Heute ist der 20.05.2026 und wir blicken auf einen aufsehenerregenden Prozess, der die Gemüter in Wien-Donaustadt erhitzt. Ein afghanischer Vater, 51 Jahre alt, steht wegen eines schrecklichen Verbrechens vor Gericht. Am 24. November 2025 hat er auf seine 15-jährige Tochter Mina eingestochen – und das mindestens ein Dutzend Mal. Die Tat, die sich in einem Moment der Verzweiflung und des Fanatismus ereignete, hätte tödlich enden können. Glücklicherweise haben Passanten und ein Allgemeinmediziner eingegriffen und Mina das Leben gerettet.
In der Verhandlung gestand der Vater seine Tat und rechtfertigte sich damit, dass er im Recht sei, da seine Tochter einen Freund habe. In seiner Welt war Mina dem Vater versprochen und sollte einen Afghanen heiraten. Diese Vorstellung von Ehre ist tief in patriarchalen Strukturen verwurzelt, die oft auch in migrantischen Familien zu finden sind. Der Vater, der als Pizzakoch arbeitete, behauptete zudem, Zahnschmerzen und menschliches Versagen seien Gründe für seine Handlung. Die Sicherheitslage im Wiener Landesgericht war aufgrund einer defekten Schleuse angespannt, während der Prozess über die Bühne ging.
Ehrenmord oder verzweifelte Tat?
Die Staatsanwaltschaft sieht den Fall als Ehrenmord. Ehrenmorde sind Tötungsdelikte, die oft von Männern an Frauen in patriarchalisch geprägten Familienverbänden verübt werden, um die Ehre der Familie wiederherzustellen. Dies wird besonders deutlich, wenn man bedenkt, dass Mina nicht nur eine Tochter, sondern auch eine Schwester von sechs Geschwistern ist – die älteste ist bereits verlobt. Der Angeklagte wurde vom Schwurgericht zu lebenslanger Haft wegen versuchten Mordes verurteilt, doch das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da die Verteidigung Berufung eingelegt hat.
Der Fall wirft zahlreiche Fragen auf, insbesondere zu den Gesetzen und kulturellen Praktiken in Österreich, die in vielen Fällen nicht ausreichen, um Frauen und Mädchen vor solcher Gewalt zu schützen. Ehrenmorde sind nicht nur ein österreichisches Phänomen. In Deutschland beispielsweise sind Frauen und Mädchen ebenfalls von dieser Form der Gewalt betroffen. Laut Menschenrechtsorganisationen kommen Ehrenmorde häufig in Familien mit konservativen und patriarchalen Werten vor. Eine BKA-Studie dokumentierte zwischen 1996 und 2005 in Deutschland 109 versuchte Ehrenmorde – und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Dunkelziffer wird als erheblich höher eingeschätzt.
Ein Blick auf die gesellschaftlichen Hintergründe
Die gesellschaftlichen Hintergründe dieser Tragödie sind komplex. Soziologen wie Kazım Erdoğan schätzen, dass es jährlich bis zu 150 solcher Fälle in Deutschland gibt. Gewalt im Namen der Ehre wird oft mit muslimischen Familien in Verbindung gebracht, tritt jedoch auch in anderen kulturellen und religiösen Kontexten auf. Beratungsstellen wie Yasemin in Stuttgart versuchen, betroffene junge Frauen, die von Zwangsverheiratung und Ehrgewalt bedroht sind, zu unterstützen. Viele dieser Frauen haben große Angst, ihre Familien zu verlassen, und einige kehren letztlich sogar zurück.
Der Prozess um Mina und ihren Vater ist ein tragisches Beispiel für die Herausforderungen, vor denen viele Frauen stehen, die unter dem Druck patriarchaler Strukturen leiden. Die WHO bezeichnet Morde an Frauen aus misogynen Motiven, einschließlich Ehrenmorden, als Femizid. Während Mina während der Verhandlung äußerte, dass sie ihren Vater liebe und ihm verzeihe, bleibt die Frage offen, wie wir als Gesellschaft solche Taten verhindern können.
Die Diskussion um den Begriff „Ehrenmord“ ist zudem umstritten. Einige Experten kritisieren seine Verwendung, während andere, wie Sonja Fatma Bläser, Gründerin des Vereins Hennamond, ihn als angemessen erachten, da er die Familienbeteiligung an diesen Taten betont. Der Fall zeigt, dass wir unbedingt hinschauen und handeln müssen, um solche Gewalt zu verhindern und Betroffenen zu helfen. Die Fragen, die sich hier aufdrängen, sind nicht nur rechtlicher, sondern auch gesellschaftlicher Natur.
Die Verhandlung um Mina und ihren Vater wird sicherlich nicht die letzte ihrer Art sein. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Fall als Weckruf dient, um die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, die zum Schutz der Betroffenen beitragen. Die Gesetze müssen strenger werden, und die Aufklärungsarbeit in Schulen ist von größter Bedeutung. Wir müssen aufhören, wegzuschauen und uns aktiv für eine Veränderung einsetzen.
