In Österreich ist der Igel ein bekanntes und beliebtes stacheliges Säugetier. Mit über 30 Igelarten weltweit ist die systematische Zuordnung dieser kleinen Wesen jedoch noch nicht ganz klar. Bei uns gibt es eine interessante West-Ost-Grenze: Während die westlichen Igel als Braunbrustigel bekannt sind, treffen wir im Osten auf die Weißbrustigel. Diese Unterschiede sind nicht nur biologisch spannend, sondern werfen auch Fragen zur Lebensweise und den Lebensräumen der Igel auf.

Die Hauptnahrung der Igel besteht aus Insekten, und hier liegt ein ernsthaftes Problem. Der Rückgang dieser Nahrungsquelle ist alarmierend und hat direkte Auswirkungen auf die Igelpopulation. Ein reich strukturierter Lebensraum, der Wiesen, Tümpel und Laubhaufen umfasst, bietet den Igeln gute Nahrungsbedingungen. Doch wie sieht es mit den Igeln in unseren Städten aus?

Freie Bahn für Igel in Wien

Im Jahr 2024 fand in Wien das bürgerwissenschaftliche Forschungsprojekt „Freie Bahn für Igel“ statt. Hier konnten Bürger ihre Igelsichtungen melden. Die Ergebnisse waren aufschlussreich: Viele Sichtungen erfolgten auf den Straßen, was nicht nur die Igel, sondern auch die Autofahrer vor Herausforderungen stellte. Tintenfuß-Tapser wurden registriert, und die Igel hinterließen Abdrücke in Fußbädern und auf Papier. Besonders aktiv waren die Igel in Wien Floridsdorf, Donaustadt und am Matzleinsdorferplatz. Im westlichen Wienerwaldrand hingegen konnten kaum Igelspuren nachgewiesen werden. Das zeigt, wie wichtig vernetzte Grünzonen in der Stadt sind. Sie bieten nicht nur Schatten für Menschen, sondern helfen auch den stacheligen Tieren, sich sicherer zu bewegen.

In Deutschland sieht die Lage nicht viel besser aus. Hier gibt es nur wenig verlässliche Daten zur Bestandsentwicklung des Igels, aber Langzeitstudien deuten auf einen dramatischen Rückgang hin. Ein deutschlandweites Igelmonitoring wurde ins Leben gerufen, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen wie dem NABU und dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Ziel des Monitorings ist es, Langzeitdaten zur Igelpopulation zu sammeln. Im Rahmen der Aktion „Deutschland sucht Igel und Maulwurf“ wurden im September 2023 bereits über 10.000 Igel gemeldet. Ein großer Erfolg, der zeigt, wie engagiert die Bevölkerung ist!

Ein Aufruf zur Mithilfe

Auch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) hat im April 2024 ein ähnliches Projekt gestartet. Hier können interessierte Bürger ihre Igelbeobachtungen über ein Online-Meldeportal melden. Bis zum 15. August 2024 gingen bereits rund 650 Meldungen ein, hauptsächlich aus Siedlungsgebieten in Südhessen. Die häufigsten Meldungen stammen aus den Ballungsgebieten des Rhein-Main-Gebiets. Biologin Irene Glatzle vom HLNUG ruft dazu auf, auch Meldungen aus ländlichen Regionen zu senden, denn dort fehlen häufig Nachweise. Im Herbst sind die Igel besonders aktiv, während sie sich auf den Winterschlaf vorbereiten, und viele Igelmütter sind mit ihren Jungtieren unterwegs.

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Interessanterweise sind rund 90 % der gemeldeten Igel Lebendfunde. Totfunde hingegen sind oft Verkehrsopfer oder auf Mäharbeiten zurückzuführen. Strukturreiche Gärten sind daher von großer Bedeutung als Lebensräume für Igel. Die Gestaltung igelfreundlicher Gärten und die Vernetzung dieser Gärten können einen echten Unterschied machen. Kleiner Tipp: Zaundurchlässe von etwa 10 x 10 cm können Igel schützen, indem sie gefährliche Straßenüberquerungen vermeiden.

Eine regelmäßige Fütterung von Igeln wird nicht empfohlen, da sie ungebetene Besucher anlocken kann. Stattdessen sollten bei Gartenarbeiten wilde Bereiche erhalten bleiben, um Igeln potenzielle Winterquartiere zu bieten. Die verschiedenen Initiativen in Deutschland und Österreich zeigen, dass das Interesse an Igeln groß ist und viele Menschen bereit sind, ihren Beitrag zu leisten. Die Zukunft dieser faszinierenden Tiere hängt von uns ab.

Für mehr Informationen über die Igel und wie man helfen kann, lohnt sich ein Blick auf die entsprechenden Webseiten der genannten Organisationen. Es gibt viel zu tun, damit die Igel auch in Zukunft in unseren Gärten und Parks wohnen können.

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