In Österreich ist der Igel ein stacheliges, aber charmantes Tier, das sich in den Gärten und Parks heimisch fühlt. Die kleinen Stachelträger sind vor allem dämmerungs- und nachtaktiv, was sie zu geheimnisvollen Nachbarn macht. Weltweit gibt es über 30 Igelarten. Ihre systematische Zuordnung ist jedoch noch immer ein Rätsel. In unserem Land unterscheidet man zwischen zwei Hauptarten: den Braunbrustigeln im Westen und den Weißbrustigeln im Osten.

Diese kleinen Säugetiere sind echte Insektenliebhaber. Sie ernähren sich hauptsächlich von Insekten, aber auch von Larven, Würmern und manchmal sogar von kleinen Wirbeltieren oder Früchten. Ein Rückgang der Insektenpopulation ist für die Igel eine große Herausforderung. Ein gut strukturierter Lebensraum, der Wiesen, Tümpel und Laubhaufen umfasst, sorgt hingegen für reichlich Nahrung und ein angenehmes Zuhause.

Das Projekt „Freie Bahn für Igel“

Im Jahr 2024 fand in Wien das spannende Forschungsprojekt „Freie Bahn für Igel“ statt, bei dem die Bürger dazu aufgerufen wurden, Sichtungen von Igeln zu melden. Die meisten dieser Sichtungen wurden auf den Straßen gemacht – eine gefährliche Gegend für die stacheligen Freunde. Auch die Abdrücke von Tintenfuß-Tapsen wurden registriert. Die Ergebnisse waren aufschlussreich: In den Stadtteilen Floridsdorf, Donaustadt und am Matzleinsdorferplatz wurden viele Igel gesichtet, während im westlichen Wienerwald kaum Spuren nachzuweisen waren. Es zeigt sich, dass vernetzte Grünzonen in der Stadt nicht nur schattenspendend sind, sondern auch den Igeln helfen, sich sicher zu bewegen. Für mehr Informationen zu diesem Projekt und den Ergebnissen, schaut mal hier.

Stacheligel sind Einzelgänger und markieren ihr Revier mit kleinen Kothäufchen. Das klingt fast schon nach einem kleinen Geheimagentenleben. Sie leben vorwiegend am Boden, nutzen aber auch gerne dieselben Wege, was zu Trampelpfaden führen kann. Ihr Bau ist meist gut versteckt in dichter Vegetation und wird mit Laub ausgepolstert. Wenn der Herbst naht, machen sich die Igel an die Arbeit und bauen ein isoliertes Winternest. Dieses findet man oft in Laubhaufen oder Dickichten. Von November bis April halten sie Winterschlaf, der bei warmen Temperaturen unterbrochen werden kann. Und wehe dem Autofahrer, der in dieser Zeit nicht aufpasst! Igel erwachen oft von Mitte März bis Mitte April und benötigen dann ausreichend Nahrung, da sie durch den Winterschlaf viel Gewicht verloren haben.

Bedrohungen und Mythen

Doch so süß und knuffig der Igel auch sein mag, er hat es nicht leicht. Verkehrsstraßen, Erntemaschinen und Pestizide stellen große Bedrohungen für die Population dar. In freier Natur sind Igel selten Angriffen ausgesetzt, die gefährlichsten Feinde sind Dachse und Eulen. Gleichzeitig gibt es viele Mythen über diese Tierchen. Ursprünglich wurden Igel bereits in der Antike als Haustiere gehalten. In der mittelalterlichen Literatur galten sie als schlau, manchmal sogar als durchtrieben. Ein besonders hartnäckiger Mythos besagt, dass Igel sich unter Obstbäumen wälzen, um die Früchte auf ihre Stacheln aufzuspießen und für den Winter mitzunehmen. Dieser Schwank findet sich sogar in den Schriften von Plinius dem Älteren und Plutarch.

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Die Zahl der Igel in Europa, einschließlich Österreich, hat in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. Heiße, trockene Sommer wie 2018 und 2019 haben das Insektensterben begünstigt und die Böden ausgetrocknet, was den Igeln das Überleben erschwert. Auch die wärmer werdenden Winter führen zu Problemen: Häufigere Unterbrechungen des Winterschlafs beeinträchtigen die Nahrungsaufnahme. Veraltete Rasenmähroboter ohne Igelschutzfunktion gefährden die stacheligen Tiere zusätzlich. Es ist an der Zeit, uns Gedanken zu machen, wie wir diesen kleinen Geschöpfen helfen können.

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