oder Erkrankungen von Partnern können schnell zu einem finanziellen Desaster führen. Besonders betroffen sind Frauen in Haushalten mit drei oder mehr Kindern, wo das Armutsrisiko für Frauen bei 65 % und für Männer bei 12 % liegt.

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Der Sozialstaat wirkt nicht für alle gleich. Während sich das individuelle Armutsrisiko von Frauen in den letzten zehn Jahren zwar verbessert hat, geschieht dies meist nur durch eigene Anstrengungen und nicht durch umfassende Reformen. Die Verantwortung für die Bewältigung dieser Herausforderungen lastet oft auf den Schultern der Frauen, die den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit übernehmen. Das beeinflusst nicht nur ihre Erwerbsarbeit, sondern auch ihre Bezahlung.

Inmitten all dieser Herausforderungen ist es entscheidend, dass wir nicht wegsehen. Die Caritas fordert nicht nur politische Maßnahmen, sondern auch ein Umdenken in der Gesellschaft. Denn die Realität von Frauen in Österreich ist oft weit entfernt von dem Bild, das wir uns manchmal machen. Und genau hier liegt die Chance: durch mehr Bewusstsein und Engagement können wir gemeinsam einen Unterschied machen.