In Wien-Floridsdorf wird zurzeit viel über die Polizeipräsenz diskutiert. Bezirksvorsteher Marcus Franz aus Favoriten und Georg Papai aus Floridsdorf haben die Initiative „Gerechtigkeit und noch mehr Sicherheit für Wien – faire Polizei-Personalverteilung in ganz Österreich“ ins Leben gerufen. Diese Bürgerinitiative hat das Ziel, die Sicherheitslage in den beiden Bezirken zu verbessern. Es wird eine Unterschriftensammlung am Franz-Jonas-Platz durchgeführt, um die Forderungen der Initiative zu unterstützen. Ein Ziel sind mindestens 500 Unterschriften, damit das Thema im Parlament behandelt wird.

Die Bürgerinitiative bringt drei zentrale Forderungen mit sich: Erstens, einen verpflichtenden und einheitlichen Verteilungsschlüssel für Polizeipersonal, der auf der Einwohnerzahl basiert. Zweitens, eine transparente Zuteilung von Polizeipersonal, wobei nur aktives Personal berücksichtigt werden soll. Drittens soll gesetzlich sichergestellt werden, dass Personalunterstand nicht möglich ist. Papai hebt hervor, dass das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stark von der Polizeipräsenz abhängt. Diese Forderungen sind besonders dringlich, denn in Favoriten gibt es 319 Planstellen, von denen jedoch nur etwa 300 tatsächlich im Einsatz sind. In Floridsdorf sind von 248 Planstellen nur 177 besetzt.

Die Sorgen der Bevölkerung

Die Personalnot bei der Polizei macht es zudem schwierig, gegen Lärmerregungen und Verkehrsverstöße vorzugehen. Die Bezirksvorsteher fordern Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) auf, die Polizeipräsenz zu erhöhen. In einer Stadt mit über 400.000 Einwohnern, wie es Favoriten und Floridsdorf zusammen sind, ist dies ein wichtiges Thema. Franz kämpft bereits seit über 13 Jahren für mehr Polizisten in seinem Bezirk und ist frustriert über die leeren Versprechen der Innenminister.

Es ist nicht nur ein lokales Problem. Eine Umfrage zeigt, dass zwei Drittel der Menschen sich mehr Polizeipräsenz auf den Straßen wünschen. Diese Erkenntnis ist nicht neu; schon in den 1970er Jahren wurden ähnliche Wünsche in den USA festgestellt. Interessanterweise hat ein Experiment des Gießener Kriminologen Tim Pfeiffer ergeben, dass mehr Polizeipräsenz nicht immer zu einem höheren Sicherheitsgefühl führt. In seinem Experiment, das 1700 Rasterzellen in Kassel umfasste, berichteten Bürger in den Zellen mit zusätzlicher Polizeipräsenz von einem erhöhten Unsicherheitsgefühl, obwohl es keine physischen Beweise für eine tatsächliche Zunahme von Problemen gab. Dieses Phänomen nennt Pfeiffer das „Präsenzparadoxon“.

Die Wahrnehmung von Sicherheit

Das zeigt, dass mehr Polizei nicht gleich mehr Sicherheit bedeutet. Auch die Ergebnisse aus Kassel legen nahe, dass häufige Polizeipräsenz aus Fenstern heraus negativ wahrgenommen werden kann. Das Sicherheitsgefühl der Bürger wird durch solche Wahrnehmungen stark beeinflusst. Polizeipräsident Konrad Stelzenbach betont, dass es eine Mischung aus Prävention und Verfolgung braucht, um Kriminalität effektiv zu bekämpfen. Tim Pfeiffer schlägt vor, die Polizeikräfte gezielt in Kriminalitäts-Hotspots einzusetzen und fordert weitere Forschung zu diesem Thema.

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Es sind nicht nur die Beamten, die gefordert sind. Die Verantwortung liegt auch bei den Kommunen, das Sicherheitsgefühl der Bürger zu verbessern – durch Instandhaltung von Gebäuden, Müllbeseitigung und weitere Maßnahmen. Der Diskurs um die Polizeistärke in den Bezirken ist also vielschichtig und verlangt nach einer differenzierten Herangehensweise.

Der Druck auf die politischen Entscheidungsträger wächst, und es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird. Die Bürger von Favoriten und Floridsdorf haben klar gemacht, dass sie eine stärkere Polizeipräsenz wünschen, auch wenn die Forschung zeigt, dass mehr Polizeipräsenz nicht immer die erhoffte Sicherheit bringt. Es ist eine spannende Zeit für die beiden Bezirke, und wir dürfen gespannt sein, wie sich die Dinge weiterentwickeln werden.