In Wien-Favoriten wird derzeit ein ehrgeiziges Projekt umgesetzt, das nicht nur historisches Bauwerk, sondern auch Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit ist. Die Sanierung des Biedermeierhauses in der Van-der-Nüll-Gasse 22, das im Jahr 1885 errichtet wurde, hat Pioniercharakter für Österreich. Das Gebäude wurde in der Vergangenheit mehrfach saniert und zuletzt als Arbeiterquartier und Lager genutzt. Jetzt steht es vor einer neuen Zukunft, die von der Unternehmensgruppe Sedlak gestaltet wird. Die Sanierung und Aufstockung des Hauses wird mit einem klaren Fokus auf die Wiederverwendung von Materialien durchgeführt, um den Anforderungen der EU-Taxonomie-Verordnung zu entsprechen. Damit wird die Van-der-Nüll-Gasse 22 das erste Gebäude in Österreich sein, das diesen Kriterien entspricht.
Die EU-Taxonomie-Verordnung, die im Juni 2020 beschlossen wurde und deren Bewertungskriterien erst 2023 veröffentlicht wurden, definiert „Nachhaltigkeit“ in sechs zentralen Kriterien: Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft, Klimawandelanpassung und weitere. Sedlak Immobilien hat umfassende Analysen durchgeführt, die zeigen, dass über 70% der nicht gefährlichen Abfälle recycelt oder wiederverwendet werden können. Zu den besonderen Merkmalen des Projekts gehören die Erhaltung der Terrazzo-Böden, die Wiederverwendung von Mauerziegeln, die Aufbereitung von Gipskartonplatten und die teilweise Wiederverwendung von Glasscheiben. Die bestehende Bruttofläche von 1.155 Quadratmetern wird durch eine Aufstockung und einen Ausbau um 400 Quadratmeter erweitert.
Innovative Ansätze zur Kreislaufwirtschaft
Das Projekt ist nicht nur ein Sanierungsprojekt, sondern auch ein Pilotprojekt zur kreislauffähigen Sanierung. Die Anwendung der technischen Bewertungskriterien der EU-Taxonomie, die im Juni 2023 veröffentlicht wurden, zielt darauf ab, wirtschaftliche und skalierbare Lösungen mit moderatem Aufwand zu finden. In diesem Zusammenhang wird auch eine digitale Gebäuderessourcenpass erstellt, der als Materialdatenbank fungiert. Unterstützt wird das Vorhaben durch die neue Software SCALE, die zur Simulation der Umweltwirkungen eingesetzt wird. Die Förderung des Projekts erfolgt unter anderem durch das Wiener Stadterneuerungsprogramm „WieNeu+“.
Die Kernmaßnahmen des Projekts umfassen ein umfassendes Abfallmanagement, die Verwendung umweltfreundlicher Materialien, ein flexibles Konstruktionsdesign sowie eine transparente Dokumentation der verwendeten Materialien und der Umweltwirkungen. Sedlak Immobilien sieht dieses Projekt als Leuchtturmprojekt für kreislaufwirtschaftliche Ansätze in der Sanierung. Erkenntnisse aus dem Projekt sind von großer Bedeutung, insbesondere die Notwendigkeit neuer Denkansätze und die detaillierte Bestandsaufnahme vor Ort.
Die Zukunft des Bauens
Die Anforderungen der EU-Taxonomie betreffen nicht nur die Bauwirtschaft, sondern auch Finanzmarktakteure und Architekten. Die erwartete steigende Nachfrage nach Taxonomie-konformen Objekten wird die Branche verändern. Der Einfluss von Planenden ist besonders in den frühen Lebenszyklusphasen von Gebäuden groß, da Entwurf und Design entscheidend für die Taxonomiekonformität sind. Architekten können Informationsverluste über Konstruktionsmerkmale zwischen Entwurf und Inbetriebnahme vermeiden, um das Nachhaltigkeitspotenzial auszuschöpfen.
Das Projekt in der Van-der-Nüll-Gasse 22 zeigt, wie durch innovative Ansätze und den Einsatz von Recyclingmaterialien ein Beitrag zu einer nachhaltigen Bauweise geleistet werden kann. Die Bauarbeiten, die im Februar 2026 initiiert wurden, sollen bis Mai 2027 abgeschlossen sein. Ein weiterer Schritt in die Zukunft des Bauens ist getan – ein Schritt, der nicht nur den Erhalt eines historischen Gebäudes sichert, sondern auch die Weichen für eine nachhaltige und ressourcenschonende Bauweise stellt. Weitere Informationen zu den Erkenntnissen des Projekts werden auf dem Blog der DI Wilhelm Sedlak GmbH veröffentlicht.
Für mehr Details über das Projekt und die EU-Taxonomie können Sie die vollständigen Informationen unter diesem Link nachlesen. Weitere Aspekte der kreislauffähigen Sanierung finden Sie auch auf der Seite der Wiener Stadtverwaltung.