Im Zoo Schönbrunn in Wien-Hietzing gibt es aufregende Neuigkeiten: Ein Amurleoparden-Jungtier, das im Januar geboren wurde, ist zurück aus dem Winterschlaf und erkundet nun neugierig sein Gehege. Das kleine Tier, das blind zur Welt kam und in einer Wurfhöhle geboren wurde, zeigt sich bereits als versierter Kletterer. Währenddessen beobachtet die Mutter aufmerksam die Ausflüge ihres Nachwuchses. Diese Geburt ist besonders erfreulich, da der Amurleopard zu den seltensten Säugetieren der Welt zählt. Mit einer geschätzten Gesamtpopulation von rund 120 Exemplaren in freier Wildbahn ist der Fortbestand dieser Art stark gefährdet.
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Amurleoparden hat sich dramatisch verringert; nur noch 2-3% sind vorhanden. Diese faszinierenden Tiere leben hauptsächlich im Leopardovy-Nationalpark im Osten Russlands, wobei kleine Populationen auch im Nordosten Chinas zu finden sind. Der Zoo Schönbrunn engagiert sich seit 2016 aktiv im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm, um zur Erhaltung dieser bedrohten Art beizutragen. Im Jahr 2022 wurden in 30 Institutionen des Europäischen Zooverbands lediglich sieben Jungtiere geboren, was die Bedeutung jedes einzelnen Nachkommens unterstreicht.
Bedrohungen für den Amurleoparden
Die Herausforderungen, vor denen die Amurleoparden stehen, sind vielfältig. Lebensraumverlust, Rückgang der Beutetiere, Wilderei und Mensch-Wildtier-Konflikte sind nur einige der größten Bedrohungen. In den letzten Jahrzehnten ging fast die Hälfte ihres Lebensraums zwischen den 1970er und 1990er Jahren verloren, was hauptsächlich auf unkontrollierten Holzeinschlag, Waldbrände und die Umwandlung von Wäldern in landwirtschaftliche Flächen zurückzuführen ist. Waldbrände, oft durch menschliche Unachtsamkeit ausgelöst, haben bereits ein Drittel der Wälder der Leoparden geschädigt.
Leider sind Lebensraum und Beutetiere eng miteinander verknüpft. Die Zerstörung von Futterbäumen führt zu einem Rückgang der Beutetiere, was wiederum die Leopardenpopulation gefährdet. Menschliche Infrastruktur, wie Autobahnen, hindert die Tiere daran, sich frei zu bewegen und ihren genetischen Austausch aufrechtzuerhalten. In vielen Regionen des historischen Verbreitungsgebiets gibt es nicht genug Beutetiere, was die ohnehin schon geschrumpfte Leopardenpopulation weiter belastet.
Erhaltungsbemühungen
Die Erhaltungsmaßnahmen für die Amurleoparden zeigen erste Erfolge. In den letzten 15 Jahren konnte sich die Population in Russland, die hauptsächlich im Leopardovy-Nationalpark lebt, verdoppeln – von etwa 30 auf rund 60 Tiere. Programme der russischen Regierung, darunter die Auswilderung von in Zoos geborenen Tieren, haben zur Stabilisierung der Population beigetragen. Seit 2013 wird zudem versucht, die Verbindung zwischen den fragmentierten Lebensräumen zu verbessern.
Die aktuelle Schätzung geht davon aus, dass es etwa 70 wildlebende Amur-Leoparden gibt, von denen sich knapp 60 in Russland und 10 bis 12 in China aufhalten. Diese Zahlen sind ermutigend, doch der Weg zur vollständigen Erholung der Art ist noch lang. Die Herausforderungen sind groß, und der Zoo Schönbrunn spielt eine wichtige Rolle in den internationalen Bemühungen, diesen majestätischen Tieren eine Zukunft zu sichern.